Kritiker waren empört, die Fans verärgert. Einen Fehlstart sondergleichen legte Entwickler Bethesda mit "Fallout 76" hin. Das Videospiel hätte ein gelungener Online-Ableger der beliebten "Fallout"-Reihe werden sollen. Doch das im November 2018 erschienene Spiel strotzte nur so vor technischen Fehlern, geizte dafür mit interessanten Inhalten.

In Tests wurde das Spiel dafür mit unterirdischen Bewertungen bedacht, in der Fangemeinde machten gar Boykottaufrufe die Runde. Durch zahlreiche Updates wurde das Spiel mittlerweile in einen akzeptablen Zustand gebracht. Mit "Wastelanders", der bisher größten Erweiterung, versucht Bethesda nun den großen Befreiungsschlag. Er gelingt zu einem guten Teil, einige Schwächen bleiben aber bestehen.

Ermüdender
Überlebenskampf

"Fallout 76" spielt im Jahr 2102, 25 Jahre nach einem verheerenden Atomkrieg. Der Spieler wird aus einem Atomschutzbunker entlassen und muss sich durch die mal mehr und mal weniger verwüstete Region Appalachia in den USA kämpfen.

Über Wasser, Nahrung und Waffen verfügt er zu Beginn nicht, alles muss er sich selbst zusammensuchen oder erkämpfen. Im Spielverlauf lassen sich mit den gesammelten Ressourcen dann sogar ganze Stützpunkte aus dem Boden stampfen. Ob man dabei alleine oder gemeinsam mit anderen Spielern vorgeht, bleibt jedem selbst überlassen.

Durch verlassene Städte und Wälder wandern und eine Basis aufbauen: Das hatte in "Fallout 76" schon vor "Wastelanders" seinen Reiz. Insbesondere, wenn man das im Spiel integrierte Klassik-Radio einschaltet und etwa mit Richard Wagners Tannhäuser-Ouvertüre durch die Postapokalypse schreitet.

Der Überlebenskampf ermüdete allerdings mit der Zeit, da es ansonsten nicht viel zu tun gab. Es fehlte eine interessante Hauptgeschichte, Missionen waren Mangelware. Für ein Spiel, das immerhin gut 50 Euro kostete, bot "Fallout 76" - gerade auch im Vergleich mit anderen Postapokalypse-Spielen - zu wenige Inhalte.

Hier verschafft "Wastelanders" Abhilfe: Es fügt eine neue, spannende Hauptgeschichte und erstmals menschliche Nichtspielercharaktere in "Fallout 76" ein. Zudem tauchen täglich neue Events und zwei neue Hauptfraktionen auf: die Siedler und die sogenannten Raider. Im Spielverlauf kann sich der Spieler entscheiden, welche Gruppe er unterstützt. Die zuvor noch leere Welt wird durch die neuen Inhalte deutlich abwechslungsreicher und lebendiger. Zwar gibt es Gebiete, in denen weniger los ist: Das passt aber auch ins "Fallout"-Szenario.

Einige Schwachstellen bleiben jedoch in "Wastelanders" erhalten. Die Spielwelt wartet zwar mit vielen Details und Schauplätzen auf, die Grafik hinkt jener von anderen Blockbustern-Titeln mittlerweile aber doch deutlich hinterher. Auch die Inszenierung ist noch ausbaufähig: Die Geschichte wird über lange Dialoge erzählt, filmreife Zwischensequenzen, die für ein wenig Bombast sorgen würden, sucht man vergebens.

Auf dem
richtigen Weg

Ärgerlich ist, dass das Spiel trotz zahlreicher Updates weiterhin fehleranfällig ist. Gegner erscheinen schon einmal aus dem Nichts oder greifen nicht an, obwohl sie attackiert werden. Streunende Mutantenhunde, die ansonsten leicht zu besiegen sind, werden plötzlich unverwundbar: Da kann man nur die Flucht antreten und hoffen, dass die Gegner in einem Felsen hängenbleiben.

Zu einem Must-Have-Blockbuster ist "Fallout 76" durch "Wastelanders" nicht geworden, die Erweiterung führt das Spiel aber in die richtige Richtung. Wer über die Mankos hinwegsehen kann, erhält einen atmosphärischen Ausflug in die Postapokalypse.