Die Eishockeysimulation "NHL" von EA Sports ist heuer die beste aller Zeiten. Für das aktuelle "NHL 23" gilt dieser Satz genauso wie für fast jede der jährlichen Neuauflagen des Spiels. Die Frage, die sich stellt, ist: Zahlt es sich aus, dafür - je nach Konsole - zwischen 60 und 80 Euro auszugeben? Die Antwort hängt wiederum von zwei wesentlichen Fragen ab: Wie hoch ist das persönliche Spielebudget und ist man bereits im Besitz der Vorgängerversion "NHL 22"?

Wer noch nie "NHL" gespielt hat und Sportspielen grundsätzlich etwas abgewinnen kann, der darf bei "NHL 23" guten Gewissens zuschlagen. Wenige Sportspiele bieten eine derart unkonventionelle Steuerung. Geschossen wird nämlich mit dem rechten Analogstick des Controllers und nicht mit irgendwelchen Knöpfen. Ein kleiner Schlenzer aus dem Handgelenk gefällig? - Den Stick kurz zur Seite und dann nach vorn drücken. Ein Schuss aus den Vollen? Stick ganz zurück und wieder ganz nach vorn drücken. Diese Eigenart braucht am Anfang etwas Eingewöhnung, macht à la longue aber ordentlich Spaß und verleiht befriedigende Kontrolle über den Puck. Zwar gibt es auch die Option, die Steuerung auf jene konventioneller Sportspiele umzustellen - also per Knopfdruck zu schießen. Das ist letztlich aber so, als würde man im China-Restaurant ein Schnitzel bestellen.

Hinzu kommt ein angenehmer Mix aus Geschick und Taktik, durch den das Spiel zig Stunden guter Unterhaltung bietet. Hat man "NHL"-Versionen vor dem Jahr 2021 gespielt und war damit zufrieden, wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit von "NHL 23" begeistert sein.

Starke Verteidigung
des Computers

Was nun aber, wenn man "NHL 22" bereits hat? Wer noch über ein ordentliches Budget verfügt, der sollte sich das aktuelle Spiel zulegen. Denn im Gameplay hat es feine, aber signifikante Änderungen gegeben. Vor allem in der Verteidigung ist der Computer bei "NHL 23" besser als beim Vorgänger. Das sorgt für einen frischen Kick, ausreichend Stunden des Einspielens und letztlich für ein neues Spielgefühl.

Der Bauerntrick etwa ist nur mehr schwer zu bewerkstelligen. Früher war es beliebt, in aussichtsloser Angriffsposition hinten um das Tor herumzufahren und dann den Puck auf der anderen Seite einzuschieben. Bei "NHL 23" sind die Erfolgsaussichten hier eher niedrig. Auch der Idealpass vor den Torraum (der bereits bei "NHL 22" erschwert wurde) ist weit davon entfernt, ein Punktgarant zu sein. Das ist nicht zuletzt auch auf die stark verbesserte Reaktion der Torhüter zurückzuführen.

"NHL 22"-Spielern kann es da schon einmal passieren, dass sie sich nach einer gewohnten Torchance und im blinden Vertrauen auf einen Erfolg bereits einen Pausenschluck gönnen und beim Abstellen des Glases mit Schrecken feststellen, dass der Puck gar nicht im Netz gelandet ist. Dafür steht der Gegner bereits vorm eigenen Tor und holt zum Gegenschlag aus.

Auch der Poke-Check wurde verändert, bei dem man versucht, dem Gegner durch Stochern mit dem Schläger, den Puck wegzuschlagen. Der Spieler bremst dabei stärker ab, als früher. Das bedeutet, dass bei einem Fehlversuch der Gegner auf und davon ist. Das erschwert zwar das Hockeyleben, unterbindet aber das nervige - und unrealistische - Dauerblockieren mancher menschlichen Gegner.

ICE-Liga mit Austro-Vereinen mit an Bord

Wer stets mit den aktuellsten Kadern spielen will, kommt an "NHL 23" natürlich auch nicht vorbei. Denn hier ist alles auf dem neuesten Stand. Panthers-Fans werden mit Befriedigung Flames-Star Matthew Tkachuk in ihren Reihen sehen, der von Alberta nach Florida gelotst wurde. Auf der anderen Seite kann man auf Jonathan Huberdeau zurückgreifen - den besten Spieler der Panthers in der vorangegangenen Saison.

Für europäische Freunde des Eishockeys bietet "NHL 23" dem Namen zum Trotz alles, was das Herz begehrt: Von der ICE-Liga österreichischer und mitteleuropäischer Vereine über die finnische bis hin zur Champions League ist alles dabei, samt Teams und Spielern sowie Originalsponsoren und -werbung. Dazu kommen noch Weltmeisterschaften. Der Plural ist an dieser Stelle gerechtfertigt, denn erstmals sind von Anfang an auch die Frauen dabei (für "NHL 22" gab es im Jänner ein entsprechendes Update). Auch das Cover zieren diesmal ein Mann (Trevor Zegras von den Anaheim Ducks) und eine Frau (Sarah Nurse, Olympia-Gold mit Kanada) gemeinsam.

Und was nun, wenn man im Besitz von "NHL 22" ist und vor Weihnachten nur noch Geld für ein, zwei Spiele hat? Dann kann man getrost auf "NHL 24" warten. Denn vom Spiel her bietet die Vorjahresversion noch genug Potenzial für gute Unterhaltung, solange man damit leben kann, nicht mit den aktuellen Kadern zu spielen.

"NHL 23" ist für PC, Playstation und Xbox erschienen. Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt.