Knaller und Sensationen waren im Videospieljahr 2021 Mangelware. Dennoch ließ sich auch in diesem eher trüben Jahr so manche Perle finden. Ein Überblick.

Mit "Age of Empires 4" (erschienen für PC) bekam das seit Jahren gebeutelte Genre der Echtzeitstrategie endlich wieder einen würdigen Vertreter. Der neue Teil der beliebten Serie vertraute ganz auf alte Stärken, große Experimente vermied er. Thematisch geht es im Spiel ins Mittelalter. Der Spieler muss zunächst eine funktionierende Wirtschaft aufbauen und danach seine Feinde militärisch niederringen.

Die Vielfalt an taktischen Möglichkeiten macht "Age of Empires 4" im Mehrspielermodus zu einer Wucht. Gerade auch aufgrund der acht spielbaren Völker, die sich stark voneinander unterscheiden. Ein Manko gibt es aber: die Kampagne im Einzelspielermodus. Die sterile Inszenierung und repetitiven Missionen lassen kaum Atmosphäre aufkommen.

Ein ähnliches Fazit kann auch bei "Halo Infinite"(PC, Xbox) gezogen werden. In dem Actionspiel wird auf höchstem Niveau gekämpft. Die Gefechte sind flott, die Gegner klug und herausfordernd, das Waffen- und Fahrzeugarsenal abwechslungsreich. Der bombastische Soundtrack tut sein Übriges, um den Titel zu einem Actionhighlight zu machen. Wer gelungene Ballereien in einem Science-Fiction-Szenario sucht, ist bei "Halo Infinite" richtig. Die Geschichte des Spiels ist hingegen nur etwas für Veteranen der Serie. Die verworrene Handlung setzt voraus, dass sich der Spieler intensiv mit dem Halo-Universum auseinandergesetzt hat.

Im Sinne von Ruhe, Verständnis und Versöhnung ist "Svoboda 1945: Liberation" (PC). Das Indie-Spiel nimmt sich der Geschichte des Sudetenlands nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie an. Es ist eine Art interaktiver Film mit echten Schauspielern. Gesprochen wird die jeweilige Originalsprache, die primär Tschechisch ist. Es gibt deutsche oder englische Untertitel.

Der Spieler schlüpft in die Rolle eines tschechischen Denkmalschützers. Er muss entscheiden, ob die Schule des fiktiven Dorfes Svoboda (Freiheit) erhaltenswert ist oder nicht. Dabei stolpert er über (teils originale) Zeugnisse der Geschichte des Sudetenlands.

Man trifft auf eine vertriebene Deutsche, die ihre ehemalige Heimat sehen will, Opfer der Nazis und Kommunisten oder auch einen Wolhynientschechen, der wie viele andere ukrainischstämmige Tschechen mit dem Versprechen von Arbeit und Liegenschaften ins Sudetenland geholt und letztlich enttäuscht wurde. "Svoboda 1945: Liberation" ist ein hervorragender Geschichtsunterricht über das Schicksal einer Region, in der so gut wie alle Menschen Opfer fehlgeleiteter Politik und grausamer Ereignisse geworden sind.

Von einem kleinen Entwicklerstudio wurde auch "The Medium"(PC, Playstation, Xbox) entwickelt. Grafisch ist der Titel nicht auf dem aktuellsten Stand. Dafür steckt umso mehr Liebe im Detail. In einem verlassenen polnischen Sozialistenheim untersucht Marianne dort verübte Gräueltaten. Als Medium kann sie Kontakt zu Verstorbenen aufnehmen und damit der Lösung näherkommen. Auch Rätsel sind immer wieder zu bewältigen. Das Szenario erfrischt, überraschende Wendungen halten bei Laune.

In eine schräge Gruselwelt verschlägt es den Spieler in "Resident Evil Village" (PC, Playstation, Xbox). Held Ethan Winters muss in einem Dorf, in dem die Apokalypse wütet, ums Überleben kämpfen. Dabei trifft er auf seltsame Bösewichte - von einer blutlüsternen Gräfin über ein gigantisches Monsterbaby. Es mag sich nicht um das grusligste Spiel des Genres handeln, zu den originellsten Titeln des Jahres zählt es aber jedenfalls.

Im Spiel"Black Book"schlüpft man in die Rolle einer russischen Hexe Ende des 19. Jahrhunderts. Das Spiel taucht tief ein in die russische beziehungsweise slawische Mythologie. Taktik und Hirnschmalz entscheiden über Sieg und Niederlage, nicht Glück und Zufallstreffer. Das Spiel vermischt gekonnt Elemente aus Adventure, Rollenspiel und rundenbasiertem Kartenspiel. "Black Book" ist für alle gängigen Spieleplattformen erschienen.

Gelungen ist auch "Guardians of the Galaxy" (erschienen für alle gängigen Plattformen). Fünf Superhelden ziehen aus, um die Galaxie vor einer üblen Sekte zu retten. Die starke Geschichte führt durch ein durch und durch unterhaltsames, aber nicht nervenaufreibendes Spiel. Rätsel und Kämpfe sorgen für Abwechslung. Das Wohlfühlspiel punktet mit komischen Dialogen und unkomplizierter Unterhaltung. Dazu kommt ein großartiger Soundtrack, so man Musik aus den 1980er Jahren mag. Mit Titeln von Bobby McFerrins "Don’t Worry be Happy" bis zu Europes "Final Countdown"

"Mario Party Superstars"(Nintendo Switch) ist eine Art "Best-of" der seit 1998 erscheinenden "Mario Party"-Spiele. In dem Brettspiel würfeln bis zu vier Spieler um den Sieg. Ziel ist es, auf dem Weg die meisten Sterne zu sammeln. In unterhaltsamen Minispielen messen die Spieler zudem ihr Können. Es ist ein unterhaltsamer Zeitvertreib für große und kleine Spieler.

Von der wenig ansehnlichen Grafik von "Endzone: A World Apart" (PC) darf man sich nicht abschrecken lassen. Im Kern steckt ein gutes Aufbauspiel in dem Titel. Es geht darum, die Welt 150 Jahre nach einer Atomkatastrophe wieder mit Menschen zu besiedeln. Aus ein paar Ressourcen wie Schrott und Holz, einer Handvoll Siedler und einem abgewrackten Kleinbus, der als Startbasis dient, soll nach und nach eine Stadt entstehen.

Das ist einfacher gesagt, als getan. Die Welt ist weiter verstrahlt. Wasser und Nahrung müssen dekontaminiert werden. Effektive Liefer- und Produktionsketten sind überlebensnotwendig. Noch dazu, wo plötzlich auftretende Krankheiten oder Dürren Erfolge schnell wieder zunichtemachen können.(aum/dab)