Das Schicksal nimmt an der berühmtesten Kreuzung der Welt seinen Lauf. Bis zu 3.000 Personen überqueren den Knotenpunkt vor dem Bahnhof Shibuya in Tokio - nicht pro Tag wohlgemerkt, sondern pro Grün-Phase. Mitten in diesem Trubel hat Schüler Rindo eine Vision - oder ist es Realität? Unfall, Tod und Verderben reihen sich aneinander, bevor alles wieder normal ist. Oder ist die Normalität trügerisch und ganz und gar abnormal?

In "NEO: The World Ends with You" schlittern Rindo und sein cooler wie überdrehter Freund Fret unversehens in ein mysteriöses Spiel auf Leben und Tod, bei dem es nur einen Gewinner geben kann.

Mit Roy Lichtenstein
durch Tokio

Die Shibuya-Kreuzung in Tokio: Ausgangspunkt der Kampf- und Rätselrally. - © stock.adobe.com / Keny / Max Schwarck
Die Shibuya-Kreuzung in Tokio: Ausgangspunkt der Kampf- und Rätselrally. - © stock.adobe.com / Keny / Max Schwarck

Mysterium beiseite, versetzt uns das japanische Rollenspiel aus dem Hause Square Enix in die Welt der coolen Kids von Tokio. Es werden geile Sprüche geklopft, wird beim Snacken gechillt, geshoppt und gewhatsappt, was das Zeug hält. Emojis sind dabei die primäre Kommunikationsform. So streift man durch Tokio - praktische Ortskunde, während dort gerade die Olympischen Spiele stattfinden. (Ganz verlassen sollte man sich aber nicht auf den virtuellen Rundgang, denn so ist beispielsweise das bekannte Kaufhaus Shiguya 109 - wohl aus rechtlichen Gründen - im Spiel das 104.) Grafisch im Roy-Lichtenstein-Stil gehalten, versucht der Spieler Rätsel um Rätsel zu lösen, gegen Monster zu kämpfen und sich gegen andere Teams durchzusetzen. Denn letztlich winkt nur einem der große Preis.

Natürlich dürfen auch Kämpfe nicht fehlen. Diese sind geprägt von typisch asiatischem Knopferldrücken in der Leistungsklasse und somit gerade am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Routine und nötige Fingerfertigkeit stellen sich jedoch relativ schnell ein. Trotzdem ist es - bei adäquater Wahl des Schwierigkeitsniveaus - gar nicht so einfach, mit einem Sternderl für seinen Einsatz ausgezeichnet zu werden. Die einzelnen Kampffähigkeiten stammen von Ansteckern, die man im Spiel findet und durch gewonnene Kämpfe verbessern kann. Weil Stil bei den Tokioter Jugendlichen sehr wichtig ist, bieten auch Kleidungsstücke zusätzliche Fähigkeiten; und sogar angesagtes Essen im Restaurant steigert Stil und Kampfwerte. Alles andere ist erfrischend simpel gehalten: keine Fähigkeitsbäume, keine Kämpferklassen.

Untermalt wird das Ganze von einem erstaunlich befriedigenden Mix aus Hardrock, Clubmusik und einem Schuss 80er-Klänge. Allerdings wird die repetitive musikalische Begleitung der Kämpfe mit der Zeit ein wenig mühsam. Ungeduldige Menschen und ältere Semester, die mit jugendlicher Kommunikation wenig am Hut haben, können die Dialoge schon einmal zu langwierig finden. Das wird dann gefährlich, wenn man durch das schnelle Wegklicken der Dialoge essenzielle Teile der Erzählung versäumt.

Da hilft nur eines: So cool sein wie die Tokioter Kids und Abstand nehmen von der In-möglichst-wenig-Zeit-das-Maximum-aus-dem-Spiel-holen-Gleichung. "NEO: The World Ends with You" ist ohne Streben nach Geschwindigkeitsrekorden in 50 Stunden absolvierbar. Macht bei einer täglichen Spielsession von zwei Stunden ein Freizeitvergnügen von rund einem Monat.

"NEO: The World Ends with You" ist am 27. Juli für Playstation und Switch erschienen. Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Entwickler zur Verfügung gestellt.