Es ist ein Szenario, das aus zig Filmen und Videospielen bekannt ist: Eine Seuche verwandelt Menschen in Zombies, nur wenige bleiben verschont. Großstädte verwaisen, überall lauert der Tod. Und als wäre das nicht genug, bekämpfen sich die Überlebenden auch noch untereinander.

Eine überstrapazierte Geschichte, aus der nichts mehr rauszuholen ist? Fehlanzeige. Das Videospiel "The Last of Us: Part 2" haucht dem Szenario nicht nur neues Leben ein. Die Qualität der Inszenierung sucht ihresgleichen, vielfach wirkt der Titel wie ein spielbarer Film.

Bereits der Vorgänger "The Last of Us" war von Kritikern und Spielern gelobt worden - vor allem für seine Handlung. Sie dreht sich um den verbitterten Texaner Joel, der im Zuge der Seuche seine Tochter verloren hat. Er stößt auf das Waisenmädchen Ellie, das gegen die Infektion immun ist. Zwischen den beiden entsteht eine Vater-Tochter-Beziehung, die in einem fulminanten Ende mündet.

"The Last of Us: Part 2" spielt fünf Jahre nach dem Ende des Vorgängers. Joel und Ellie haben Schutz in einer Siedlung in Jackson, Wyoming, gefunden. Die Idylle wird alsbald zerstört: Ein Patrouillengang geht schief, ein Rachefeldzug ist die Folge.

Überraschende Wendungen

Die Handlung wartet immer wieder mit überraschenden Wendungen auf. Ruhige Passagen wechseln sich mit Verfolgungsjagden ab, in denen Heerscharen an Untoten abgehängt werden müssen. In den allermeisten Fällen trifft Entwickler "Naughty Dog" den richtigen Ton, die Geschichte bleibt glaubwürdig und fesselnd, die Charaktere überzeugen. Nur vereinzelt gibt es Längen oder kitschige Szenen.

Bei der Inszenierung setzt "The Last of Us: Part 2" neue Maßstäbe. Auch dank der Grafik. Der Titel gehört zu den schönsten Spielen für die Playstation 4. Alleine das Spiel mit Lichteffekten und Farben ist meisterhaft, wie sich in Seattle zeigt. Die verwaiste US-Großstadt erkundet Ellie mit ihrer Freundin Dina. Es geht durch U-Bahnschächte, die durch Leuchtfackeln in ein bedrohliches Rot getaucht werden; ein sattes und sonnendurchflutetes Grün zeigt sich an der städtischen Oberfläche, die zunehmend von der Wildnis verspeist wird.

Auf einem gleich hohen Niveau ist die Soundkulisse. Derart gruselig hat noch kein Zombie in einem Spiel gestöhnt und gesabbert. Wer in einer Tiefgarage eine Horde Untote durch die Gänge schlurfen hört, möchte gar nicht mehr aus seinem Versteck kommen. Die Zwischensequenzen vervollständigen die perfekte Aufmachung. Mittels "Motion Capture" wurden die Bewegungen von Schauspielern aufgezeichnet und auf die Spielfiguren übertragen. Dadurch ist jedes Lächeln, jede Zornesfalte der Protagonisten zu sehen.

Rare Ressourcen

Wer auf spielerische Neuerung hofft, wird enttäuscht. Der zweite Teil folgt ganz dem Prinzip seines Vorgängers: Es geht ums Überleben. Der Spieler muss gegen verschiedenste Arten von Zombies als auch gegen menschliche Feinde bestehen.

Die Mittel dazu sind rar. Mühsam müssen Alkohol, Klebebänder und Stoff zusammengesucht werden, um damit Erste-Hilfe-Kits oder Molotowcocktails herzustellen. Zum Glück spielt die Handlung wenigstens in den waffenverliebten USA: Dadurch lässt sich in so gut wie jeder Bruchbude ein bisschen Munition zusammenklauben.

Gerade in den höheren Schwierigkeitsgraden ist aber das lautlose Beseitigen der Zombies notwendig, um nicht gleich die Horde auf einen aufmerksam zu machen. Vorsicht ist geboten: Die KI-Gegner verhalten sich geschickt und können den Spieler auch in Verstecken aufspüren.

Gemeinsam mit diesem bewährten Spielkonzept macht die Inszenierung "The Last of Us: Part 2" zu einem beinahe filmischen Erlebnis. In der rund 25 Stunden langen Hauptgeschichte zeigt der Titel, was Videospiele grafisch und erzählerisch leisten können. Das PS4-exklusive Spiel zählt mit zum Besten, was die allmählich auslaufende Konsolengeneration zu bieten hat.

Die Finger von dem Spiel sollten aber jene lassen, die von brutalen Gewaltdarstellungen abgeschreckt werden. Die Kämpfe sind blutrünstig, die Zwischensequenzen geizen nicht mit Gewalt. Dementsprechend ist der Titel erst für Spieler ab 18 freigegeben.