Einst muss es ein idyllisches Plätzchen gewesen sein. Im Niwa-Resort, gelegen in der polnischen Wildnis, konnten sich sozialistische Arbeiter und ihre Familien von den Strapazen des Alltags erholen. Geräumige Zimmer boten Komfort. Schwimmbäder, Spielräume und Ausflüge sorgten für Abwechslung. Kein Wunder also, dass die kommunistischen Machthaber das Resort als Vorzeigeprojekt verkauften.

Von den sozialistischen Träumen ist nichts geblieben. Heute ist Niwa verlassen. Blut klebt an den Wänden. Die Bruchbude zerfällt. Etwas ist im Resort passiert. Was genau, darum dreht sich das Mystery-Horrorspiel "The Medium" vom polnischen Entwicklerstudio "Bloober Team SA".

Gespräche mit Geistern

Hauptfigur des Titels ist die junge Frau Marianne. Als Medium kann sie sich sowohl in der echten als auch der Geisterwelt bewegen und dort mit den Verstorbenen plaudern. Warum sie dazu fähig ist, weiß sie nicht. Von einem Albtraum geplagt, sucht Marianne nach Antworten. Erfolglos. Dann aber ruft sie ein Mann namens Thomas an. Er gibt an, mehr über Mariannes Leidensweg zu wissen. Doch müsse die Frau zunächst ins Niwa-Resort eilen, um ihm zu helfen.

Der Spuk beginnt. Das Resort wurde vor Jahren geschlossen. Angeblich, weil es in Niwa zu einem Massaker gekommen sein soll. Ob diese Geschichte wahr ist oder es sich nur um ein lokales Schauermärchen handelt, gilt es herauszufinden.

Marianne wird jedenfalls schnell bewusst, dass es in Niwa nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. In der Geisterwelt lernt sie ein Mädchen namens Trauer kennen. Aber auch einen Dämon, der im Ressort sein Unwesen treibt. Und bald zeigt sich, dass Marianne ebenso Verbindungen zum unheimlichen Ressort haben könnte.

Das Szenario ist erfrischend und wartet mit allerlei Wendungen auf. Niwa steckt voller mysteriöser Wesen. Überall finden sich Gegenstände und Geister, die ein wenig Aufschluss geben, was in dem Resort passiert ist. Gelungen ist vor allem die minimalistische Musik, die "The Medium" durchgängig mit einem gespenstischen Klangteppich durchzieht.

Ebenso frisch ist auch die Spielmechanik. Wenn Marianne in die Geisterwelt eintritt, wird der Bildschirm zweigeteilt. Der Spieler steuert die Frau simultan in beiden Welten. Dort gibt es jeweils unterschiedliche Gegenstände, mit denen sie agieren kann. Das ermöglicht interessante Rätsel. So muss Marianne einmal in der Geisterwelt eine Quelle mit Energie speisen, damit sich in der echten Welt ein Fahrstuhl weiterbewegt.

Subtiler Grusel

Technisch kann "The Medium" hingegen nicht vollends überzeugen. Die Zwischensequenzen sind zwar schön anzusehen, im Spiel zeigen sich dann aber doch öfters matschige Texturen. Die Animationen sind stellenweise ein wenig hölzern, Mariannes Bewegungen wirken dadurch etwas mechanisch und unecht.

Auch ein wenig mehr Action wäre wünschenswert gewesen. Zwar gibt es Passagen, in denen es wild hergeht und Marianne sich etwa vor einem Monster verstecken und es austricksen muss. Sie kommen aber vergleichsweise selten vor. Es hätte dem Spiel nicht geschadet, das Tempo ein wenig öfter anzuziehen.

Letztlich aber ist "The Medium" eine gelungene Abwechslung zu der Masse an Zombie-Schnetzeleien, die im Monatstakt auf den Markt geworfen wird. Statt blutiger Gewalt setzen die polnischen Entwickler auf subtilen, intelligenten Horror.

Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt. "The Medium" ist für PC und die Xbox Series X/S erschienen.