Auch vor der Gaming-Branche macht das Coronavirus nicht halt. Konzernen beschert es Produktionsausfälle, Messeveranstaltern lichte Reihen - doch manches Unternehmen und Spiel kann von den Auswirkungen der neuartigen Erkrankung profitieren.

So befinden sich die Spielerzahlen in China bei vielen Titeln auf einem Rekordhoch. Denn Millionen Chinesen müssen aufgrund von Quarantänemaßnahmen oder ihrer freiwilliger Selbstisolierung zu Hause bleiben. Um die Zeit totzuschlagen, wird vermehrt zu Smartphone, PC & Co. gegriffen. "Online-Gaming wird wohl der größte Nutznießer der durch das Coronavirus verursachten Störungen sein", erklärte Jialong Shi, Analyst beim japanischen Finanzunternehmen Nomura. Untermauert wird diese These durch aktuelle Zahlen.

Das auf Gaming-Analysen spezialisierte Marktforschungsunternehmen Niko Partners verglich die erste Woche des diesjährigen chinesischen Neujahrsfestes (24. bis 30. Januar 2020) mit jener des letzten Jahres. Im Apple iOS Store stiegen die Gaming-Downloads heuer um 27,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Wir führen den Großteil dieses Anstiegs auf das Coronavirus zurück", heißt es seitens des Unternehmens. Es sei damit zu rechnen, dass dieser Trend weiter anhalten werde.

Neue Rekordzahlen

Außerordentliche Zuwächse verzeichnen auch Plattformen, auf denen Computerspiele gestreamt werden. Die Zuschauerzahlen auf der Website Doyu verdoppelten sich bei einigen Titeln. Den Rekord stellte während der ersten Woche des diesjährigen Neujahrsfestes das Spiel "Honor of Kings" am 31. Jänner mit knapp 63 Millionen Aufrufen auf. 2019 war der Bestwert am 2. Februar beim Spiel "PUBG" bei 31,7 Millionen Aufrufen gemessen worden.

Handyspiele wie "Honor of Kings" und "Peacekeeper Elite" brachen ebenfalls neue Rekorde an aktiven täglichen Nutzern. Das Online-Rollenspiel "World of Warcraft Classic" kam mit der Nachfrage in China gar nicht mehr mit: Die Server waren überlastet, lange Wartezeit die Folge.

Ebenfalls beliebt ist das Strategiespiel "Plague Inc.". Es wurde bereits 2012 veröffentlicht, seit dem Auftauchen des Coronavirus erlebt es jedoch einen massiven Zulauf. In China landete es auf Platz 1 der kostenpflichtigen Spiele im iOS-Store. Auch in Österreich erklimmt es in den Charts Spitzenplätze. In dem Seuchenspiel geht es darum, eine tödliche Krankheit zu entwickeln und damit die Menschheit auszulöschen.

Fröhlicher präsentiert sich Nintendos "Ring Fit Adventure" für die Spielekonsole Switch. Der Spieler hält bei dem Titel einen Pilates-Ring in der Hand und joggt auf der Stelle, die Bewegungen werden ins Spiel übertragen. Bei den verschiedenen Aufgaben werden damit die Ausdauer und Muskeln trainiert.

Das Spiel ist in China offiziell noch gar nicht erhältlich. Doch kaufen chinesische Händler laut dem Gaming-Analysten Daniel Ahmad massenweise Ware aus dem Ausland auf und verkaufen diese im Inland weiter. Der Preis soll bei 250 US-Dollar pro Spiel liegen. Das liege einerseits daran, dass das Spiel von sich aus äußerst beliebt sei, so Ahmad. Zugleich heize aber auch das Coronavirus die Nachfrage an: Das Spiel ermöglicht es auch in Quarantäne befindlichen Menschen, Sport zu betreiben.

Produktionsausfälle möglich

Das Coronavirus führt in der Gaming-Branche allerdings auch zu Produktionsausfällen - insbesondere bei Videospielkonsolen. 2018 kamen 96 Prozent aller in die USA importierten Konsolen aus China. Erste Probleme zeigten sich bereits beim japanischen Konzern Nintendo, dem Entwickler der Konsole Switch.

Nintendo räumte Anfang Februar ein, dass es aufgrund der Schwierigkeiten in China bei der Switch zu Lieferengpässen kommen wird. Betroffen sei davon aber derzeit nur der japanische Markt, so der Konzern. Anonyme Insider betonen gegenüber der amerikanischen Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg allerdings, dass es auch in Europa und in den USA ab April zu Engpässen kommen könnte.

Auch Sony und Microsoft droht Ungemach. Sie wollen zum Weihnachtsgeschäft ihre neuen Konsolen, die Playstation 5 und die Xbox Series X, auf den Markt bringen. Beide Konsolen werden in China produziert. Ob es zu Verzögerung kommen könnte, ist Gegenstand zahlreicher Spekulationen. Sony hat festgehalten, dass das Virus die PS5-Produktion bisher nicht beeinträchtigt hat. Microsoft hat sich zu den Spekulationen bisher nicht geäußert.

Lichte Reihen bei Messen

Konkrete Auswirkungen zeitigt das Virus bei den - gerade für die Marketingarbeit wichtigen - Elektronikmessen. Die PAX East 2020, die am Donnerstag in Boston startete, und die GDC 2020, die von 16. bis 20. März in San Francisco stattfindet, verloren wichtige Teilnehmer. Im Vorfeld war spekuliert worden, dass Sony auf der PAX offiziell die neue Playstation präsentiert. Doch sagte der Konzern seine Teilnahme auf der PAX und GDC komplett ab.

Mitarbeiter und Teilnehmer sollen nicht der Gefahr einer Ansteckung ausgesetzt werden, hieß es seitens Sony. Auch andere Unternehmen verzichten auf Auftritte. Bereits im Jänner waren zudem erste E-Sport-Turniere in China abgesagt worden.