Neufeld sieht das Vorgehen jedoch als logische Fortsetzung der jahrzehntelangen Abwehrhaltung, die den "schlechten Ruf" in der Branche bestätige. Allerdings gehe er auch davon aus, dass man die Software aus dem Netz sowieso nicht mehr hinausbekommen werde. Die Retro-Gaming-Szene werde sich davon seiner Erfahrung nach sicher nicht abschrecken lassen. Schon in den Achtzigern habe man nicht verhindern können, dass die Kids Spiele am Schulhof tauschen. Das in Zeiten des Internets erneut zu versuchen, ist ein interessanter Versuch. Eine neue Retro-Gaming-Seite mit juristisch wasserdichtem Aufbau ist offenbar schon in Vorbereitung. Immerhin twitterten die anonymen Betreiber kürzlich in Richtung Nintendo drei Worte: "Bring it on!"

Immer auf die blauen Geister

Die Frage, die man sich in der Szene stellt, ist, was die internationalen Konzerne eigentlich bezwecken wollen? Immerhin sei es kein unbotmäßiges Anliegen der Gesellschaft, dass das Kulturgut Videospiel nicht dem Vergessen anheimfallen muss, weil Konzerne aus prinzipiellen Überlegungen die nicht-kommerzielle Nachnutzung alter Ware verweigern. Bei Büchern entscheiden ja auch nicht die Verlage, ob ein Buch in einer Bibliothek gesammelt wird oder nicht und somit weiter zugänglich ist, auch wenn es schon jahrzehntelang nicht mehr verkauft wird. Dass bei digitalen Inhalten eine gewisse technische Infrastruktur zur Rezeption nötig ist, sollte den Vorgang nicht per se illegal machen.

Bennett Foddy, Professor an der New York University, erläuterte in einem Interview mit "Motherboard" das Dilemma im wissenschaftlichen Bereich: "Wenn man Malerei, Musik oder Mathematik lehrt, schickt man Studenten in die Bibliothek, um die alten Klassiker zu lesen. Das ist der einzige Weg, um uns wissenschaftlich oder kreativ weiterzuentwickeln", so Foddy. Bei digitalen Spielen besteht diese Möglichkeit aber nicht, wenn die Hardware nicht mehr verfügbar ist oder die Software nicht mehr verarbeitet werden kann. Die Folge des rigiden Urheberrechts wäre somit ein völliges Vergessen von 99 Prozent aller jemals programmierten Spiele. Eine ganze Kulturtechnik wird somit aus einem legalen Justament-Standpunkt heraus zum schwarzen Fleck in der Geschichte.

Langsam aber sicher haben in den vergangenen Jahren auch die Hersteller selbst erkannt, dass es offenbar auch im Markt einen Bedarf dafür gibt, alte Spiele spielbar zu machen. So hat Nintendo die Retro-Konsole "NES Classic" ins Programm genommen. Eine Billig-Konsole mit 30 vorinstallierten Spielen, die man am Fernseher spielen kann. Allerdings ist auch hier die Vorgangsweise erratisch. Die Konsole (60 Dollar pro Stück) war blitzartig ausverkauft und wurde dann wieder vom Markt genommen. Sie soll allerdings wiederkommen. Unterdessen wird das gute Stück auf Plattformen wie eBay zu Fantasiepreisen verkauft. Eine konsequente Marktstrategie ist da wohl nicht zu erkennen.

"Pacman", "Space Invader", "Donkey Kong", "Prince of Persia" - es sind klingende Namen, die frühe Games-Industrie hervorgebracht hat und die heute richtigen Kult-Status genießen. Es wäre sicherlich schade, wenn sie als "Abandonware" für immer ihr Dasein beschließen müssten.