• vom 04.06.2012, 18:07 Uhr

Europa

Update: 05.06.2012, 08:55 Uhr

Großbritannien

"Wir sind keine Nationalisten"




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Von Walter Hämmerle

  • Goodbye Scotland?
  • 2014 sollen Schotten über ihre Unabhängigkeit entscheiden.
  • SNP-Mastermind Angus Robertson im Interview zur Unabhängigkeitskampagne.

Ein Kraftakt steht der Schottischen Nationalpartei bevor: Derzeit tendiert eine Mehrheit für den Verbleib bei Großbritannien; im Regionalparlament allerdings regiert die SNP mit absoluter Mehrheit.

Ein Kraftakt steht der Schottischen Nationalpartei bevor: Derzeit tendiert eine Mehrheit für den Verbleib bei Großbritannien; im Regionalparlament allerdings regiert die SNP mit absoluter Mehrheit.© EPA Ein Kraftakt steht der Schottischen Nationalpartei bevor: Derzeit tendiert eine Mehrheit für den Verbleib bei Großbritannien; im Regionalparlament allerdings regiert die SNP mit absoluter Mehrheit.© EPA

"Wiener Zeitung":Sollte ein guter Schotte eigentlich nicht derzeit in London sein, um der Queen zum 60. Thronjubiläum zuzujubeln?

Angus Robertson: Natürlich gratuliere ich gerne Queen Elizabeth I von Schottland zu ihren Leistungen für die Gemeinschaft der 16 Commonwealth-Staaten, denen sie als Staatsoberhaupt vorsteht. Genauso wichtig ist aber auch meine Teilnahme an der Föderalismus-Konferenz in Wien, schließlich wird Schottland 2014 in einem Referendum über seine Unabhängigkeit von Großbritannien abstimmen.


Welche Argumente sprechen für eine Unabhängigkeit Schottlands?


© © Ken Jack / Demotix/Demotix/Corbis © © Ken Jack / Demotix/Demotix/Corbis

Käme ich aus Dänemark, würden Sie mir diese Frage gar nicht stellen. Schottland ist, was die Fläche angeht, gleich groß wie Österreich und entspricht in punkto Einwohnerzahl Dänemark, Finnland, Norwegen oder der Slowakei. Deren Unabhängigkeit wird als Selbstverständlichkeit akzeptiert, warum gilt das nicht auch für Schottland? Es geht darum, dass alle wichtigen Fragen, die zu Hause gestellt werden können, auch tatsächlich zu Hause beantwortet werden. Das entspräche der Normalität, nur für Schottland gilt diese europäische Normalität nicht.

Was macht denn im 21. Jahrhundert eine Nation aus?

Nationale Identität hängt einzig und allein davon ab, ob die Menschen glauben, Teil einer eigenen Nation zu sein. Das ist kein Widerspruch zur Tatsache vielfältiger und überlappender Identitäten, auch in Schottland gibt es regionale Identitäten, und dennoch fühlen sich viele auch als Europäer. Schottland verfügt über eine eigene Fußball- und Rugby-Nationalmannschaft, wir haben eigene Kirchen und sogar eigene Pfundnoten; es gibt keinen Zweifel, dass Schottland eine eigene Nation ist.

Von Expertenseite heißt es, die Ära des Nationalstaats sei passé, die wichtigen Entscheidungen würden längst in Brüssel fallen. Was bedeutet dieses Streben nach nationaler Souveränität für die Zukunft der europäischen Integration?

Wichtig ist, dass sämtliche Entscheidungen demokratisch getroffen werden. Das muss - auf allen Ebenen - sichergestellt sein. Was das angeht, erlebt Europa aufgrund der Schuldenkrise in Südeuropa schwere Zeiten, sowohl Griechenland als auch Italien haben derzeit Regierungen, die von niemandem gewählt worden sind.

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Dokument erstellt am 2012-06-04 18:15:18
Letzte Änderung am 2012-06-05 08:55:47


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