Energiekanister explodieren. Feinde geraten in Panik und fliehen. Doch die Verstärkung ist alsbald da. Affenartige Wesen rücken mit schweren Waffen an. Ein getarnter Alien versucht, sich von hinten anzuschleichen. Da hilft nur noch, das ganze Arsenal an Granaten aufzubrauchen und sich dann zum Verschnaufen zurückzuziehen.

Das neue Videospiel "Halo Infinite" von Entwickler 343 Industries ist ein Actionspektakel. Doch während es bei den abwechslungsreichen Gefechten liefert, schwächelt es bei der Handlung. Wer nicht ein knallharter "Halo"-Fan der ersten Stunde ist, wird sich in der Kampagne des neuen Teils der Serie schwertun.

Auch in Fahrzeugen geht es in den Kampf. - © 343 Industries / Xbox Game Studios
Auch in Fahrzeugen geht es in den Kampf. - © 343 Industries / Xbox Game Studios

Diese Schwäche verwundert: Dass die "Halo"-Reihe gute Geschichten erzählen kann, bewies bereits der erste Teil. Er kam 2001 als Exklusivtitel für die erste Xbox heraus und trug maßgeblich zum Erfolg der Spielekonsole bei. Die Hauptfigur des "Master Chief", der es mit Alienmassen aller Art aufnimmt, wurde in der Gamingszene Kult. Ebenso wie der Mehrspielermodus.

Neueinsteiger überfordert

Einen Erfolg erhoffen sich die "Xbox Game Studios" auch von "Halo Infinite". Es soll ein Zugpferd für die neuen Xbox-Spielekonsolen werden. Beim sechsten Teil der "Halo"-Reihe wird dabei eine neue Strategie gefahren: Während der Mehrspielermodus gratis gespielt werden kann, muss für die Kampagne gezahlt werden.

Die Geschichte von "Halo Infinite" startet im Weltall. Die Alienfraktion der Verdammten hat die Menschen bei einer Schlacht vernichtend geschlagen. Der im All treibende Master Chief wird in letzter Sekunde von einem menschlichen Piloten gerettet. Der Elitesoldat kann die Niederlage nicht auf sich sitzen lassen und wirft sich gleich wieder in den Kampf gegen die Aliens.

In den ersten Spielstunden schaltet er Horden von Feinden aus, zerstört ein Flaggschiff und ringt auf der Welt Zeta Halo einen schwer bewaffneten Außenposten nieder. "Halo"-Veteranen, die sich im Universum auskennen, werden sich schnell wohlfühlen.

Neulinge hingegen haben es schwer. Eine Einführung, worum es in der Reihe eigentlich geht, gibt es in der Kampagne nicht. Es wird vorausgesetzt, dass dem Spieler Charaktere wie Cortana, Dr. Halsey oder das System von Ringwelten bekannt sind. Ansonsten muss man sich erst mühsam dazu einlesen. Für ein Actionspiel ist das keine befriedigende Lösung. Zumindest ein kleines "Was bisher geschah"-Video wäre zu Beginn angebracht gewesen.

Flotte Kämpfe

Gelungen ist dafür die Action. Die Feinde sind selbst im normalen Schwierigkeitsgrad geschickt. Sie suchen Deckung, flankieren den Master Chief, sie überraschen und erheitern. Da wären etwa die kleinen, furchtsamen "Grunts", die schnell einmal Reißaus nehmen, wenn auf sie geschossen wird. Mancher Feind kann sich tarnen und nur mittels Bewegungssensoren entdeckt werden. Die Bossgegner können wiederum nur mit speziellen Taktiken bezwungen werden. Sie können den sonst robusten Master Chief bereits mit ein oder zwei Schlägen oder Schüssen erledigen.

Im Kampf gegen die Aliens stehen dem Spieler auch unterschiedlichste Waffen zur Verfügung. Bereits das erste "Halo" war für sein Arsenal legendär - "Halo Infinite" steht seinen Vorgängern in nichts nach. Klassiker wie der Nadelwerfer sind dabei. Dieser verschießt Projektile, die den Gegner verfolgen. Um die Schilde mancher Feinde zu durchbrechen, werden Plasmawaffen wie die Plasmapistole gebraucht. Daneben gibt es schwere Waffen wie den Raketenwerfer und mehrere Fahrzeuge, an deren Steuer sich der Spieler klammern kann.

Eine Innovation ist der Greifhaken, über den der Master Chief in "Halo Infinite" verfügt. Er erlaubt ihm, Gegenstände wie Energiekanister aus der Ferne zu sich zu holen. Aber auch weite Entfernungen können überwunden oder Felsen erklommen werden. Dadurch wird das schon hohe Tempo des Spiels weiter angezogen.

Das lässt auch ein wenig über die enttäuschende offene Spielwelt von "Halo Infinite" hinwegsehen. Das erste "Halo" hatte noch deutlich linearere Level, auch wenn diese für damalige Verhältnisse schon sehr weitläufig waren. Der neue Titel versucht sich mit einer offeneren Spielwelt, wo es abseits der Haupthandlung noch zig Nebenaufgaben gibt. Das wäre ein guter Weg, wenn die Mission nicht wie bei "Halo Infinite" nach einem redundanten Schema - "Nimm den Außenposten A ein, befreie das Soldatenteam B" - verlaufen würden.

Gerade auch aufgrund der stimmigen Grafik und des bombastischen Soundtracks wäre bei der Kampagne beim neuen "Halo" mehr möglich gewesen. Als Actionspiel ist der Titel hingegen einer der stärksten des Jahres. Und noch dazu funktioniert er fehlerfrei, was keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Das sind ideale Voraussetzungen auch dafür, dass sich "Halo Infinite" langfristig als Multiplayergröße etabliert.

Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt. "Halo Infinite" ist am 8. Dezember für PC, Xbox One und Xbox Series X/S erschienen.