"Pro Evolution Soccer" punktet mit Realismus - nicht nur bei der Grafik, auch bei Ballphysik und Spielerverhalten. Unter vielen E-Sport-Profis gilt es daher als bestes Fußballvideospiel. - © Konami
"Pro Evolution Soccer" punktet mit Realismus - nicht nur bei der Grafik, auch bei Ballphysik und Spielerverhalten. Unter vielen E-Sport-Profis gilt es daher als bestes Fußballvideospiel. - © Konami

Andrés Torres könnte sich einen Wechsel gut vorstellen. Seit zwei Jahren ist der 25-Jährige beim Fußballklub Red Bull Salzburg als E-Sportprofi unter Vertrag. Die Veränderung, die Torres in Erwägung zieht, würde ihn aber nicht zu irgendeinem anderen Fußballklub führen. Es ist vielmehr ein anderes Spiel, das es ihm angetan hat. So ein Wechsel wäre aber alles andere als einfach.

Torres spielt eigentlich die Fußballsimulation "Fifa". Mit diesem Spiel hat er auch schon mehrere Turniere gewonnen und ist eBundesliga Meister 2018/19 im Teamwettbewerb mit dem FC Red Bull Salzburg geworden. "Fifa" ist quasi sein Wohnzimmer. Hier kennt er sich aus, hier ist er der Chef. Doch insgeheim liebäugelt er mit dem großen Konkurrenten "Pro Evolution Soccer".

"Fifa" punktet mit Lizenzen, "PES" mit Gameplay

Red-Bull-Salzburg-Profi Andrés Torres spielt "Fifa", liebäugelt aber mit "Pro Evolution Soccer". - © Gepa/M. Mandl
Red-Bull-Salzburg-Profi Andrés Torres spielt "Fifa", liebäugelt aber mit "Pro Evolution Soccer". - © Gepa/M. Mandl

Unter den meisten Profis gilt: "Fifa" ist das populärere Spiel, "Pro Evolution Soccer" ("PES") das bessere. Trotzdem ist "Fifa" gerade im kompetitiven Bereich unumstritten. Das liegt nicht zuletzt auch an den Lizenzen: Bis auf seltene Ausnahmen gibt es bei "Fifa" die Originaltrikots, Originallogos und -musik der ganzen Wettbewerbe, von Zweitligisten bis zur Champions League. "Fifa" bietet die authentischere Show und das Gefühl, mittendrin zu sein statt nur dabei. So gibt es nebenbei auch noch einen Geschichtemodus, in dem man in die Rolle eines aufstrebenden Fußballtalents schlüpfen kann.

In Sachen Spielrealismus ist "Fifa" dafür großzügig. Sogar im Sprint diagonal gegen die Laufrichtung gespielte Blindpässe kommen auf 30 Meter stets zielsicher an. Auch die Torabschlüsse aus der Drehung, oder Volleys aus mehr als 20 Metern gehen meist direkt ins Kreuzeck, ohne dass der Torwart eine Chance hätte.

Anders bei "Pro Evolution Soccer". Jahr für Jahr kommt das Spiel von der Ballphysik und dem Spielerverhalten her dem näher, was sich auf dem echten Rasen abspielt. Lizenzen waren dafür stets mehr die Ausnahme als die Regel. "Real Madrid" heißt hier "Madrid Chamartín B", "Manchester City" ist "Manchester B" und die "Champions League" die "European Masters". Lediglich für südamerikanische Ligen und europäische Exoten wie Russland, Türkei oder Dänemark gibt es die Lizenzen mit den originalen Datensätzen.

Zwei Millionen Dollar an Preisgeldern für "PES"

Für Profis wie Torres, die bei einem echten Fußballklub unter Vertrag stehen, scheidet "PES" damit aus. Denn schließlich müssen diese bei den E-Sport-Meisterschaften mit ihrem Verein antreten. Und in "PES" gibt es Red Bull Salzburg - so wie die österreichische Bundesliga überhaupt - nicht einmal unter falschen Namen. Zudem gab es für "Fifa" immer mehr Turniere und letztlich mehr Preisgelder zu gewinnen. Doch dieses Jahr hat Konami, der japanische Publisher von "PES", zum Sturm auf den E-Sport geblasen.

Das beginnt schon beim Namen. "Pro Evolution Soccer" heißt nun offiziell "eFootball Pro Evolution Soccer 2020". Neben der Profiliga "eFootball Pro League" wird mit der "eFootball Open" ein neuer Wettbewerb geschaffen. Das Preisgeld wird sich insgesamt auf zwei Millionen US-Dollar belaufen. Im Vergleich zu Spielen wie "Fortnite", das 2019 100 Millionen Dollar für seine Wettbewerbe ausschüttete, ist das zwar bescheiden. Für E-Fußball ist es aber ganz ordentlich und reicht, um auch gestandene "Fifa"-Profis zu locken. "Fifa" hat Medienberichten zufolge im Jahr 2019 etwas mehr als 3,2 Millionen an Preisgeldern ausgeschüttet. Aufgrund der Masse an Spielern relativiert sich das allerdings.

"Die Nummer 32 der ,Fifa‘-Weltrangliste hat vergangene Saison gerade einmal 500 Euro an Preisgeld kassiert", sagt Andrés Torres. "Das ist ein Witz." Da kommt natürlich "PES" und das neue Preisgeld gelegen. "Ich werde heuer sicher an einem ,PES‘-Wettbewerb teilnehmen", kündigt Torres an. Allerdings wird er das nicht offiziell und für Salzburg machen. Das geht ja auch gar nicht ohne seinen Klub bei "PES". Torres will daher nebenbei bei den offenen Meisterschaften, an denen jeder teilnehmen kann, mitmachen.

Ob er sich abgesehen davon auch vorstellen könnte, eines Tages als Profi auf "PES" umzusteigen? "Dafür müsste sich doch noch einiges ändern", sagt er. "PES" müsste breiter aufgestellt sein, in die Profi-Liga müssten mehr Vereine Einzug halten. Vorerst sind von den prominenten Top-Klubs nur Barcelona, Schalke04 und Monaco an Bord. Doch reitet Konami weiter auf seiner Erfolgswelle, könnten es bald mehr werden. "Bis es soweit ist, konzentriere ich mich auf ,Fifa‘", sagt Torres.