Warum?! Warum ist dieser Lauf des Spielers nicht erfolgt? Wie taktisch minderbemittelt kann man sein, um nicht in dieses Riesenloch in der gegnerischen Abwehr zu laufen? Fußballsimulationen können einen schon einmal in den Wahnsinn treiben. Etwa dann, wenn man hilflos zusehen muss, wie ein vom Computer gesteuerter Mitspieler eine Riesenchance vermasselt. Da steht die digitale Variante dem realen Fußball in nichts nach. Das neue "Fifa 21" von EA Sports hilft nun aber, die Nerven zu schonen.

In diesem kann man nämlich teilweise die Laufwege der Spieler selbst bestimmen. Das ist eines der herausstechenden Features eines Spiels, das sich gegenüber seiner Vorgängerversion nicht viel geändert hat. Doch die Zeit der großen Änderungen scheint ohnedies vorbei.

In einer Entwicklung, in der es jedes Jahr erneut darum geht, der Realität noch einen Schritt näher zu kommen, hat EA seine "Fifa"-Reihe längst auf eine beeindruckend hohe Ebene gehoben. Der Punkt ist erreicht, an dem nur noch ein völliger Umbruch mit einem utopischen neuen Konzept möglich scheint, oder eben die jährliche Feinjustierung der bestehenden Spielmechanik. Letztere ist die kundenfreundlichere Variante, denn wer will schon ein gewohntes Spiel jedes Jahr völlig neu lernen?

Neu ist diesmal also die Möglichkeit, einen Spieler, mit dem man gerade gepasst hat, in eine bestimmte Richtung laufen zu lassen. In eine ähnliche Kerbe schlägt eine weitere Neuerung, mit der man sich eine Zeit lang einen bestimmten Spieler zuweisen kann. Üblicherweise wird ja automatisch der ballführende Spieler kontrolliert. Doch nun kann man die Kontrolle über einen Spieler behalten, auch wenn man den Ball bereits an einen anderen Spieler weitergepasst hat. Während der Computer den Rest der Mannschaft steuert, kann man mit dem Spieler seiner Wahl die entscheidende Lücke suchen und den Ball dann anfordern. Das gibt noch einmal mehr Freiheit in der Gestaltung der Laufwege.

Neu ist auch eine zusätzliche Trainingsmöglichkeit. In Freundschaftsspielen - also nicht im Karrieremodus als Spieler oder Fußballmanager und schon gar nicht bei Online-Spielen - kann man Situationen zurückspulen und erneut spielen. Der Torwart hat gehalten? Kein Problem. Einfach zurückspulen und so lange probieren, bis man den idealen Spielzug für diese Situation herausgefunden hat.

Erstaunlich ist, dass EA mit "Fifa 21" auch das Dribbling vereinfacht hat. Das macht es zumindest gegen nicht menschliche Gegner einfacher, aus David-gegen-Goliath-Situationen als Sieger hervorzugehen. Erstaunlich ist das deshalb, weil "Fifa 21" mit "Volta" eigentlich einen Modus hat, der sich auf Dribblings und Tricks konzentriert. Das aus gutem Grund: Während das Hauptspiel sich dem Ziel des Realismus verschrieben hat, soll der Straßenfußball-Modus Volta kurzweilige Unterhaltung auf Kosten des Realismus bieten. Dort wird gedribbelt, getäuscht und gedreht, dass einem nur so schwindlig wird. Nun spielt dieses Element also auch im Hauptspiel wieder eine größere Rolle.

Wo die "Fifa"-Reihe nach wie vor noch Aufholbedarf hat, ist bei der Grafik der Spielergesichter. Die sehen im Vergleich zum Konkurrenten "Pro Evolution Soccer 2021" einfach schlechter aus. Allerdings darf man gespannt sein, ob sich das nicht auf der neuen Spielekonsolen-Generation Playstation 5, die im November erscheint, noch ändert.

Ansonsten ist "Fifa 21" natürlich auch dieses Jahr wieder ganz "Fifa". Das bedeutet Lizenzen, Lizenzen, Lizenzen: Bis auf wenige Ausnahmen kann man von der dritten deutschen Bundesliga bis zur Champions League und Copa Libertadores mit Originaldressen, Logos, Musik, Hymnen und natürlich auch den originalen Spielern kicken.

In den Stadien herrscht großartige Stimmung, was eine angenehme Flucht aus der derzeit herrschenden Corona-Tristesse darstellt. Das Publikum ist sogar in das Spiel eingebunden und duckt sich bei verzogenen Schüssen auf der Tribüne.

Großartige Kommentatoren machen das Ganze schließlich perfekt und bieten das Gefühl einer echten Fußballübertragung. Mit an Bord ist natürlich auch dieses Jahr wieder der "Fifa Ultimate Team"-Modus. Er gehört zu den weltweit beliebtesten Spielen, mit dem man sich online sein eigenes Traumteam zusammenstellen kann. Wegen seiner glücksspielähnlichen Inhalte, bei denen mit echtem Geld per Zufallsprinzip Spieler erworben werden, steht er allerdings schon länger in der Kritik. Alles in allem ist "Fifa 21" aber auch dieses Jahr ein empfehlenswertes Spiel, mit dem zig Stunden blendender Unterhaltung garantiert sind.

Ein Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt. "Fifa 21" ist für PC, Playstation 4 und Xbox One erschienen.