Das Hindernis überwunden, herrscht einmal Begeisterung. Das frisch aufgesetzte Betriebssystem schaut nicht nur schick aus, sondern ist auch schnell und spielt alle Stückerl: So beim Einrichten gewünscht, sind bereits alle standardmäßigen Treiber an Bord; die vorinstallierten freien Programme übertreffen oft sogar jene von Windows. Dazu gehört beispielsweise Libre, das Linux-Word. Orthografie, Grammatik - alles top und zwar in jeder beliebigen Sprache. Das Synonymwörterbuch: ein Traum.

Unter Windows hatte man Word früher noch mit dem Duden-Korrektor auf den höchsten Standard verbessern können. Diese Option steht bei den neueren Windows-Versionen aber nicht mehr zur Verfügung, da das Duden-Programm eingestellt wurde. Dafür kann man die meisten freien Programme - darunter Libre - auch unter Windows installieren.

Man fühlt sich nackt

Umgekehrt sind die aus Windows bekannten Internet-Browser wie Firefox oder Google Chrome alle für Linux erhältlich. Das erste Mal im Internet, fühlt man sich nackt. Denn etwas gibt es für Linux so gut wie gar nicht: Antivirusprogramme. Von den wenigen, die vorhanden sind, wird sogar ausdrücklich abgeraten. Da Linux nur einen relativ kleinen Markt bedient, ist das System für Hacker vergleichsweise uninteressant, zumal Linux einige gute Schutzmechanismen mitbringt. Die oftmals propagierte absolute Sicherheit vor Viren gibt es aber nicht. Einen Schritt weiter zu gehen und das System zu härten, also sehr sicher zu machen, ist ein mühsamer Prozess für Fortgeschrittene.

Für die Bildbearbeitung gibt es Gimp, das eigentlich alles an Werkzeugen mitbringt, was das Herz begehrt. Sogar kommerzielle und bei Fans von Privatsphäre unbeliebte Programme wie den Musikdienst Spotify kann man problemlos installieren. Alles ganz einfach über einen eigenen Punkt im Start-Menü.

Insgeheim stellt sich die Frage: Warum ist der Umstieg auf Linux nicht schon viel früher erfolgt? Die Antwort geben gleich darauf die Spiele.

Für Gamer war Linux stets ein Horror: Es gab kaum Spiele, die unter dem Betriebssystem laufen, aktuelle Blockbuster schon gar nicht. Doch seit einem Jahr hat die Spieleplattform mit Proton eine Übersetzungsbibliothek auf dem Markt, mit der auch große Titel unter Linux installiert und gespielt werden können. Das ist zwar bei dem Computer-Tattergreis nicht das primäre Ziel, doch wenn zumindest jene Spiele funktionieren, die bisher unter Windows 7 funktioniert haben, wäre es ein Erfolg.

Das klappte im Test allerdings nicht. Während Besitzer neuerer Computer bezeugen, dass bei ihnen die Spiele unter Linux fast genausogut laufen wie unter Windows, ist bei unserem Computergreis Ende der Fahnenstange. Das Spiel "Counter Strike: Global Offensive" fror regelmäßig ein, die grafisch einfachere "Banner Saga" funktionierte zwar grundsätzlich, allerdings nur mit lästigem Ruckeln. Beheben ließ sich das trotz mehrtägiger Suche auf Google und in Foren nicht. Immerhin liefen Filme und Videos unter Linux aber problemfrei.

Unterm Strich ließ sich mit dem Umstieg auf Linux aus einem zehn Jahre alten Rechner ein schneller PC machen, der die neuesten Stückerl spielt, in Sachen Gaming jedoch die Patschen streckt.