Horrorspiele haben es am Gaming-Markt schwer. Zombies und genmutierte Monster krabbeln in gefühlt jedem dritten Videospiel umher. Es gibt kaum eine Apokalypse und Dystopie, die noch nicht ausgeschlachtet wurde. Und an die technische und atmosphärische Exzellenz des Survival-Horrorspiels "The Last of Us 2" wird wohl so lange kein Blockbuster-Horrortitel mehr heranreichen.

Wie also kann sich ein Gruselspiel noch etablieren? Womöglich in der Nische. Das ist im Frühjahr etwa dem Mystery-Gruseltitel "The Medium" mit einem erfrischenden Szenario rund um ein sozialistisches Arbeiterheim und mit experimentellen Spielelementen gelungen. Weniger überzeugend ist "Tormented Souls" von Herausgeber "PQube". Das Spiel will an Horror-Klassiker wie die "Resident Evil"-Titel anknüpfen, die Handlung ist aber oft mehr absurd als gruselig.

Caroline Walker bekommt einen seltsamen Brief mit einem Bild von zwei Mädchen. Seitdem plagen sie Albträume. Die junge Frau macht sich zur Adresse der Absender - ein verlassenes Spital - auf. Dort schlägt ihr prompt jemand von hinten auf den Kopf, sie wird bewusstlos. Caroline erwacht nackt in einer Badewanne und befreit sich von einer Maschine, an die sie angeschlossen ist. Wenige Sekunden später stellt sich heraus, dass Caroline ein Auge herausoperiert wurde.

Unfreiwillige Komik

Auch nach dem kuriosen Blitzeinstieg springt die Handlung nicht an. Wichtige Details zur Hintergrundgeschichte werden lediglich über mehrseitige Tagebucheinträge erzählt, Zwischensequenzen sind Mangelware. Die Mimik der Figuren wirkt überzogen, unfreiwillig komisch ist die englische Sprecherin von Carolines Spielfigur. Dass sie gerade ein Auge verloren hat und sich in einem Horrorspital voller Monster befindet, hört man aus ihrer belustigten Stimme nicht heraus.

Caroline macht sich jedenfalls daran, in dem Spital dem Rätsel des verschwundenen Auges und sonstigen Missetaten nachzuspüren. Es verschlägt sie in den Keller, die Bibliothek, den Operationssaal und düstere Flure. Grafisch sind diese Orte für ein Indie-Spiel ansehnlich. Das Spiel mit Licht und Dunkelheit ist ebenso wie die Musik stimmig: Einen Nostalgie-Flair kann "Tormented Souls" durchaus versprühen.

Problematisch ist bei den Erkundungen aber die Bedienung auf dem PC mit der Tastatur. Zur teils schwierigen Richtungsfindung und den ungelenken Bewegungen gesellen sich feste Kameraperspektiven, die unübersichtlicher nicht sein könnten. Die Steuerung der Figur gleicht damit mehr jener eines tonnenschweren Tankers als jener eines Menschen.

Diese Bedienung mag zwar gewollt sein und kann zunächst einen Gruseleffekt erzeugen, da sie es erheblich schwieriger macht, den herumlungernden Monstern zu entkommen. Auf Dauer wird sie aber ermüdend.

Gelungene Rätsel

Gelungen sind hingegen die Rätsel. Es muss nachgedacht und probiert, Gegenstände müssen kombiniert werden, damit sich die nächste Tür öffnet oder das Licht in einem Raum angeht. Spaß macht auch das Haushalten mit den Ressourcen. So wie in der "Resident Evil"-Reihe sind die Gegenstände in "Tormented Souls" spärlich vorhanden.

Auf einen Erste-Hilfe-Kasten stößt man selten, auch mit der Munition darf man nicht allzu verschwenderisch umgehen. Das gilt auch für die Speicherpunkte: Der Spieler kann nur begrenzt speichern: Denn dafür benötigt er Audiokassetten, die gezielt im Spital verteilt sind.

Während manche Anlehnungen an die Horror-Klassikerreihe "Resident Evil" ihren Reiz haben, ist eine andere Anlehnung nervig: Bei jedem Öffnen einer Tür kommt ein - wenn auch kurzer - Ladenbildschirm. Das ist heutzutage nicht mehr notwendig und hemmt den Spielfluss. Aufgrund seiner spielerischen und erzählerischen Schwächen weht mit "Tormented Souls" nicht mehr als ein nostalgisches Lüftchen durch den satten Grusel-Himmel.

Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt. "Tormented Souls" ist für PC, Playstation 5 und die Xbox Series erschienen.