Wien. In Oakmont möchte man nicht leben. Ständig regnet es in dieser im Schlamm versinkenden Hafenstadt; manches Viertel hat gar schon die Flut verspeist. So unfreundlich wie das Wetter sind die Menschen: Religiöse Fanatiker treffen auf Aristokraten, die dem Sozialdarwinismus frönen; Rassismus, Wut und Wahnsinn machen sich überall breit.

In diese unwirtliche Stadt verschlägt es Detektiv Charles Reed zu Beginn der 1920er Jahre in "The Sinking City", dem neuen Spiel von Entwickler Frogwares. Der ehemalige Marinesoldat Reed wird seit geraumer Zeit von Visionen und Albträumen über eine versunkene Stadt geplagt. Die Ursache dafür, so hat er gehört, sei in Oakmont zu finden. Also macht sich der Detektiv in die fiktive Stadt in Massachusetts auf.

Das Spiel ist von den Werken des amerikanischen Horrorautors H. P. Lovecraft ("The Call of Cthulhu") inspiriert, dementsprechend bedrückend, aber auch fantasievoll entfaltet sich gleich zu Beginn die Handlung. Reed trifft am Hafen auf Robert Throgmorton, das Oberhaupt einer bedeutenden Großfamilie. Throgmorton ist nicht nur ein knallharter Aristokrat, er sieht auch wie ein Affe aus. Das liege an seinen einzigartigen Genen, berichtet er stolz, und im Verlauf des Spiels trifft Reed immer wieder auf derart interessante Figuren.

Kein Spiel für Bequeme

Im Spielverlauf trifft man auf seltsam aussehende Personen . . . - © Bigben Interactive/Frogwares
Im Spielverlauf trifft man auf seltsam aussehende Personen . . . - © Bigben Interactive/Frogwares

Der Aristokrat erteilt Reed seinen ersten Auftrag. Denn Throgmortons Sohn wird vermisst, Reed muss sich auf die Suche nach ihm machen. Hilfestellungen gibt es wenige, vielmehr muss der Spieler sich die Lösung selbst erarbeiten. Er befragt Zeugen, verfolgt Spuren, kombiniert Hinweise und setzt die mysteriösen Fähigkeiten von Reed - er kann etwa in die Vergangenheit sehen - ein. Anschließend offenbaren sich mehrere mögliche Lösungen.

. . . und so manches Monster. - © Bigben Interactive/Frogwares
. . . und so manches Monster. - © Bigben Interactive/Frogwares

Diese Spielmechanik lässt "The Sinking City" aus der Masse herausstechen. Es ist kein Spiel für Bequeme, die gemütlich eine Aufgabe nach der anderen erledigen wollen, stattdessen ist Grips gefragt. Dank des erfrischenden Szenarios und der grundsoliden Handlung geht dieses Schnüffelprinzip auch weitgehend auf.

Reed erkundet nach und nach das düstere Oakmont mit seinen Geheimnissen, Kulten und Konflikten. So taucht er auf den Meeresgrund, um einer verschollenen Expedition, die dort seltsame Vorkommnisse untersucht hatte, nachzuspüren. Oder er infiltriert eine Organisation, die sich als Wohltätigkeitsverein ausgibt, unter diesem Deckmantel aber ganz andere Ziele verfolgen könnte.

Im Spielverlauf beeinflusst Reed auch die Handlung, da er die Missionen auf unterschiedliche Arten lösen kann. Er muss entscheiden, ob er Throgmortons Lakai wird oder sich doch auf die Seite anderer Kräfte stellt. Die Entscheidungen haben Konsequenzen und münden letztlich auch in unterschiedliche Enden.

Komplizierte Steuerung

In technischer Hinsicht kann das Spiel hingegen nicht überzeugen. Die Grafik ist mau und veraltet, häufiges Nachladen und Fehler trüben die ansonsten sehr dichte Atmosphäre: Figuren werden etwa verspätet ins Spiel geladen und tauchen plötzlich aus dem Nichts auf.

Ein Schwachpunkt ist auch das Kampfsystem. In Oakmont haben sich im Zuge der Flut allerlei Monster breitgemacht, diese verheddern sie sich aber allzu oft in Türen und Kisten, manchmal reagieren sie nicht einmal auf den Detektiv. Einfach gestalten sich die Kämpfe trotzdem nicht, da das Hantieren mit der Pistole dank der unpräzisen Steuerung zum Kraftakt wird.

In seiner Präsentation kann "The Sinking City" nicht mit Spielen aus dem Blockbuster-Segment mithalten, origineller und erfrischender als so mancher Konkurrenztitel ist es jedoch allemal.

"The Sinking City" erscheint heute, Freitag, für PS4, Xbox One und PC. Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt.