Mit dem Release von "Mario Kart Tour" Ende September wurde nun klar, was das bedeutet. Der einmalige Kaufpreis ist einem (optionalen) Premium-Abo-Modell mit monatlichen Kosten von 5,49 Euro und besonders umstrittenen kostenpflichtigen Lootboxen (eine Art virtuelle Kiste, die zufällig platzierte Gegenstände enthält), gewichen.

Angebote vermitteln
Knappheit

Es gehe den Entwicklern vorrangig darum, den Kunden möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen, so die Kritik. Die Methode: Im Anfangsstadium erhalten Spieler schnell und einfach kostenlose Belohnungen. In weiterer Folge werden sie durch künstliche Verknappung verstärkt dazu gedrängt, Geld auszugeben: Sonderangebote sind nur für eine beschränkte Zeit, Lootboxen nur in bestimmten Stückzahlen "auf Lager" verfügbar. Das vermittelte Credo: Wer schnell kauft, verpasst keinen Deal.

In-App-Gegenstände erhält man über kleine Röhren, die für rund 3,82 Euro pro Stück gekauft oder über langwieriges Sammeln von Rubinen freigeschaltet werden können. Der genaue Inhalt hängt vom Zufall ab. Man kauft also nicht gezielt konkrete Items, sondern lediglich die Chance, einen Gegenstand freizuschalten. Die Wahrscheinlichkeit, einen ganz bestimmten Fahrer zu erhalten, liegt aktuell bei maximal 2,9 Prozent - bei seltenen Objekten fällt der Wert deutlich unter die Ein-Prozent-Marke.

Kritiker sehen in diesem System eine Art Glücksspiel. In manch anderen Spielen beinhalten die virtuellen Kisten lediglich kosmetische Items, die keine Auswirkung auf den Spielerfolg haben, sondern einfach "cool" aussehen. Umstritten wird es, sobald man Gegenstände freischalten kann, die einen spielerischen Vorteil mit sich bringen. Genau das macht Nintendo: Je nach Strecke bringen unterschiedliche Fahrer, Fahrzeuge und Gleiter mehr Items pro Box, mehr Aktionspunkte und einen höheren Serienbonus. Das vermittelte Bild: Hast du nicht das beste Set-up, kannst du nicht an der Spitze mitfahren.

Kritik wird
im Netz laut

Hinzu kommt, dass "Mario Kart Tour" als Einzelspieler-Titel erschienen ist. Während man in Wirklichkeit also gegen computergesteuerte Bots fährt, wird den Spielern an vielen Punkten suggeriert, das Teilnehmerfeld bestehe aus anderen Menschen. Vor einem Rennen werden beispielsweise "Teilnehmer gesucht", deren Spitznamen und angeheftete Abzeichen glaubhaft einen falschen Eindruck vermitteln.

Die Folge: Im Netz wird es laut. Viele Spieler und Experten kritisieren das Vorgehen Nintendos: "Spiegel Online" empfiehlt sogar, Kinder nicht unbeaufsichtigt an die App zu lassen, um einen Missbrauch der elterlichen Kreditkarte vorzubeugen. Plötzlich klingt das so gar nicht mehr nach unschuldigem Spielspaß für die ganze Familie.

Der Verband der deutschen Games-Branche (Game) sagt dazu: "Für die Entwickler und Publisher von Computer- und Videospielen sind Zusatzangebote, zu denen auch Lootboxen zählen, eine wichtige, zusätzliche Erlösquelle, mit der es gelingt, trotz stark gestiegener Produktionskosten, die Preise für Spiele konstant zu halten." Apps und Spiele müssen sich schließlich finanziell lohnen: Aufgrund steigender Entwicklungskosten ist ein einmaliger Kaufpreis nicht mehr ausreichend, so der Tenor. Vor allem, da Fans oft jahrelang von einem Spiel unterhalten und laufend mit Updates versorgt werden wollen.

Monetarisierungsmodelle über Lootboxen sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ermöglichen sie der breiten Masse einen kostengünstigen oder gar kostenlosen Zugang zu Games. Wer sich wirklich für das Spiel begeistert, kann dann Geld für besondere Gegenstände ausgeben. Im Idealfall beeinflussen diese weder den Spielerfolg, noch werden Spieler (vor allem Kinder) mit psychologischen Tricks dazu gedrängt, zur Kreditkarte zu greifen. Anderseits können sie trotz des wirtschaftlichen Erfolgs auch negative Imagefolgen für das Unternehmen mit sich bringen, was zahlreiche Kritiken im Netz bestätigen.