Der Videospielhersteller EA hat es grundsätzlich nicht leicht. Jahr für Jahr kritisieren professionelle Spieler, dass die Fußballsimulation Fifa zu unrealistisch und zu schnell ist. Kaum drehen die Designer aber zu stark an der Spielmechanik, gibt es einen Aufschrei der Gelegenheitsspieler, die das Spiel dann als unspielbar bezeichnen.

So geschehen beispielsweise vor zwei Jahren bei "Fifa 18". Zu Beginn war die vom Computer gesteuerte Verteidigung stark heruntergefahren: Statt sich auf die Geschicke der Künstliche Intelligenz (KI) zu verlassen, musste der Spieler selbst mit seiner Defensivkunst aufwarten. Die breite Masse war damit überfordert. Nach einem Shitstorm schraubte EA die KI daher wieder hoch, was wiederum die Profis verärgerte.

"Fifa 20" kann nun in beiden Welten punkten, denn zur üblichen Standard-Simulation ist dieses Jahr nun noch der "Volta"-Modus mit an Bord. Das ist im Prinzip die Neuauflage des 2012 eingestellten Spiels "Fifa Street". Dabei wird auf einem Kleinfeld von drei gegen drei bis fünf gegen fünf gespielt. Im Fokus stehen Tricks und schnelles Spiel jenseits der Grenzen des Realismus.

Langsameres Spiel

Dafür wurde am eigentlichen Spiel kräftig geschraubt. Zunächst fällt auf, dass "Fifa 20" um Ecken langsamer als seine Vorgänger ist. Allein das verleiht dem Ganzen schon ein realistischeres Flair und auf Realismus hat sich EA diesmal sehr konzentriert.

Da wäre etwa die überarbeitete Schusstechnik. Torschüsse und Pässe aus unmöglichen Situationen wurden stark reduziert. Dafür wird der Schütze eher mit Erfolg belohnt, wenn er sich den Ball zuerst einmal in Schussrichtung auflegt. Das wiederum braucht - wie im echten Fußball - Zeit. Schießt der Spieler einfach drauf los, riskiert er einen verzogenen Schuss; ist er zu langsam, hat der Gegner den Ball.

Auch in der Verteidigung hat sich einiges getan. Hier wurde vor allem an der individuellen Geschwindigkeit gefeilt. Noch in "Fifa 19" konnten pensionsreife Verteidiger der unteren Ligen im defensiven Sprint mit Spitzenstürmern aus der Champions League mithalten. Das ist jetzt vorbei. Ist der Stürmer schneller, kann er den Verteidiger auch über den Haufen rennen.

Sogar das heiße Eisen der KI-Verteidigung hat EA angefasst. Zwar spielt die computergesteuerte Defensive vor allem im Schwierigkeitsgrad "Legende" weiterhin souverän. Allerdings wird der Spieler - nimmt er die Verteidigung selbst in die Hand - für präzise Tackles mit einer besseren Ballabnahme belohnt.