So könnte der Albtraum eines Greißlers ausschauen: Vor der Tür eine Horde kaufhungriger Kunden und drinnen fast leere Regale, während der Lieferant am Handy kommuniziert, dass es doch noch länger dauernd wird, bis er den Nachschub bringen kann. Analog kann man sich vorstellen, dass sich die Verantwortlichen bei Nintendo gerade die Haare raufen. Denn mit der Corona-Krise setzte einerseits eine erhöhte Nachfrage nach der handlichen Konsole Switch ein, während gleichzeitig die Produktion ins Stocken kam.

Produktionsengpass

Eigentlich waren es zwei Spiele, die den Switch-Absatz anheizten. Zum einen "Ring Fit Adventure": Das Sport-Spiele ist ideal, um sich vor dem Fernseher körperlich zu ertüchtigen. Es ist somit der perfekte Fitnesstrainer für Zeiten, in denen man das Haus nicht verlassen darf, kann oder will. Zum anderen erschien gerade in der Corona-Phase das lang erwartete Spiel "Animal Crossing: New Horizons". Die Lebenssimulation verkaufte sich in den ersten sechs Wochen nach dem Erscheinen fast 14 Millionen Mal. Beide Spiele kurbelten die Nachfrage nach der Switch kräftig an.

Bereits im März war die Konsole weltweit restlos ausverkauft. Durch den Lockdown in Malaysia und auf den Philippinen kam die Produktion zum Erliegen. Denn dort werden essenzielle Bauteile der Switch, wie etwa Platinen, hergestellt. Die komplexen Komponenten machen einen kurzfristigen Wechsel zu einem anderen Zulieferer schwierig. Die Folge: Die Preise für die Switch explodierten, allerdings nur auf den einschlägigen Tauschbörsen und Handelsplätzen. Für gebrauchte Konsolen wurden absurde Summen gezahlt, während die billigeren neuen nicht erhältlich waren.

Mit der Lockerung der Corona-Maßnahmen nahm auch die Switch-Produktion allmählich Fahrt auf. Doch an der Situation änderte das erstaunlicherweise wenig. Das hatte nicht nur damit zu tun, dass die Nachfrage nach wie vor ungleich größer als das Angebot war. Ursache waren auch findige Geschäftsleute, die die frisch angebotenen Konsolen in Windeseile und Bausch und Bogen aufkauften, um sie dann teurer weiterzuverkaufen. Der Wirtschaftsnachrichtendienst "Bloomberg" berichtete, dass manche Händler - ähnlich Börsenmaklern - computergesteuerte Käufe bei Supermarktketten tätigten, sobald diese eine neue Lieferung Konosolen erhielten.

Auf Käuferseite führte das abseits der höheren Kosten zu zusätzlicher Frustration. Denn vielerorts im Internet gab es Tipps, wo eine Switch gerade wieder eingetroffen sei. Bemühte man sich dann dorthin, war der Laden in der Regel schon leergekauft.

Wieder bei 100 Prozent

Vor kurzem meldete Nintendo, dass die Produktion der Switch wieder auf 100 Prozent hochgefahren sei. Doch bis sich der Verkauf wieder einpendelt, wird es wohl noch eine Weile dauern. Ein Blick auf Amazon zeigte am Donnerstag, dass die neon-rot-blaue Switch in bis zu zwei Monaten versandfertig wäre und die graue Switch eine Lieferzeit von einem Monat hat. Bei Mediamarkt und Saturn ist sie laut Homepage wiederum sofort lieferbar.

Doch auch wenn Nintendo während der strengen Corona-Zeit viel mehr Konsolen absetzen hätte können: Etwas hat sich für die Japaner in dieser Zeit auf jeden Fall positiv entwickelt - nämlich der Aktienkurs. War das Unternehmen seit Beginn des Jahres an der Börse stark abgerutscht, so setzte die Aktie punktgenau mit dem Beginn von Corona-Krise und Lockdown zu einem Höhenflug ohne gleichen an. Und das wird wohl über den kleinen Engpass hinwegtrösten.(aum)