Wien. Doris Rastinger ist Lighting Artist. In London. Das heißt, sie kümmert sich um die Lichtsetzung in animierten Werbe- und Musikvideos. Nicht jeder schafft das in dieser heiß umkämpften Branche. In ihrer Freizeit wird die sympathische Oberösterreicherin jedoch zur Barbarin. Wörtlich. Denn ihr Hobby ist Cosplay. Das wiederum heißt, sie verkleidet sich als Computerspielfigur und tritt in ihren Kostümen öffentlich auf. Speziell die Inszenierung des Barbaren aus dem Videospiel "Diablo 3" hat es ihr angetan.

"Es war für mich sehr lang nicht so ein soziales Hobby, sondern eher etwas, was ich privat daheim mache", erklärt Rastinger gegenüber der "Wiener Zeitung". Alles habe sich, so die gebürtige Pinsdorferin, aus dem Basteln kleiner Figuren entwickelt: "Irgendwann dachte ich mir: Ich kann das auch in Lebensgroß und hab‘ meine erste Rüstung gemacht." Inzwischen tritt sie auf den großen internationalen Events auf, wie etwa auf der Kölner Gamescom und Wiener Comic Convention.

Ihr Hang zu unkonventionellen Materialien habe zu Beginn für Verwunderung gesorgt, denn Doris‘ erstes Kostüm folgte einer knappen Budgetierung von 50 Euro und bestand rein aus Karton. "Jeder hat mir damals gesagt, dass es eine absolut verrückte Idee ist und nicht funktionieren kann!", sagt die Künstlerin. Doch es hat funktioniert - und seitdem ist sie mit Leidenschaft und Begeisterung dabei.

Beruf und Hobby ergänzen sich

- © Pugoffka
© Pugoffka

Der weitere Lebenslauf war nach dem Abschluss der Handelsakademie daher klar: "Mein Hobby war immer schon das Basteln", sagt Doris. Sie studierte "Digitale Künste" in Oberösterreich, wo sie sich viel mit Figurendesign beschäftigte. Nach ihrem Studium übersiedelte sie für die Stelle als Lightning Artist nach London. Ihr Hobby, so die Cosplayerin, ergänze sich ideal mit ihrer Arbeit.

Durch das erworbene Hintergrundwissen in Illustration und Design konnte sie neue Stärken entwickeln, so auch das Bemalen von Kostümteilen wie Rüstungen. Doch das perfekte Kostüm verlangt künstlerische Vielfalt: Von Haar-Styling, Modellieren sowie Posieren für Fotoshootings ist vieles dabei. Auch der Griff zu Nadel und Zwirn gehört laut Doris dazu, wobei sich dies zu Beginn als problematisch erwiesen habe: "Als ich angefangen habe, konnte ich nicht einmal nähen und habe es auch gehasst."

Aus dieser ambivalenten Beziehung zur Nähmaschine schlug die Künstlerin jedoch Kapital. Sie fokussierte sich stärker auf das Bauen der Rüstungen und setzte sich vermehrt mit den Möglichkeiten skurriler Materialien auseinander. Vor allem auf Karton greift sie gerne zurück, denn der sei nicht nur äußerst stabil und leicht zu bearbeiten, sondern auch günstiger als handelsübliche Materialien wie Thermoplast.