• vom 16.08.2011, 18:24 Uhr

Europa

Update: 16.08.2011, 20:13 Uhr

Sowjetunion

August-Putsch: Das Ende der UdSSR




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  • Mit ihrem Widerstand verhinderten Jelzin und das russische Volk das Comeback der KP-Diktatur
  • Coup scheiterte nach drei Tagen.
  • Gorbatschows Ära ging zu Ende.

Moskau.



(apa/is) Vor zwanzig Jahren schaute die Welt gebannt nach Moskau. Am Morgen des 19. August 1991 rollten Panzer durch die Stadt. Ein selbst ernanntes "Staatskomitee für den Ausnahmezustand" erklärte den sowjetischen Staatschef Präsident Michail Gorbatschow "aus gesundheitlichen Gründen" für abgesetzt. Der für krank erklärte Reformpolitiker saß als Gefangener in seiner Datscha auf der Krim fest, das Militär bewachte die Zufahrtsstraßen. Im Fernsehen lief das Ballett "Schwanensee", wie immer, wenn sich im Sowjetkommunismus etwas Dramatisches zutrug.


Drei quälend lange Tage ging das Gespenst einer neuen sowjetischen Diktatur, einer Neuauflage des Kalten Krieges und der innenpolitischen Repressionen um. Anlass des von Vizepräsident Gennadi Janajew angeführten Staatsstreichs war der neue Unionsvertrag, der den Sowjetrepubliken mehr Autonomie und Freiheiten garantieren sollte. Der reaktionäre Flügel der KPdSU wollte die für den 20. August vorgesehene Unterzeichnung mit aller Gewalt verhindern. Doch er scheiterte am energischen Widerstand des Volkes - und des Präsidenten der Teilrepublik Russland, Boris Jelzin. Der vergebliche Versuch der Verschwörer, das Riesenreich zusammenzuhalten, besiegelte schließlich das Schicksal der Sowjetunion. Die KP-Herrschaft brach zusammen wie zuvor in den anderen Ostblockstaaten. Ende 1991 gingen aus der aufgelösten UdSSR 15 neue Staaten hervor.

Boris Jelzin bezog auf einem Panzer gegen den Putsch Stellung.

Boris Jelzin bezog auf einem Panzer gegen den Putsch Stellung.© ASSOCIATED PRESS Boris Jelzin bezog auf einem Panzer gegen den Putsch Stellung.© ASSOCIATED PRESS

Doch in jenen Augusttagen bäumte sich der Machtapparat der Sowjetunion ein letztes Mal auf. Jahrelang hatten die Konservativen zugesehen, wie Gorbatschow mit seiner Politik der Perestroika (Umgestaltung) und Glasnost (Offenheit) ihrer Meinung nach die Lebensgrundlagen des Staates untergrub. Der Geheimdienst KGB, Armee, Polizei und die Staatswirtschaft rückten mit ihren Führern in das Notstandskomitee ein, der Fernsehturm wurde besetzt. Selbstsicher wirkten sie nicht: Janajew zitterten die Hände, als er sich der Weltöffentlichkeit als neuer Machthaber präsentierte.

Vom Panzer überrollt

Vom Weißen Haus in Moskau aus, damals Sitz des russischen Parlaments, organisierte Jelzin den Widerstand gegen die Putschisten. Mehrere hunderttausend Menschen gingen für die gerade erst gewonnene Freiheit auf die Straße. Eilig zusammengeschobene Barrikaden schützten das Parlamentsgebäude. Von einem Panzer herab rief der Volkstribun Jelzin zum Generalstreik auf und erklärte den Staatscoup für illegal. Als in der Nacht auf den 21. August einzelne Panzer auf das Moskauer Weiße Haus vorrückten, stellte sich ihnen die Masse entgegen. Drei junge Demonstranten wurden überrollt. Doch der große Sturm blieb aus, weil ganze Armeeeinheiten den Putschisten den Gehorsam verweigerten.

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Sowjetunion, August-Putsch

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Dokument erstellt am 2011-08-16 18:32:19
Letzte Änderung am 2011-08-16 20:13:07

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