Es ist also wieder so weit: Michelangelo gegen Da Vinci. Muhammad Ali gegen Joe Frazier. Batman gegen Superman. Hirscher gegen Maier. Nintendo gegen Sega. Simmering gegen Kapfenberg - all das ist wahre Brutalität, aber es geht noch weiter.

Das Duell der Gaming-Giganten (Nintendo-Fans wissen, dass sie in einer eigenen Liga spielen) geht in die nächste Runde. Sony bringt seine PS5, mit oder ohne Laufwerk, in den Handel und Microsoft kontert mit der Xbox X und S.

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Das Fazit gleich zu Beginn

Doch welche Konsole soll man kaufen? Was erwartet die Gamer mit den neuen Modellen? Es folgt nun ein ausführlicher Test von Sonys und Microsofts Konsolen, doch starten wir diesmal zuerst mit dem Fazit – wer Näheres wissen will, darf trotzdem weiterlesen. Wer braucht in diesem Jahr eine der neuen Konsolen? Kurz und knapp, (fast) Niemand. Der beste Kaufgrund für die PS5? Der Controller. Und für die Xbox X? Die Leistung. Was braucht man zusätzlich zur Konsole? Wer sich für Sony entscheidet, ein mindestens 3 Meter langes USB-C-Kabel oder gleich einen zweiten Controller und ein neues Ikea-Regal, denn die PS5 passt nicht mehr in die Kallax- oder Expedit-Modelle des schwedischen Herstellers.

Xbox Series X oder doch PS5? Am Ende doch eine Bauchentscheidung, aber wenigstens kann man mit beiden Konsolen eSports betreiben.  - © APAweb /AFP
Xbox Series X oder doch PS5? Am Ende doch eine Bauchentscheidung, aber wenigstens kann man mit beiden Konsolen eSports betreiben.  - © APAweb /AFP

Für die Xbox X braucht es – zumindest bis das Spiele-Lineup größer ist, einen Microsoft Game Pass. Und egal, für welche Konsole man sich entscheidet, man wird einen neuen Fernseher brauchen, will man das gesamte Leistungsspektrum der Konsolen erfassen. Aber keine Sorge, auch das braucht es eigentlich nicht zum Start, denn Spiele die, die neuen Konsolen und deren Möglichkeiten auch nur annähernd ausnutzen gibt es ohnehin noch nicht.

Die Leistungsunterschiede zwischen PS5 und Xbox X im Überblick. - © Foto: Archiv
Die Leistungsunterschiede zwischen PS5 und Xbox X im Überblick. - © Foto: Archiv

Wer wird sich nun welche Konsole zulegen? Um es mit den Worten eines klugen Kopfes zu sagen – "Menschen, die eine Xbox besitzen, werden eher auch die neue Xbox kaufen, wer eine PlayStation besitzt, wird wohl eher auch die neue PlayStation kaufen", meint Wedbush Securities Analyst Michael Pachter. Fest steht, dass die beiden Welten enger zusammengewachsen sind. Die Unterschiede sind minimal und am Ende werden dann wohl bereits vorhandene Spiele, die Abwärtskompatibilität, die kommende Spieleauswahl und die Exklusivtitel das Zünglein an der Waage sein. Dem wäre nichts hinzuzufügen, wer dennoch noch keine Entscheidung gefällt hat, dem soll nun geholfen werden.

Die Xbox Series S (links) kommt ohne Laufwerk aus und bietet eine schwächere Leistung, ist aber mit Game Pass eine spannende Alterative zur Xbox Series X für Casualgamer oder auch Kinder.  - © Foto: Microsoft
Die Xbox Series S (links) kommt ohne Laufwerk aus und bietet eine schwächere Leistung, ist aber mit Game Pass eine spannende Alterative zur Xbox Series X für Casualgamer oder auch Kinder.  - © Foto: Microsoft

Schwarzes Hochhaus gegen Saurons Turm

Die Geschichte wiederholt sich, wen auch mit geänderten Vorzeichen: als Microsoft mit seiner ersten Xbox in den Handel kam, machte man sich über das klobige Design lustig, fand aber immerhin die Controller interessant. Nun steht die PS5 aufgrund ihrer Größe und dem, sagen wir, Versuch von Futurismus in der Kritik, wenn der neue Controller jedoch hoch gelobt wird. Tatsächlich wirkt die Konsole klobig und riesig, und, ja doch überraschend - die Xbox X besser verarbeitet und leichter ins Wohnzimmer integrierbar. Böse Zungen sprechen in Punkto Optik von einem Duell "schwarzes Hochhaus" gegen "Saurons Turm". Immerhin ist preislich kein Unterschied – kosten beide Konsolen 500 Euro. Erwähnt sei, dass Microsoft mit der Xbox Series X (500 Euro) und Series S (300 Euro) gleich zwei Konsolen für unterschiedlichen Zielgruppen startete und auch Sonys Playstation 5 in zwei Varianten erhältlich ist, die sich jedoch nur durch das UHD-Blu-ray-Laufwerk unterscheiden, sonst sind die Disc-Version der PS5 (500 Euro) und die Digital Edition (400 Euro) identisch.

Die PlayStation 5 mit allem Zubehör zum Start.  - © Foto: Sony
Die PlayStation 5 mit allem Zubehör zum Start.  - © Foto: Sony

Die Xbox X

Was spricht nun für die einzelnen Modelle: Die Xbox Series X wirkt ausgereifter, bietet mit 12 Teraflops etwas mehr Leistung als die Playstation 5 (10,3 Teraflops), wer allerdings aufgrund dieser Daten eine Kaufentscheidung trifft, darf als mutig bezeichnet werden. Es zeigt sich in unserem Test aber auch, dass die Xbox X leiser ist als die PS 5. Wie schon erwähnt wirkt der schwarze Quader robuster als sein weißer Mitbewerber. Im Vergleich mit der Playstation 5 kann die Series X außerdem mit verbesserter Abwärtskompatibilität punkten. So werden nicht nur die meisten Spiele der Xbox-One-Generation, sondern auch einige Titel älterer Xbox-Konsolen abgespielt Und auch die flotten Ladezeiten – auch hier ist die PS5 nicht dramatisch langsamer, so viel muss auch gesagt sein – machen Spaß. Außerdem erweist sich die Quick-Resume-Funktion bei der Spielerinnen frei zwischen mehreren Spielen hin- und herwechseln können, ohne ihren Spielfortschritt zu verlieren, als gute Idee. Auf der PS5 starten Spiele beim Wechsel hingegen erst jedes Mal neu. Was vor allem für Käufer der ersten Stunde eine Rolle spielen könnte, ist, dass über den Game Pass von Microsoft, ein kostenpflichtiges Zusatzangebot, schon zum Start zahlreiche, hochwertige Titel auf der Xbox Series X spielen lassen, was auch dringend notwendig ist, da die zum Konsolenstart verfügbaren Spiele wahrlich überschaubar sind.

Die spannenste Neuerung bei der neuen Konsolengeneration - der DualSense Controller der PS5.  - © APAweb /AFP
Die spannenste Neuerung bei der neuen Konsolengeneration - der DualSense Controller der PS5.  - © APAweb /AFP

Für die Xbox Series X spricht zudem neben wesentlich schnelleren Ladezeiten, auch die Unterstützung von Dolby Vision und Atmos, 4K/60fps Gameplay (4K/120Hz Unterstützung) und die gute Abwärtskompatibilität bei Spielen. Als weiteren Kritikpunkt könnte man anmerken, dass die BenutzerInnenoberfläche nur minimal überarbeitet wurde.

Die PS5

Was für die PlayStation 5 spricht: Eines muss man Sony zugestehen, man zeigt sich kreativer und experimentierfreudiger. An das Design muss man sich zwar erst gewöhnen, aber man hat einen Hingucker geschaffen und erzielt Aufmerksamkeit. Auf der Habenseite sind demnach: die Unterstützung von 4K/120, 8K/60, die PS Plus Collection, die neue BenutzerInnenoberfläche,  und deutlich schnellere Ladezeiten als seine Vorgängerkonsole. Das wirklich Interessante ist aber der neue Controller. Das Gamepad heißt Dualsense und hat eine Menge an Zusatzfunktionen: Es vibriert, dass es eine Freude ist, bietet variable Trigger und hat auch ein Mikrofon integriert. Das einzige Manko: Der Akku hält kürzer, als man gewohnt ist.

Was hingegen fehlt oder gegen einen Kauf der PS5 spricht - es gibt keine Unterstützung für Dolby Vision oder Atmos, die Größe der Konsole, die 825GB SSD wird sich schnell füllen und es könnten sowohl mehr Titel zum Start vorhanden, als auch eine bessere Abwärtskompatibilität gewährleistet sein.

Pass auf was du sagst

Das Mikrofon im Controller hat schon bei einigen Testern für Verwirrung gesorgt.Das Mikrofon des DualSense-Controllers ist standardmäßig angeschaltet. Vor allem in Multiplayer-Lobbys solltet ihr deshalb aufpassen. Das Verwirrende ist dabei, dass der Knopf leuchtet, wenn das Mikrofon abgeschaltet ist.

Sony erklärte zudem, dass PlayStation 5 (PS5)-Nutzerinnen ihre Online-Sprachchats aufnehmen können, um so Fälle von Hassrede, Bullying und ähnlichem melden können.

Ungewohnte Gemeinsamkeiten

Kaum waren die ersten Konsolen verfügbar und die GamerInnen am ausgiebigen Testen gab es auch schon die ersten Beschwerden: bei der PlayStation 5 werden Speicher Glitch, defekte Lüfter und Spielabstürze gemeldet und die Xbox Series X "erfreut" mit defekten Laufwerken, klackernden Lüftern und spontanen Abstürzen.

Ach ja, die Spiele

Nun wären wir bei einem Thema, dass SpielerInnen in den letzten Wochen massiv beschäftigt und geärgert hat - die Games für die jeweilige Plattform. Am Anfang muss man ohnehin nehmen was da ist. Bei Sony ist das ein Remaster von Demon's Souls, Spider-Man: Miles Morales und Sackboy: A Big Adventure. God of War: Ragnarök und Horizon: Forbidden West sind bereits angekündigt. Microsoft hat hier auf den ersten Blick einen Startnachteil, weil wirklich Neues fehlt, macht aber mit dem Game Pass einen Riesensprung nach vorne, ist die Bibliothek an Titeln doch gewaltig. Microsoft hat mit der Übernahme von Zenimax Media, der Konzernmutter von Bethesda Softworks und einigen anderen bekannten Spieleentwicklern, zwar eine klare Kampfansage in Richtung Sony geschickt. Es wird aber auch hier noch dauern, bis die potenziellen Nachfolger von Spielehits wie "Doom", "Fallout" oder "The Elder Scrolls" exklusiv auf der Xbox Series X erscheinen werden. Sonst wird man auf beiden Konsolen ohnehin in den meisten Fällen die gleichen Spiele zocken wird: Assassin's Creed Valhalla, Cyberpunk 2077, Watchdogs: Legion oder das neue FIFA. Die Unterschiede zwischen Series X zu Playstation 5 werden nur sehr marginal sein, wenn überhaupt.

Zu guter Letzt

Kurzum, es ist Zeit zur Weichenstellung. Aber keinen Stress. Sie haben Zeit genug. Abwarten. Kinderkrankheiten an sich vorbeiziehen lassen. Überlegen, ob man den exklusiven Spielen weiter die Treue hält oder doch Lust auf Neues hat. Auf keinen Fall überteuerte Angebote im Netz kaufen. Die Hersteller haben bereits bekannt gegeben, dass es schon bald Nachlieferungen geben soll. Man hat ausreichend Zeit, denn die nächsten Spielkonsolen der beiden Hersteller wird es erst in fünf Jahren geben.