Diese Zombies sind vielleicht faule Hunde. Der Großteil gammelt morgens bis abends in finsteren Häusern herum. Ihre untoten Kollegen auf den Straßen sind keinen Deut besser: Sabbernd und grummelnd schlurfen sie ziellos umher.

Auf den ersten Blick wirkt die Zombie-Apokalypse im Videospiel "Dying Light 2: Staying Human" harmlos. Stadtspaziergänge zur Mittagszeit verlaufen beschaulich. Die Untoten ignorieren einen zumeist, und wenn sie doch zur Verfolgung schreiten, sind sie leicht abzuwimmeln. Am Abend aber ist alles anders. Dann erwachen die Zombies, zischen durch die Straßen und jagen Überlebende. Auch die gefährlicheren Mutanten kriechen nachts aus ihren Verstecken. Wer falsch abbiegt oder Lärm macht, auf den wartet Böses.

Nicht nur die Abwechslung zwischen Tag und Nacht macht das Action-Überlebensspiel "Dying Light 2" zu einer spaßigen Zombiehatz. Trotz des überstrapazierten Szenarios punktet der Titel des polnischen Entwicklers Techland auch mit seiner Geschichte und Atmosphäre.

Machtkampf in der Stadt

Die Ausgangslage ist altbekannt: Eine Seuche verwandelt Menschen zu Zombies, die Überlebenden sitzen in Enklaven fest. Mitten in dem Chaos sucht Protagonist Aiden Cadwell nach seiner Schwester. Die Geschwister waren zu Beginn des Seuchenausbruchs für medizinische Experimente missbraucht und voneinander getrennt worden.

Aufgrund dieser Experimente verfügt Aiden über deutlich mehr Ausdauer und Kraft als durchschnittliche Menschen. Dadurch kann er mit Leichtigkeit von Dach zu Dach klettern und die schwierigsten Hindernisse überwinden. Was genau hinter diesen Experimenten steckte, wird erst im Laufe des Spiels aufgeklärt.

Aiden bekommt den Hinweis, dass sich Mia in Villedor aufhalten könnte und schleicht sich in die abgeriegelte Stadt. Villedor wurde zwar wie der Rest der Welt von Zombies überrannt, allerdings konnten sich dort einige Menschen über Jahre halten.

Das Sagen haben in der Stadt zwei verfeindete Fraktionen. Einerseits die Friedenswächter, die militärisch organisiert sind und beim Wiederaufbau auf strikte Ordnung setzen. Andererseits mischt die Fraktion der Überlebenden mit: Sie sind freiheitsliebender und wollen mitsamt dem Wiederaufbau eine neue Gesellschaftsordnung schaffen.

Aiden muss sich entscheiden, welche der beiden Fraktionen er unterstützt. Bei Missionen stehen ihm unterschiedliche Wege offen: So kann er mit den Friedenswächtern oder den Überlebenden kooperieren, um einen Mord aufzuklären. Der Kampf der Fraktionen ist stimmig, so wie die Atmosphäre des Spiels. Wenn die Nacht hereinbricht und die Sirenen vor dem Erstarken der Zombies warnen, ist man doch zu geneigt, eines der wenigen hellen, abgesicherten Plätzchen auf den Dächern zu ergattern.

Während die Haupthandlung über weite Strecke motivieren kann und auch mit guten Wendungen aufwartet, lässt "Dying Light 2" bei den Nebenmissionen viel Potenzial liegen. Meist handelt es sich um belanglose Aufgaben wie: "Klettere auf Gebäude A und suche den Gegenstand B." Gerade die offene Spielwelt des Titels hätte hier Platz für interessante Missionen gelassen.

Die lange Entwicklungszeit - ursprünglich war eine Veröffentlichung bereits für das Jahr 2020 angedacht gewesen - war für das Spiel Fluch und Segen. Zwar erscheint es weitgehend technisch fehlerfrei, was für einen Titel dieses Ausmaßes heutzutage keine Selbverständlichkeit mehr ist. Dafür ist die Grafik mittlerweile ziemlich angestaubt: Selbst auf hohen Details spielt "Dying Light 2" nicht in der Oberklasse mit, zu unscharf sind die Texturen.

Mit dem Zombie-Klassiker "The Last of Us" kann das Spiel damit nicht mithalten. Alles in allem ist der Abstecher nach Villedor vor allem auch für Actionfreunde eine Reise wert. Die Kletterrätsel und Akrobatikeinlagen werden im Verlauf des Spiels immer gefinkelter. Bei den Kämpfen besteht sowieso unermessliche Freiheit.

Aiden kann ein gigantisches Waffenarsenal gegen Zombies und Banditen einsetzen. Auch dutzende Spezialfähigkeiten von Konterangriffen bis hin zu Kickattacken gehören zum Repertoire. Abends aber sollte man beim Herumturnen und der Zombiejagd ein bisschen mehr Vorsicht walten lassen.

Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt. "Dying Light 2: Staying Human" erscheint heute, Freitag, für PC, PS 4 und 5, Xbox One und Xbox Series.