Ein Rollenspiel alter Schule, abseits der Jagd nach Hyperrealismus, dafür mit einer soliden Geschichte - so etwas wird auch heute noch produziert. Das neueste Videospiel dieser Art heißt "Bravely Default II" und ist am 26. Februar für die Nintendo Switch erschienen.

Die Geschichte dreht sich um einen Seemann, der nach einem Sturm in einem ihm unbekannten Land strandet. Dort erfährt er von einer Prinzessin, dass die Welt gerade dabei ist, aus den Fugen zu geraten, weil die Kristalle der Naturgewalten, Feuer, Wasser, Erde und Wind, nach einem Krieg verloren gegangen sind.

Also zieht der Seemann los, um die Kristalle mit Schwert und Magie wiederzubeschaffen. Dabei trifft er auf Personen, die ihm bei seiner Mission helfen, und kommandiert schließlich eine Vierergruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Welt zu retten.

Die Welt von "Bravely Default II" ist herzig stilisiert. Dabei ist das Grafikdesign gut genug, um den Spieler problemlos in die Fantasiewelt eintauchen zu lassen. Gespräche innerhalb der eigenen Gruppe sorgen dafür, dass die Charaktere schön greifbar sind. Anspruchsvollere Menschen können sich allerdings an dem gelegentlich simplen und klischeehaften Einschlag stoßen. Den Ton gibt es übrigens ausschließlich auf Japanisch oder Englisch (da aber mit einer großartigen und passenden Varietät an Akzenten). Die Untertitel sind aber immerhin in gutem Deutsch.

Gelungenes Kampfsystem

Das Kampfsystem ist grundsätzlich sauber und überschaubar. Es gibt unterschiedliche Charakterklassen, Waffen und Zaubersprüche, die man sich aneignen kann.

Ungewohnt und herausfordernd hingegen ist eine Besonderheit, die dem Spiel seinen Namen gegeben hat. In den rundenbasierten Kämpfen hat man die Option, in Abwehrhaltung zu gehen und nichts zu machen (Default); dafür steht einem beim nächsten Mal ein zusätzlicher Zug zur Verfügung (Brave). Das bringt Leben und ein zusätzliches taktisches Element in die sonst üblichen linearen Kampfsysteme.

Hinzu kommt, dass man sich auch künftige Züge borgen kann, etwa, um einem angeschlagenen Gegner schnell endgültig den Garaus zu machen. Das kann aber ins Auge gehen, wenn man es eben doch nicht schafft, den Gegner plattzumachen, und dann gezwungen ist, verteidigungslos auszusetzen, während der Feind seine volle Breitseite abfeuert. Die musikalische Untermalung des Spiels ist grundsätzlich angenehm und oszilliert zwischen spanisch-maurischem Gedudel und dem typischen Beatwahnsinn japanischer Videospiele. Gewöhnungsbedürftig ist dabei jedoch die oft völlig unpassende musikalische Begleitung der Dialoge.

Unterm Strich ist "Bravely Default II" ein grundsolides Rollenspiel. Es punktet mit seinem Kampfsystem und wer über die leichten Schwächen in der Erzählung hinwegsieht, erhält zig Stunden guter Unterhaltung.

Das Spiel wurde der "Wiener
Zeitung" vom Hersteller zur
Verfügung gestellt.