Dem Monster mit bloßen Händen die Augen ausreißen, es mit der Motorsäge zweiteilen oder mit der Schrotflinte zerschießen: "Doom Eternal" ist eine Blutorgie sondergleichen. Das Videospiel kann es leicht mit den grauslichsten Zombie- und Slasher-Filmen aufnehmen, weshalb es auch erst für Personen ab 18 Jahren freigegeben ist.

Doch gerade dieses Metzeln im Sekundentakt hat derzeit eine geradezu besänftigende Wirkung. In Corona-Zeiten kann "Doom Eternal" nämlich auch als sportliche Betätigung angesehen werden. Es legt ein bei Videospielen selten da gewesenes Tempo an den Tag: Volle Konzentration und strategisches Denken sind jederzeit gefragt. Der Spieler muss ständig laufen, springen, kämpfen, fliehen, schießen. Wer stehenbleibt, hat schon verloren.

Böse Höllenpriester

Verschnaufen kann man lediglich bei den kurzen erzählerischen Einblendungen. Die dabei erzählte Geschichte ist nicht der Rede wert: Die Welt wurde von Dämonen überrannt, die letzte Hoffnung der Menschheit ist der Schlächter. Er muss die Aliens wieder vertreiben, indem er deren Anführer - die bösen Höllenpriester - tötet. Immerhin führt die hanebüchene Handlung aber als roter Faden durch das Spiel.

Ehrlicherweise spielt die Geschichte bei Spielen wie "Doom Eternal" aber auch keine Hauptrolle. Es geht - so wie bei einem Hollywood-Bumm-Bumm-Film - um die Action. Und die serviert der Titel seinen Spielern grandios. Mit jedem Level werden die Kämpfe schwieriger und intensiver. Der Spieler erhält neue, immer stärkere Waffen, muss zugleich aber gegen größere, gefährlichere Monster bestehen.

Zugleich funktioniert nicht nur die sich steigernde Kampfintensität, auch das Leveldesign kann nach und nach auftrumpfen. Zu Beginn ist die Spielwelt noch etwas karg, das erste Level weitgehend lieblos und unspektakulär. Danach zieht Entwickler id Software aber alle Register: Der Spieler hüpft über Lavaströme, kämpft sich durch Eiswelten und erkundet gigantische Alien-Fabriken.

Besonders großen Spaß machen dabei die kleinen Geschicklichkeitsübungen, bei denen der Spieler etwa gigantische Klüfte durch geschicktes Timing und präzises Springen überwinden muss. Auch diese Einschübe werden mit fortschreitendem Spielverlauf herausfordernder.

Bereits auf dem ersten und zweiten Schwierigkeitsgrad ist das Spiel für Neulinge herausfordernd. Selbst Veteranen kommen aber auf den höheren Graden wie "Ultra-Albtraum" ins Schwitzen. Obwohl eigentlich nur ein paar Knöpfe gedrückt werden, fühlt man sich nach längerem Einsatz wie nach einem hart umkämpften Fußballspiel. Ist ein schweres Level endlich geschafft, fühlt man sich tatsächlich so, als hätte man etwas geleistet.

Ergänzt wird das Actionerlebnis durch eine knallharte Musik, die so klingt, als hätte der Teufel selbst sie komponiert. Metalriffs mischen sich mit satanischem Gemurmel und bösen, tiefen Beats. Mit der Zeit kann das aber auch etwas nerven. Wenig überzeugend ist die Grafik: Sie ist solide und fügt sich dem schnellen Spielprinzip, andere Titel trumpfen aber doch mit weit detailreicheren Animationen auf.

Seltene Fehler

Die Ladezeiten sind schnell, Abstürze gab es keine. Wirklich ärgerlich sind aber die - selten auftretenden - Spielfehler. Einmal öffnete sich ein Tor nicht, wodurch der nächste Spielabschnitt nicht begonnen werden konnte. Erst beim zweiten Versuch, bei dem das Level erneut gespielt werden musste, funktionierte es dann. Hier sollte mit einem Patch nachgebessert werden.

Letztlich bietet der rasante Titel ein wahres Fest für Actionspieler, die sich schnelle, fordernde Ballereien wünschen und wenig Wert auf Geschichten legen. Auch Fans von Slasher- und Horrorfilmen werden sich bei "Doom Eternal" wohlfühlen. Zimperliche Naturen sollten "Doom Eternal" aufgrund der vielen Gewaltdarstellungen jedoch meiden.

Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt. "Doom Eternal" ist am 20. März für PlayStation 4, Windows, Xbox One und Nintendo Switch erschienen.