Gut, sie haben uns verlassen. Der Brexit war schmerzhaft. Und doch muss man den Engländern immer wieder dankbar sein. Sie brachten uns den Fünf-Uhr-Tee und Daniel Craig - und vor ein paar Jahren auch noch die Dark Pictures Anthologie. Diese ist so packend, wie sie britisch ist. Unter der Moderation von Schauspieler Pip Torrens wird der Spieler durch die einzelnen Geschichten begleitet, die für Prickeln, Gruseln und Gänsehaut sorgen. Der Horror nährt sich dabei nicht primär aus furchteinflößenden Bildern. Es ist vielmehr die unerträgliche Spannung beim Voranschreiten durch das Spiel, bei dem man stets bangt, aus welcher der tausend Ecken eine der Millionen schrecklicher Gefahren droht. Und doch geht gerade diese feine psychologische Klinge besonders tief unter die Haut, wie sie ein Sir Alfred Hitchcock meisterlich prägte. Neu erschienen ist nun der vierte Teil der Dark Pictures Serie: "The Devil in Me".

Angelehnt an
einen echten Kriminalfall

Die Geschichte beginnt vor knapp 150 Jahren bei der Weltausstellung in Chicago. Ein Hotel, ein argloses Pärchen und ein finsterer Geselle. Dann der erste Knalleffekt, der hier nicht verraten wird. Ist das Spiel schon vorbei? Hat man in den wenigen Minuten schon alles falsch gemacht?

Wie schon im ersten Teil der Anthologie, "Man of Medan", heimst Entwickler Supermassive Games mit "The Devil in Me" extra Gruselpunkte dadurch ein, dass die Geschichte an einen echten historischen Kriminalfall angelehnt ist. Das Spiel dreht sich um H. H. Holmes. Er gilt als einer der ersten Serienmörder der USA und wurde 1896 hingerichtet. Vor seinem Tod erklärte er, vom Teufel besessen zu sein, und verlangte, unter Beton begraben zu werden, damit er nachher nicht weitermorden könne. Es gibt fünf spielbare Charaktere. Während des Spiels ist man einerseits mit (Dialog-)Entscheidungen konfrontiert, andererseits mit Quick-Time-Events, bei denen es gilt, in der richtigen Zehntelsekunde den richtigen Knopf auf dem Controller zu drücken. Beides entscheidet über Leben und Tod der einzelnen Charaktere. Spielt man alleine, kommt man in den Genuss, alle Figuren abwechselnd zu kontrollieren. Oder man gibt sich das Gruseln im Freundeskreis. Beim Couch-Modus etwa kann man mit bis zu vier Freunden abwechselnd die Charaktere spielen. Mit einer Spielzeit von etwa zehn Stunden ist für zwei bis drei Abende (für sportliche Spieler einen Abend) schauriger Unterhaltung gesorgt. Ebenfalls möglich ist es, das Ganze online zu spielen.

"The Dark Pictures: The Devil in Me" bietet eine packende Geschichte mit viel Schaudern. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, auch wenn sie gelegentlich unverständlich falsch handeln ("Nein, tu das nicht!", hört man sich selbst sagen) - doch das ist aus Filmen des Genres nur allzu bekannt. Die Quick-Time-Events sind überdurchschnittlich anspruchsvoll und sorgen selbst nach erfolgreicher Meisterung noch für Herzrasen. Hier wird prickelnde Unterhaltung geboten, wenn auch bei Menschen mit gesundheitlichen oder Einschlafproblemen Vorsicht geboten ist.

Der nächste Teil von "The Dark Pictures" verspricht übrigens Horror der Sonderklasse. Er heißt "Switchback" und wird für die im Februar kommende Playstation VR2 entwickelt. Dabei bewegt man sich dann mittels Spezialbrille in einer künstlichen, dreidimensionalen Welt. Wenn einem da bloß keiner von hinten auf die Schulter tippt.

"The Dark Pictures Anthology: The Devil in Me" ist für PC, Playstation und Xbox erschienen. Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt.