Es gibt Dinge, die lassen sich schwer beschreiben. Eines dieser Dinge ist mit Sicherheit das Gefühl, zum ersten Mal in die Welt der "Virtual Reality" einzutauchen. Es ist ein Gemisch von Unsicherheit und unbändiger Aufregung, gepaart mit einer Hilflosigkeit, die manchen Spieler vielleicht an die ersten eigenen Versuche mit "herkömmlichen" Videospielen erinnert.

"Virtual Reality" lässt den Spieler in andere Welten abtauchen. - © afp/Matthew Night
"Virtual Reality" lässt den Spieler in andere Welten abtauchen. - © afp/Matthew Night

Wer es einmal geschafft hat, die scheinbar nie enden wollende Gebrauchsanleitung zu befolgen und die unzähligen Einzelteile zu einem "Schaltkreis" zu verbinden, der darf sich zur Belohnung selbst mit dem VR-Headset krönen. Sofern er es schafft, denn selbst das kann beim ersten Versuch zur Herausforderung werden. Die Halterung muss an die Kopfgröße angepasst werden, die Kamera gut positioniert und die Schärfe richtig eingestellt sein. Am besten aber erst, wenn das Spiel bereits läuft und eine sichere Sitzposition eingenommen wurde - sonst gibt es nämlich nur eine ordentliche Portion Dunkelheit und eine verzweifelte Suche nach dem Controller.

Die durchdachten Details machen "Astro Bot Rescue Mission" zu einem wahren Augenschmaus. - © Sony Interactive Entertainment/SIE Japan Studio
Die durchdachten Details machen "Astro Bot Rescue Mission" zu einem wahren Augenschmaus. - © Sony Interactive Entertainment/SIE Japan Studio

Hat der Spieler den Erstkontakt mit dem anderen Universum erst einmal erfolgreich gemeistert, gibt es kein Halten mehr. Wie ein Avatar aus James Camerons gleichnamigem Blockbuster ist er über Kabel mit der Konsole verbunden und kann seinem virtuellen Schicksal daher gar nicht so einfach entrinnen.

Achterbahnfahrt
durch die Hölle

Bei Horror-Spielen wie "Until Dawn: Rush of Blood" kann das für Zartbesaitete schnell zum Problem werden. In einer Achterbahnfahrt durch die Hölle muss der Spieler hier Horden an Zombies und Monster aus dem Wagen heraus bekämpfen - Wegrennen: Fehlanzeige. Wem klassische Grusel-Games bereits zu langweilig sind, dem kann "Rush of Blood" mit Sicherheit wieder den gewünschten Adrenalinrausch bereiten. Für alle anderen heißt es aber wortwörtlich: Augen zu und (nicht) durch.

Wer nicht die Hälfte des Spiels mit geschlossenen Augen verbringen möchte, der sollte lieber einen der unzähligen anderen Titel für die PS4-VR wählen. Das System ist mittlerweile seit vier Jahren auf dem Markt und das Repertoire an Spielen dementsprechend vielfältig.

Von Action über Adventure bietet Sony etwas für jeden Geschmack und jedes Alter. Für den Einstieg perfekt geeignet ist etwa "Astro Bot Rescue Mission". Das Jump’n’Run erinnert an Klassiker wie "Super Mario" und weckt bei manchen mit Sicherheit ein Gefühl der Nostalgie. Zu quirliger Hintergrundmusik muss der Spieler den niedlichen "Astrobots" dabei helfen, ihre Welt zu beschützen. Dabei gilt es gekonnt zu springen, auszuweichen und unablässig Münzen einzusammeln.

Trotz des einfachen Konzepts wird das Spiel nie langweilig. Die durchdachten Details machen "Astro Bot Rescue Mission" zu einem wahren Augenschmaus. Der gezielte Einsatz von Perspektiven und Effekten kreiert beim Spieler den Eindruck, sich tatsächlich in Interaktion mit "Captain Astro" zu befinden. Verstärkt wird dieses Erlebnis noch durch die Einbindung des "realen" Controllers in die virtuelle Welt. Diesen nennen die "Astrobots" nämlich ihr Zuhause und nutzen das Touchpad als Eingangstür. Der Einsatz der VR-Technik wirkt also bei "Rescue Mission" sehr harmonisch und wertet das Spielerlebnis deutlich auf.

Nicht alles, was
VR ist, glänzt

Ganz anders ist das etwa beim Puzzle-Videospiel "Tetris Effect". Der Spieleklassiker wurde exklusiv für die PS4 überarbeitet. Das Spiel kann in gewohnter Manier aber auch in Virtual Reality erlebt werden - warum, ist fraglich.

Denn auch mit Brille ist und bleibt "Tetris" ein Spiel, das für die zweidimensionale Ebene konzipiert wurde. Bunte Bauklötze bleiben eben bunte Bauklötze. Da helfen auch sphärische Musik und Lichteffekte nicht weiter.

Ähnlich ist das beim Exklusivtitel "Concrete Genie", der von Kritikern für den sensiblen Umgang mit dem Thema Mobbing gelobt wurde. Hier wird der Spieler in eine comichafte Welt entführt, in der er Dschinns malen und anschließend zum Leben erwecken kann. Während das Action-Adventure in seiner Ursprungsversion durchaus lohnenswert ist, gibt es in der VR-Variante kaum Unterschiede zum Original. Einzig der Einsatz der "Move-Motion-Controller" lässt den Spieler merken, dass er sich gerade in der virtuellen Realität befindet.

Mithilfe der beiden leuchtenden Zauberstäbe ist es möglich, zweihändige Bewegungsabläufe detailgetreu nachzuahmen. Im Vergleich zum regulären PS4-Controller entsteht so beim Kämpfen und Agieren ein realistischeres Gefühl. Noch eine Schippe drauf legt Sony mit dem "Ziel- Controller", der eigens für Shooter entwickelt wurde und einem Sturmgewehr gleicht.

Astronaut mit
Bruchlandung

Im Spiel "Farpoint" etwa schlüpft der Spieler in die Rolle eines Astronauten, der auf einem fremden Planeten bruchlandet. Mit dem "Aim Controller" müssen die dort heimischen Spinnenwesen reihenweise ausgeschaltet werden - und das am besten bevor sie dem Spieler wortwörtlich "ins Gesicht" springen. Die Kombination aus VR und Handhabe macht "Farpoint" zu einem äußert realistischen Nervenkitzel.

Eine Chance, die das Studio "Crytek" beim Adventure-Game "Robinson: The Journey" leider verpasst hat - und das, obwohl der Hauptcharakter sogar Werkzeuge in den Händen hält, die stark an Bewegungs-Controller erinnern. Abgesehen von diesem Mangel ist "Robins" Erkundungstour auf einem von Dinosauriern bevölkerten Planeten aber ein spielerischer Genuss.

Ein scheinbar unendlicher Dschungel wartet darauf, erkundet zu werden, und als Bonus gibt es ein T-Rex Baby als Haustier obendrauf. Genügend Gründe also, unzählige Stunden hinter der VR-Brille zu verbringen.

Einmal in die virtuelle Realität eingetaucht, möchten viele Spieler auch am liebsten gleich dortbleiben. Gerade im Anfangsstadium ist allerdings Vorsicht angesagt. Einer der größten Kritikpunkte bei "Robinson" ist, dass durch die ruckartigen Drehungen der Kamera das Auge durcheinandergebracht wird. Experten raten dringend dazu, sich langsam an das neue Spielgefühl der VR zu gewöhnen und regelmäßige Pausen einzulegen.

So manchen Zocker mag das vielleicht zum Schmunzeln bringen und an die altbekannte Epilepsie-Warnung bei "regulären" Spielen erinnern. Während diese gerne ignoriert wird, sollte der Hinweis bei VR-Spielen aber nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wer zu lange hinter der 3D-Brille verweilt, dem droht nämlich die sogenannte VR-Krankheit.

Übelkeit ist dabei das gängigste Symptom, aber auch Kopfschmerz, Unwohlsein, Müdigkeit und Apathie treten häufig auf. Der Druck, den das Headset auf Kopf und Gesicht ausübt, kann ebenso schnell äußerst unangenehm werden.

Realität kann
beängstigend sein

Trotz dieser Nebeneffekte ist Virtual Reality ein einmaliges Erlebnis. Wer sich damals im Kino bei den ersten Imax-Filmen bereits gefürchtet hat, der sollte sich aber gut überlegen, welche Titel er sich für die PS4-VR holt.

Scheinbar reale Monster zu bekämpfen ist nicht jedermanns Sache und kann den Puls ordentlich in die Höhe treiben. Mehrere Stunden hinter der VR-Brille können den Spieler schon einmal vergessen lassen, dass er sich zugleich auch noch in der realen Welt befindet. Haptisches Ausweichen während des Spiels ist aber in jedem Fall keine gute Idee. Der Hersteller haftet nämlich nicht für Schäden an Interieur oder Mitbewohnern.

Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt.