• vom 29.03.2012, 10:50 Uhr

Europa

Update: 30.03.2012, 10:29 Uhr

Ungarn

Ungarns Präsident ist kein Doktor mehr




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  • Universität erkennt ihm den akademischen Grad ab
  • Pal Schmitt seit Wochen im Kreuzfeuer von Plagiatsvorwürfen.
  • Wien-Besuch abgesagt.

Pal Schmitt steht unter Plagiatsverdacht. - © APAweb/Reuters/Srdjan Zivulovic

Pal Schmitt steht unter Plagiatsverdacht. © APAweb/Reuters/Srdjan Zivulovic

Budapest. Der ungarische Staatspräsident Pal Schmitt hat seinen Doktortitel verloren. Der für Doktoratsfragen zuständige Rat der Budapester Semmelweis-Universität befürwortete schon am Donnerstagvormittag eine Aberkennung des Doktortitels. Der Senat der Universität entschied wenig später ebenso, mit einer überwältigenden Mehrheit von 33 zu vier Stimmen. Das Staatsoberhaupt steht seit Wochen im Kreuzfeuer von Plagiatsvorwürfen gegen seine 1992 eingereichte Dissertation.


Schon die Empfehlung des Rates wurde von den an der Universität demonstrierenden Angehörigen der unabhängigen Studentenbewegung "Hallgatoi Halozat" (Hörernetzwerk) mit Jubel aufgenommen. "Wir werden nicht aufgeben, bis die Aberkennung des Doktortitels tatsächlich geschieht!", hieß es am Donnerstagvormittag auf der Facebook-Seite der Bewegung. Wenige Stunden später ging der Wunsch der Protestierenden in Erfüllung.

Eine Untersuchungskommission der Universität hatte in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht festgestellt, dass Schmitt, damals Präsident des Ungarischen Olympischen Komitees (MOB), große Teile seiner an der damaligen Sportuniversität (TE) eingereichten Dissertation von zwei anderen Autoren wörtlich übernommen hatte. Zudem habe er in den Text keinerlei Fußnoten oder sonstigen direkten Quellenverweise eingefügt. Die Kommission machte allerdings die - heute nicht mehr als eigenständige Institution existierende - Sportuniversität dafür verantwortlich, den Doktoranden nicht rechtzeitig auf die Mängel hingewiesen zu haben.

Schmitt hat seinen für Freitag geplanten Wien-Besuch kurzfristig abgesagt. Er wollte am Abend im Wiener Künstlerhaus die große Ausstellung "Munkacsy - Magic & Mystery" über den ungarischen Maler Mihaly Munkacsy (1844-1900) eröffnen. Auch alle anderen offiziellen Termine des Staatschef wurden am Freitag  gestrichen. Das verlautbarte das Präsidialamt in Budapest in der Früh laut Nachrichtenagentur dpa ohne eine Begründung zu nennen. Der Staatspräsident sollte am Donnerstagabend aus der südkoreanischen Hauptstadt Seoul nach Budapest zurückkehren.

Die ungarischen Oppositionsparteien forderten nach der Empfehlung des Doktoratsrates erneut die Abdankung Schmitts. Laut der rechtsradikalen Partei Jobbik wird ihn der "Volkszorn" vom Posten des Staatsoberhaupts entfernen, wie Parteisprecherin Dora Duro in einer Pressekonferenz sagte. Der Chef der Sozialisten (MSZP), Attila Mesterhazy, meinte, Schmitt sei "kein bisschen Würde mehr geblieben" und er müsse gehen. Die MSZP und die Demokratische Koalition (DK) von Ex-Premier Ferenc Gyurcsany kündigten an, im Parlament einen Entschließungsantrag einzureichen, in dem die Volksvertretung Schmitt zum Rücktritt auffordert.

Die Regierungspartei Fidesz-MPSZ äußerte sich zunächst nicht direkt zu den neuesten Entwicklungen. Fraktionschef Janos Lazar betonte laut der ungarischen Nachrichtenagentur MTI nach wiederholtem Nachfragen von Journalisten am Donnerstag, dass der Fall "nicht überhastet und mit der notwendigen Umsicht" behandelt werden müsse. Die rechtskonservative Regierung hatte zuvor unterstrichen, dass sie nicht von dem Fall um Schmitts Dissertation betroffen sei, wie Sprecher Andras Giro-Szasz am Donnerstag sagte.

Unterdessen mehrten sich aber auch Fidesz-nahe Stimmen, die den Rückzug des Präsidenten forderten, der vor seinem Amtsantritt selbst als Fidesz-Politiker tätig gewesen war. Die regierungsnahe Tageszeitung "Magyar Nemzet" rief in ihrer Donnerstagausgabe in einem redaktionellen Kommentar Schmitt aus moralischen Gründen offen zur Amtsniederlegung auf.

Fidesz hatte nach der Veröffentlichung des Berichts am Dienstag die Affäre noch für "beendet" erklärt. Die Opposition hatte hingegen einhellig Schmitts Rückzug gefordert, was der Präsident am Mittwoch in Seoul ablehnte. Der frühere olympische Fechter und langjährige hohe Sportfunktionär Schmitt war nach dem Wahlsieg seiner Partei 2010 vom Parlament zum Staatsoberhaupt gewählt worden.




Schlagwörter

Ungarn, Plagiat, Pal Schmitt

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Dokument erstellt am 2012-03-29 10:50:38
Letzte Änderung am 2012-03-30 10:29:56



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