Sean Murray, Mastermind im englischen Indie-Studio Hello Games, hat als Kind in den australischen Himmel geblickt. Er fragte sich, was es dort wohl zu entdecken gibt. Mit einem 14-köpfigen Entwicklerteam hat er diese Vorstellung in Form des Spiels No Man’s Sky umgesetzt. Es ist mittlerweile für Sonys Playstation 4 und Microsoft Windows erschienen. Eine Xbox One Version ist nicht geplant.

Unglaubliche 18 Trillionen einzigartige, frei erkundbare Planeten soll es geben. Das ist nur möglich, weil die individuellen Welten nicht von Designern und Programmierern, sondern von einem Algorithmus erschaffen werden. Dieser mischt die vorher festgelegten Merkmale, von der Bodenbeschaffenheit bis zum Verhalten der heimischen Tiere, nach Zufallsprinzip zusammen.

Die Handlung ist bestenfalls als minimalistisch zu bezeichnen, Charaktere mit individueller Persönlichkeit gibt es nicht – es geht rein ums Überleben und Erkunden. Wie also fühlt sich Unendlichkeit an?

 
Gemächlicher Start

Sie beginnt gleichermaßen abrupt wie gemächlich. Unsere Spielfigur wacht in einem kargen Krater auf und sieht sich um. Der digitale Raumanzug meldet knapp, dass lebenserhaltende Maßnahmen sowie Strahlungsschutz aktiviert wurden. Keine weitere Erklärung.

Der erste Blick fällt auf ein leuchtend rotes Raumschiff. Es lässt sich nicht vom Fleck bewegen. Der Antrieb ist kaputt und muss repariert werden. Im Inventar wird angezeigt, welche Rohstoffe dafür benötigt werden. Ohne Hinweis, wo diese denn zu finden sind. Es gilt also alles aufzusammeln, was die Umgebung hergibt. Wie in einem klassischen Adventure.

Von einem aufregenden Spielprinzip kann man zu diesem Zeitpunkt nicht reden. Neben dem eintönigen Sammeln steht Platzmanagement auf dem Plan. Denn die Menge an Gegenständen, die man mitnehmen kann, ist knapp bemessen. Das schmerzt besonders, weil die Vielfalt an Ressourcen hoch ist. Nicht alles wird sofort benötigt, aber es könnte ja später noch von Nutzen sein.

Leicht verloren

Ist das Raumschiff repariert, wird es kompliziert. Denn man findet sich bald in den Weiten des digitalen Weltalls wieder, und es gilt zu entscheiden, wo es überhaupt hingehen soll. Dabei gibt es weder Grenzen, noch Ladebildschirme, vor denen man untätig warten muss.
Unterwegs präsentiert sich das Ergebnis der "prozedural generierten" Spielwelt. Die ersten angesteuerten Planeten wirken schlüssig. Zwar ist nicht jeder besuchte Ort wunderschön. So gibt es durchaus auch unwirtliche Gesteinswüste. Aber dafür ist jeder Planet ein Unikat. Und der erste Spaziergang durch üppiges Grün, umgeben von meterhohen, Dinosaurier-ähnlichen Lebewesen macht neugierig, was es in diesem Universum sonst noch gibt.

 
Offenes Ende

Die Frage, was es da noch gibt, zieht sich durch das ganze Spiel. Offiziell lautet das Ziel, zum Mittelpunkt des Universums zu gelangen. Inoffiziell ist der Weg das Ziel. Und auf diesem hat man die volle Entscheidungsfreiheit. Wo man hinfliegt und was man dort macht, bleibt einem selbst überlassen. Rohstoffe abbauen und verkaufen. Mit Aliens handeln. Wort für Wort deren Sprache lernen. Fremde Tierarten kategorisieren. Oder einfach bisher unentdeckte Welten nach Geheimnissen durchsuchen.

Nur die Energie schränkt ein. So ist schnelles Laufen nicht unbegrenzt lang möglich. Und die meisten technischen Hilfsmittel verbrauchen Ressourcen. Darüber hinaus braucht alles eine gewisse Zeit. Es gilt abzuwägen, ob man den langwierigen Fußmarsch zum nächsten Handelsposten auf sich nimmt. Oder auf Kosten von Treibstoff kurzerhand hinfliegt.

Diese Mischung aus unendlichen Möglichkeiten und endlichen Ressourcen macht den Reiz aus. Und der Gedanke, etwas zu entdecken, das in dieser Form noch nie jemand gesehen hat. Das Spielprinzip fordert vor allem Neugier. Ohne diese wird es mühsam. Wer aber Spaß am Entdecken hat, bekommt von No Man’s Sky mehr geboten, als von je einem Spiel zuvor. Sowohl was den Umfang angeht, als auch die Einzigartigkeit des Inhalts. Das birgt eine Gefahr. Denn auch die vor dem Bildschirm verbrachte Zeit könnte sich dann an die Unendlichkeit annähern.