Microsoft setzte nach dem Flop auf einen schnellen Nachfolger und siehe da: Windows 7 war erfolgreich. Das neue Betriebssystem konnte XP langfristig verdrängen. Denn Windows 7 ist wesentlich effizienter und benutzerfreundlicher als Vista.

Windows 8 hingegen wurde für Microsoft erneut zum Debakel. Es nahm bei der Bedienung von Smartphones Anleihen. Die Touch-Funktion und die kachelartige Benutzeroberfläche fanden aber kaum Anklang. Windows 8 und das nachgeschobene Windows 8.1 hatten im Dezember 2019 gerade einmal einen Marktanteil von rund vier Prozent. Erst mit Windows 10 ging es für den Konzern wieder bergauf, es hält mittlerweile bei rund 55 Prozent Marktanteil.

Schleppender Umstieg

Die anhaltende Beliebtheit von Windows 7 wurde für Microsoft aber zunehmend zum Problem. Denn viele zufriedene Benutzer stiegen einfach nicht auf die aktuelleren Betriebssysteme um. Wohl auch deshalb entschied sich Microsoft, wie angekündigt, Windows 7 nach gut zehn Jahren nicht mehr mit Updates zu versorgen.

Obwohl seit Monaten darauf hingewiesen wird, verläuft der Umstieg bisher eher schleppend, insbesondere bei Unternehmen und Behörden. Bei der Berliner Stadtverwaltung waren im Dezember erst knapp zwei Drittel der 82.000 IT-Arbeitsplätze auf Windows 10 umgestellt worden. Laut Experten wird das Land Berlin eine sechsstellige Summe für einen Support-Vertrag ausgeben müssen, um die noch nicht umgestellten Arbeitsplätze am Laufen zu halten.

"Gefährlich ist die Windows 7 Weiternutzung auch für all jene, die weiterhin auf das Virenschutzprogramm Security Essentials (MSE) setzen. Zwar wird das Virenschutzprogramm noch mit Signatur-Updates versorgt, jedoch wird es keine Updates für die MSE-Plattform selbst mehr geben. Werden daher also gravierende Sicherheitslücken in der MSE-Plattform entdeckt, können Cyberkriminelle den Virenscanner möglicherweise deaktivieren oder schädliche Anwendungen als Ausnahme hinzufügen. Da nützen die Signatur-Updates des Virenschutzprogramms rein gar nichts", warnt Felix Bauer, IT-Experte und Mitbegründer der Initiative "bleib-Virenfrei".

Welche Möglichkeiten gibt es nun für den Umstieg? Zunächst sollten Benutzer einmal auf Nummer sicher gehen und ihre Daten sichern. Das ist etwa über das Windows-eigene Tool unter "Systemsteuerung" möglich. Dort klickt man auf den Unterpunkt "Sichern und Wiederherstellen". Das Weitere ist selbsterklärend. Als Alternative für die Datensicherung bieten sich auch die vielen anderen Backup-Programme (beispielsweise das kostenpflichtige Arconis True Image oder das freie Paragon Backup & Recovery) an. Die Daten kann man dann auf einer externen Festplatte oder in der Cloud speichern. Dies erledigt, klärt den Systemwechsel der Windows 10 Update Assistent von Microsoft beziehungsweise das Installationsprogramm.

Verfügt man noch über den Aktivierungsschlüssel von Windows 7, sollte der Umstieg sogar gratis sein. Ansonsten ist Windows 10 Professional im günstigsten Fall um 10 Euro im Internet erhältlich. Das aktuelle Microsoft Office mit Textverarbeitungsprogramm, Tabellenkalkulation etc. gibt es um online um 20 Euro. Will man das Ganze auch in Händen halten (USB-Stick, CD), muss man mit 60 Euro rechnen. Auch ein Umstieg auf Linux bietet sich an. Das alternative Betriebssystem hat den Vorteil, kostenlos zu sein, erfordert allerdings etwas bessere Technikkenntnisse.

Zuwachs im PC-Segment

Auf was umgestiegen wird, ist aber sekundär. Wichtig ist der Wechsel an sich, um sich vor einem ungewollten Zugriff auf den eigenen Computer durch Dritten zu schützen. Da viele Konsumenten die Gelegenheit nutzen, sich gleich dabei mit einem neuen Computer einzudecken, hat das Ende der Unterstützung für Windows 7 dem PC-Markt 2019 den ersten Absatz-Zuwachs seit 2011 beschert. Dieser Trend wird wohl anhalten, da in Asien noch viele Unternehmen den Umstieg vor sich haben, prognostizierte Analystin Mikako Kitagawa vom IT-Marktforscher Gartner.