Kinoatmosphäre

Die Missionen sind flott inszeniert, bei Zwischensequenzen tauchen oben und unten schwarze Balken auf: Das sorgt für Kinoatmosphäre. Der Soundtrack könnte auch glatt aus einem Quentin-Tarantino-Film stammen. Dazu passen die Dialoge: Sie sind grob und rau, als wären sie direkt am Amboss geschmiedet worden. Dazu gehämmert werden böse-sarkastische Sprüche, die Revolverheld Morgan zum Besten gibt.

Der Bandit wird von einem Kollegen zu Spielbeginn in der Jagd mit dem Bogen unterrichtet. Als Morgan gleich einmal zwei Rehe erlegt, lobt ihn sein Lehrer euphorisiert. Morgen antwortet trocken: "Es ist halt einfacher, wenn sie nicht zurückschießen."

In der riesigen Welt besteht aber kein Grund, sich durch die Hauptgeschichte zu hetzen. In Salons, auf der Jagd, beim Pokern und bei zig anderen Aktivitäten kann ins Westernleben eingetaucht werden. Dutzende Nebenmissionen, in denen es auch um die persönliche Geschichte von Morgan geht, stehen zur Verfügung. Auch wer einfach nur in der Welt herumreitet, trifft auf allerlei Überraschungen. So kann es schon einmal passieren, dass man in den Bergen plötzlich einen Grizzlybären und ein Wolfsrudel beim Kampf um Leben und Tod beobachten kann.

Gewaltorgien, aber kein Sex

Trotz aller Stärken hat das Spiel Schwächen. Die Steuerung ist manchmal fummelig, das Auswählen von Gegenständen, insbesondere beim Einkaufen, kann zur Geduldprobe werden. Ein Manko ist auch, dass die Aufgaben sich teils wiederholen. Und dass Morgan zwar Heerscharen in Gewaltexzessen niederballern kann, Sexualität und Romanzen, im Gegensatz zu anderen Open-World-Spielen, aber nur eine kleine Rolle einnehmen, ist wohl dem Puritanismus geschuldet.

Abwechslung hätte es gebracht, wenn die Handlung noch mehr auf geschichtliche und politische Aspekte eingegangen wäre. Die "GTA"-Serie war immer auch mit einer guten Dosis Gesellschaftskritik gewürzt. "GTA 5" verspottete etwa gekonnt den Narzissmus, die Konsumgesellschaft und die digitalen Verwerfungen des 21. Jahrhunderts.

In "Red Dead Redemption 2" liegt der Fokus klar auf den Gangstermissionen. Überfälle aller Art und andere Verbrechen können massenhaft begangen werden. Aufträge, welche die Industrial- und Urbanisierung, die Diskriminierung von Indianern, Afroamerikanern und Frauen behandeln, gibt es hingegen vergleichsweise wenig. Im Kern bleibt "Red Dead Redemption 2" damit ein Gangsterepos, eine atmosphärisch dichte Erzählung von einer Bande, die vor dem langen Arm des Gesetzes flüchtet.

Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Das Spiel ist am 26. Oktober für die PlayStation 4 und Xbox One erschienen.