Wien. Red Bull Salzburg hat einen Star unter Vertrag, den die meisten gar nicht kennen. Andrés Torres ist der E-Sportler des Fußballklubs. Für seinen Verein bestreitet er Videospielturniere wie die österreichische Fifa-E-Bundesliga oder die virtuelle Deutsche Bundesliga. Der 23-Jährige soll den Salzburgern einen verstärkten Zugang zum digitalaffinen Publikum bescheren. Mit Erfolg: Torres’ YouTube-Videos gehören zu den meistgesehenen des Vereins. Daneben ist der Sohn einer Spanierin und eines Türken auch auf Facebook und Instagram gut unterwegs.

Das neue Computerspiel Fifa19 von EA Sports erscheint heute, Freitag. Somit ist nach Konamis Pro Evolution Soccer 2019 (PES 2019), das seit einem Monat auf dem Markt ist, nun auch der große Rivale erhältlich. Gemeinsam mit der "Wiener Zeitung" verglich Torres die beiden Giganten der Fußballcomputerspiele.

"Konami hatte immer die Philosophie: ,Gameplay vor Grafik‘", erklärt Torres. "Die Schüsse, die Pässe, die Bewegungen - das alles fühlt sich bei PES realistischer als bei Fifa an." Vor allem im Vergleich zum Vorgänger 2018 sei hier ein Quantensprung gelungen. Zugleich sei "Fifa ein wenig zu einem Glücksspiel geworden", sagt Torres. Es sei durchaus realistisch, als Profi gegen einen Gelegenheitsspieler zu verlieren. Verantwortlich dafür sei vor allem die ausgeprägte künstliche Intelligenz der nicht vom Spieler kontrollierten Fußballer.

Beide Spiele sind langsamer

"Der Gegner braucht nur ein Glückstor zu schießen und das war es. Dann stellt er auf fünf Verteidiger um und lässt den Computer verteidigen. Da durchzukommen, ist fast unmöglich."

Dieses Merkmal hat EA offenbar bewusst gesetzt. Beim Vorgänger Fifa18 sei das Verteidigen anfänglich schwieriger gewesen, was nach Protesten von Freizeitspielern geändert wurde. Dass EA gewillt sein könnte, eine eigene Pro-Edition von Fifa herauszubringen, hält Torres für unwahrscheinlich: "Die sind glücklich, wenn sie ein gutes Spiel auf dem Markt haben." Für Torres ist das allerdings besonders herausfordernd: "Wenn die Gelegenheitsspieler gegen mich online antreten, spielen sie, als ginge es um ihr Leben. Da geht es darum, sagen zu können, man habe gegen einen Profi und gegen Salzburg gewonnen. Da geht es um Screenshots vom Sieg und Bewunderung der Freunde. Wenn die das erste Tor schießen, kann ich gegen acht computergesteuerte Verteidiger spielen. Das kann einen schon einmal in den Wahnsinn treiben."