Was die Geschwindigkeit betrifft, sind beide Spiele langsamer als ihre Vorgänger. Das macht das Spiel für Torres taktischer. "Ballbesitz ist sehr wichtig und ebenso eine effektive Chancenverwertung." Einfach nur aufs Tor zu ballern sei zu wenig. "Wer ungeduldig wird, hat schon verloren."

Die Spielerbewertung ist bei Fifa und PES mehr oder weniger gleich ausgefallen. "Da geht es meist nur um ein, zwei Punkte Unterschied." Im Detail gibt es jedoch Bewertungen, die Torres unverständlich sind, zumal wenn es um den eigenen Verein geht: "Dass Fifa19 jemanden wie Didie Samassekou mit 75 (von 100, Anm.) bewertet, ist schon ein Wahnsinn. Der wurde immerhin von der Uefa in das Team des Jahres der Europa League gewählt."

Im Karrieremodus gibt Torres PES den Vorzug. "Fifa ist da sehr monoton. Bei PES habe ich immer mit den schlechtesten Spielern begonnen und dann versucht, von Saison zu Saison daraus eine Bombenmannschaft zu formen." Dafür bietet Fifa19 mit dem Feature "The Journey" eine echte Geschichte, in der der Spieler in die Rolle eines Fußballers schlüpft.

Bei der Grafik ist Torres’ Urteil gespalten. In Sachen Atmosphäre ist PES 2019 beeindruckend. "Die Fans schauen realistisch aus, auch die Trainerbank, sogar die Security." Hier komme im Gegensatz zu Fifa Stadion-Feeling auf. Bei den Spielern hingegen hat für Torres Fifa die Nase vorn. "Hier steht Fifa drei Stufen über PES. Wenn ich mir beispielsweise Knockaert von Brighton anschaue, habe ich Lust, ihm durch den Bildschirm die Hand zu geben." Auch im Vergleich der lizenzierten Spieler sei das so. Denn die Lizenzen für das Abbilden der Clubs ist zwischen Fifa und PES aufgeteilt. Vereine mit denen eine Lizenz ausgehandelt wurde, bei denen werden Gesicht und Körper per Computer vermessen und ins Spiel übertragen. Dort, wo es keine Lizenz gibt, werden Gesicht und Clublogo nachempfunden. Resultat: Bei PES wird der italienische Spitzenclub Juventus Turin als PM-Schwarz-Weiß gespielt, samt grafisch nachempfundenen Spielern. Bei Fifa wiederum wird Maradonas Spitzenclub Boca Juniors in Buenos Aires umgetauft.

Lizenzen sind PES-Defizit

Und hier kommt das Knock-out-Kriterium für Torres: "Da hat Konami das Rennen verloren." PES habe die essenziellen europäischen Cup-Lizenzen nicht ergattert: keine Champion’s League, keine Europa League. Ebenso fehlen die offiziellen Lizenzen für die spanische, italienische und englische Liga sowie viele dazugehörige Clubs. "Das macht 80 Prozent des Spielgefühls aus", so Torres. Zwar habe PES Achtungserfolge wie die argentinische, die türkische oder die russische Liga aufzuweisen. Doch unterm Strich sei die Authentizität der Turniere, Ligen und Clubs bei Fifa19 unschlagbar. Zumal für Österreich. Denn die Bundesliga existiert in PES nicht einmal.

"Wenn Pro Evolution Soccer alle Lizenzen hätte, würde ich nur noch dieses Spiel spielen", resümiert Torres. Aber so wie die Situation ist, spielt er hauptsächlich Fifa - das Spiel, mit dem auch das Gros der Fußballspielturniere bestritten wird.