Ein Screenshot aus Activisions erfolgreichem "Call of Duty: Black Ops II", einem Videospiel, das nach dem Newton-Massaker heftig kritisiert wird. - © APAweb/Activision/AP/dapd
Ein Screenshot aus Activisions erfolgreichem "Call of Duty: Black Ops II", einem Videospiel, das nach dem Newton-Massaker heftig kritisiert wird. - © APAweb/Activision/AP/dapd

Seit es Videospiele gibt, wird über negative Auswirkungen und Folgen diskutiert. "Killerspieldebatte" heißt dies in Deutschland. In den USA wiederum wird allem Anschein nach nie wirklich ernsthaft darüber geredet, sondern stets nur in Zusammenhang mit Amokläufen - vorwiegend an Schulen oder in Zusammenhang mit Kindern - heftig, aber nachwirkungslos debattiert.

Dies soll nun ein Ende haben. Einige US-Senatoren wollen mit neuen Studien beweisen, dass Computerspiele negativen Einfluss auf den Menschen haben. Nachdem nun schon gewaltverherrlichende Filme in Hollywood verschoben wurden, scheint dies die logische Konsequenz zu sein.

Computerspiele sind nicht ungefährlich
Es steht generell außer Frage, dass Computerspiele einen Einfluss auf Menschen haben. Immerhin kann zu Recht behauptet werden, dass Videospiele gewisse Fähigkeiten im positiven trainieren und ausbilden. Auf der anderen Seite muss aber auch gesagt werden, dass das aktive Töten am Bildschirm, gerade bei Kindern und Jugendlichen, massive negative Auswirkungen hat.

So gibt es psychologische Studien, die von einem signifikanten Anstieg von tödlichen Kopfschüssen bei Gewaltverbrechen in Zusammenhang mit der Nutzung von Computerspielen, die das gezielte Töten durch einen Schuss in den Kopf des Gegners belohnen. Kritiker sehen in Videospielen eine wesentliche Wurzel allen Übels - ebenso in Horrorfilmen und Heavy Metal-Musik. Doch eine sachliche Diskussion kommt meist nicht zustande. Gerade in der Weihnachtszeit etwa, werden Kindern Spiele zugänglich gemacht, die diesen gar nicht verkauft werden dürften. Aber auch die labilen Einzelgänger im Erwachsenenalter scheinen durch das Töten in der virtuellen Welt einen Realitätsverlust zu erleben.

Milliarden-Dollar-Geschäft
Die Milliarden-Dollar-schwere Videospielbranche kommt in den USA derzeit schwer unter Beschuss. In Washington forderte Senator John Rockefeller eine US-weite Studie zu den Auswirkungen der gewaltverherrlichenden Videospiele auf die Menschen. Diese Wortmeldungen sind nach Amokläufen an US-Schulen mittlerweile schon bekannt. Auch in diesem Fall werden von den Politikern und Experten die üblichen Verdächtigen genannt - so soll der Todesschütze an der Volksschule ein begeisterter "Call of Duty"-Spieler gewesen sein.

In einer Aussendung erklärte Senator Rockefeller, dass die "großen Unternehmen, gerade auch in der Videospielindustrie, Milliarden Dollar in Marketing-Kampagnen für gewaltverherrlichende Spiele investieren und somit gewaltverherrlichende Inhalte an die Kinder verkaufen." "Sie haben auch die Verantwortung zu tragen und müssen unsere Kinder schützen", so das Statement.

Von Seiten der US-Spieleindustrie gab es keinerlei Kommentar zu den neuen Angriffen der Politik. Die "Entertainment Software Association", die die 78-Milliarden-Dollar schwere Videospielindustrie in den USA repräsentiert, erklärte, dass man die Familien in Newton in die Gebete einschließen werde und zutiefst kondoliere. "Alle bisherigen Studien zeigen keinen kausalen Zusammenhang zwischen Unterhaltung und Gewalt im echten Leben", so ein Zusatz.

Tarantino und Blut
Der erste Leidtragende der neuen Diskussion um Gewalt und Unterhaltung, ist Regisseur  Quentin Tarantino. Dessen neuester Film "Django Unchained" wird nun zuerst in Europa in die Kinos kommen und erst verspätet in den USA. Böse Zungen behaupten, dass diese "Werbung" durchaus positive Auswirkungen auf den Filmstart in den USA haben könnte. Tarantino, nicht gerade für seine liebevollen Romanzen bekannt, nannte das Newton Massaker eine "schreckliche Tragödie", verbat sich aber jeden Rückschluss auf reale Gewalt und filmische Handlungen. "Dieses Thema geht schon auf die Zeiten Shakespeares zurück, auch damals hieß es, dass Gewalt in den Straßen aufgrund der Gewalt in der Fiktion hervorgerufen würde. Ich glaube, es ist aber ein sehr fragiles Argument, das näherer Betrachtung nicht Stand halten wird", so Tarantino.