• vom 19.07.2012, 15:51 Uhr

Europa

Update: 19.07.2012, 18:55 Uhr

Rumänien

Plagiatsvorwürfe gegen Premier Ponta bekräftigt




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  • Dissertation des Regierungschefs Thema im rumänischen Machtkampf
  • Regierungschef spricht von einem politischen Racheakt Basescus.

Rumäniens Premier Victor Ponta gerät wegen seiner Dissertation in Bedrängnis. - © EPA

Rumäniens Premier Victor Ponta gerät wegen seiner Dissertation in Bedrängnis. © EPA

Bukarest. Im Machtkampf zwischen dem suspendierten rumänischen Präsidenten Traian Basescu und Premierminister Victor Ponta gerät der Regierungschef jetzt wegen seiner Dissertation in Bedrängnis, mit der er im Jahr 2003 "summa cum laude" promoviert hatte. Die Ethikkommission der Universität Bukarest habe einstimmig entschieden, dass Ponta mit seiner rechtswissenschaftlichen Dissertation geistigen Diebstahl begangen habe, berichtete die Tageszeitung "Romania Libera" unter Berufung auf Quellen innerhalb der Universität.


Derzeit liegt noch keine offizielle Stellungnahme der Universität vor. Bescheide der Rechtskommission und eine Bewilligung des Universitätssenats, an dessen Spitze ein Unterstützer Pontas steht, fehlen noch.

Erste Hinweise auf Pontas Plagiat waren Mitte Juni von der US-amerikanischen "Nature" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" veröffentlicht worden.

Ponta denkt nicht an Rücktritt
Ponta wies die Plagiatsvorwürfe entschieden zurück und sprach von einem politischen Racheakt, den sein Erzrivale Traian Basescu initiiert habe. Ponta will auch weder auf seinen Doktortitel verzichten noch als Premier zurücktreten. Er argumentiert, dass er die Quellen zwar nicht direkt im Textteil angegeben habe, wohl aber im allgemeinen Verzeichnis der verwendeten Literatur.

Bereits Anfang Juli hatte die Nationale Kommission für die Anerkennung akademischer Titel in Pontas Dissertation ein Plagiat geortet, obwohl das Unterrichtsministerium wenige Stunden vor dem Urteilsspruch versucht hatte, die Kommission, die sich mit der Frage beschäftigte, aufzulösen.

Unter anderem soll Ponta in seiner Arbeit über den Internationalen Strafgerichtshof von zwei rumänischen Rechtswissenschaftlern abgeschrieben haben, die seine eigenen Professoren waren. Einer von ihnen verfasste sogar ein lobendes Vorwort zur Buchausgabe von Pontas Arbeit. Doktorvater Pontas war der damalige PSD-Parteichef und Premier Adrian Nastase, der im Juni im größten Korruptionsprozess des demokratischen Rumänien zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt wurde.

Unterdessen erklärte die Nationale Behörde für wissenschaftliche Forschung, dass einzig und allein der Nationale Ethikrat (CNE) im Fall Ponta rechtliche Befugnisse habe. Dieser Rat allein sei für ethische Vergehen von Politikern zuständig.

Der CNE sollte auch im Fall des PSD-Unterrichtsministers Ioan Mang, der im Mai wegen sich häufender Plagiatsvorwürfe wenige Tage nach seiner Ernennung zurücktreten musste, ein Urteil sprechen. Kurz vor dem Urteil ließ der damalige Unterrichtsminister Liviu Pop (PSD) die Mitglieder des CNE aber komplett gegen PSD-Vertraute austauschen und dessen Statuten ändern. Seither konnte der CNE nicht tagen, weil der Präsident und ein Mitglied zurückgetreten sind. Dennoch entschied eine "technische Vorkommission" der CNE, die ebenfalls aus Ponta-Vertrauten besteht, dass im Fall Mang kein Plagiat vorliege: "Eine authentische wissenschaftliche Arbeit stützt sich auf frühere Arbeiten", argumentierte eines der Kommissionsmitglieder.




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Dokument erstellt am 2012-07-19 15:56:09
Letzte Änderung am 2012-07-19 18:55:29


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