Sie ist nicht der ganz große Wurf, weil sie, wie angekündigt, keine 4K-Auflösung hat. Letztere hätte aus ihr die eierlegende Wollmilchsau unter den Spielekonsolen gemacht. Aber: Die neue Switch Oled hat Unzulänglichkeiten der Vorgängerversion ausgemerzt wie kaum eine andere Konsole vor ihr. Im Prinzip ist sie die Switch, wie man sie sich von Anfang an gewünscht hätte.

Was war das mühsam mit der alten Switch, wenn man zur No-Wifi-Fraktion gehörte. WLAN war nämlich die einzige Möglichkeit, die Konsole mit dem Internet zu verbinden (okay, es gab Behelfslösungen, aber die wollten sich die Wenigsten antun). Die Dockingstation der neuen Switch Oled verfügt hingegen über eine LAN-Verbindung. Das spart mit Breitbandanschluss Zeit beim Download und sorgt für quasi inexistente Verzögerungen beim Online-Spiel. Problem gelöst - wie so viele andere auch.

Vorne hat sich nicht viel geändert. Der Bildschirm ist ein wenig größer. - © Mathé
Vorne hat sich nicht viel geändert. Der Bildschirm ist ein wenig größer. - © Mathé

Da wäre etwa der Standfuß. Spätestens beim dritten Versuch, den alten Switch-Bildschirm auf dem Tisch aufzustellen, hatte man den kleinen, zwei Zentimeter schmalen Ständer in der Hand. Das war zwar nicht weiter tragisch, weil er sich problemlos wieder einrasten ließ. Aber das flaue Gefühl, ein filigranes Teil in Händen zu halten, war dennoch präsent. Wackelig war das Ganze auch noch. Die Oled verfügt nun über einen stabilen, stufenlos verstellbaren Standfuß, der sich über fast die gesamte Breite des Bildschirms zieht. Dem kann selbst die turbulenteste Zugfahrt nichts mehr anhaben.

Besserer Sound, mehr Speicher

Die Lautsprecher verlaufen über fast die gesamte Länge. 
- © Mathé

Die Lautsprecher verlaufen über fast die gesamte Länge.

- © Mathé

Nächste Station: Bluetooth-Kopfhörer. Selbst bei der Playstation der neuesten Generation benötigt man immer noch extra zugekaufte, nicht offizielle Adapter, wenn man seine Funklauscher verwenden möchte. Selbiges gilt für die alte Switch. Bei der Switch Oled hingegen ist das kein Problem mehr. Es gibt ein eigenes Programm, mit dem man Bluetooth-Audio verbinden kann. Selbst mit No-Name-Kopfhörern funktionierte das im Test problemlos. Apropos Audio: Auch ohne Kopfhörer ist der Sound der neuen Switch stark verbessert. Die neuen Lautsprecher sind auch viel größer als die alten.

Die Erweiterung des internen Speichers ist ebenso erfreulich, wenn auch ein vergleichsweise nettes Detail. Ohne Speichererweiterung wurde es auf der alten Switch, die über 32 Gigabyte verfügte, schnell eng. Vier, fünf heruntergeladene Spiele hatten Platz, dann war Ende der Fahnenstange. Die kleine SD-Karte war somit in der Regel das erste Zubehör, das man für die Switch kaufte. Die Oled hat die Speicherkapazität um 100 Prozent auf 64 Gigabyte gesteigert. Für Umsteiger mit vorhandener Speichererweiterung ist dieser Vorteil marginal. Für Neueinsteiger macht es der größere interne Speicher dafür möglich, nicht ganz so viel Geld für die SD-Karte auszugeben - so man diese überhaupt noch benötigt.

Dann ist da natürlich auch noch der namensgebende Bildschirm. Grundsätzlich ist er eine Klasse für sich. Die Oled bietet im Vergleich zu ihrer Led-Vorgängerin einen viel besseren Kontrast und verbraucht dabei weniger Energie (was sich - wenn auch nicht offiziell - positiv auf die Akkulaufzeit auswirkt). Der Oled-Bildschirm ist so gut, dass sich die Lust, die Switch an den Fernsehbildschirm anzuschließen, in Grenzen hält. Ein wenig größer als der alte ist er auch noch. Allerdings ergibt sich ein kleines - subjektives - Aber. Die Farben sind vor allem im helleren Bereich gedeckter, das Blau wirkt ein wenig grünlicher. Das muss einem gefallen. Sonst wird man in diesem Punkt der alten Switch nachweinen.

Eine Schwachstelle bleibt

Nicht Teil der Nachbesserungen sind leider die Joy-Con-Klemmen, also diese kleinen verbauten quadratischen Teilchen, in die die Steuerungen einrasten, die sich links und rechts vom Bildschirm befinden. Sie gehören zu den Schwachstellen der alten Switch. Verwechslungen zwischen links und rechts beim Einrasten, ungeduldige Entfernungsversuche der Steuerung, ohne den entsprechenden Knopf richtig durchgedrückt zu haben, exzessive Nutzung: All das führt zur Abnutzung der kleinen Plastikdinger, was irgendwann in Brüchen und Unspielbarkeit resultieren kann. Dann wird der Kauf einer neuen Steuerung oder handwerkliches Geschick mit inoffiziellen Ersatzteilen fällig.

Im Internet gibt es die Teile aus Metall für ein paar Euro zu kaufen. Der Selbstkostenpreis liegt sicherlich im einstelligen Centbereich. Mit diesen Metallklemmen halten die Joy-Cons jedoch bombenfest - da nutzt sich nichts ab, da ruckelt nichts, ganz im Gegensatz zu den Plastik-Originalen. Letztere rutschen von Haus aus ein wenig auf und ab - kaum merklich, aber doch; vor allem, wenn man darauf achtet. Dass bei der neue Oled angesichts verhältnismäßig marginaler Kosten nicht auf Metall gesetzt wurde, lässt sich vermutlich mit mangelndem Bewusstsein erklären. Schade ist es trotzdem.

Schon jetzt Mangelware

Unterm Strich ist die Switch Oled ab jetzt die Nintendo-Konsole, die es zu kaufen gilt. Für das, was sie bietet, ist sie unschlagbar: handlich und trotzdem auf dem Großbildschirm einsetzbar, das Gros gängiger Spiele verfügbar, konkurrenzlos, wenn es um hauseigene Jump & Runs geht, dazu noch mit der besten Elternkontrolle ausgestattet. In die Überlegung, ob man bei der Switch Oled zugreift, sollte auch der vorherrschende Chipmangel einbezogen werden. Schon jetzt, zum Verkaufsstart, ist sie nämlich bei vielen Händlern nicht erhältlich. Dass es mit der Zeit mehr Anbieter werden, ist zu bezweifeln.