• vom 06.01.2019, 14:39 Uhr

Europachronik

Update: 06.01.2019, 14:41 Uhr

Flüchtlinge

Papst appelliert an EU-Spitzen




  • Artikel
  • Kommentare (9)
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA/dpa

  • Weiter keine Lösung für die deutschen Rettungsschiffe vor Malta.

Die "Sea Watch" darf sich vor Maltas Küste aufhalten, aber keinen Hafen anlaufen.  - © APAweb / Federico Scoppa, AFP

Die "Sea Watch" darf sich vor Maltas Küste aufhalten, aber keinen Hafen anlaufen.  © APAweb / Federico Scoppa, AFP

Rom. Ohne Aussicht auf einen sicheren Hafen harren zwei deutsche Hilfsorganisationen weiter mit geretteten Migranten an Bord ihrer Schiffe im Mittelmeer aus. Malta und Italien rückten auch am Sonntag nicht von ihrer Linie ab und verwehrten weiter die Einfahrt in ihre Häfen. Dies rief Papst Franziskus auf den Plan, der die EU-Spitzen aufrief, "konkrete Solidarität" mit den 49 Menschen zu zeigen.

"Seit ziemlich vielen Tagen befinden sich 49 im Mittelmeer gerettete Personen an Bord zweier NGO-Schiffe", sagte Franziskus am Dreikönigstag nach dem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz. "Ich richte einen betrübten Appell an die europäischen Staats- und Regierungschefs, dass sie konkrete Solidarität zeigen im Umgang mit diesen Menschen."

"Das Land ist zum Greifen nah", sagte der Sprecher der Organisation Sea-Watch, Ruben Neugebauer, am Wochenende. Die Schiffe von Sea-Watch und Sea-Eye befinden vor der maltesischen Küste, doch anlegen dürfen sie dort nicht. Die 32 Menschen an Bord der "Sea-Watch 3" wurden bereits am 22. Dezember gerettet. Weihnachten verging, Silvester verging. Die Europäische Union habe die Geretteten in "Geiselhaft" genommen, sagte Neugebauer.

Ein Sprecher des deutschen Innenministeriums sagte am Samstag in Berlin, man sei zur Aufnahme der Menschen bereit - allerdings im Rahmen einer "breiten europäischen Verteillösung". Brüssel setzte auch am Wochenende "intensive Kontakte" mit Mitgliedstaaten fort.

Mehrere Städte, darunter Neapel und das deutsche Marburg, hatten sich zuvor zur Aufnahme der Migranten bereit erklärt. Der sozialdemokratische Bürgermeister Marburgs, Thomas Spies, forderte den deutschen Innenminister Horst Seehofer auf, die 32 Menschen der "Sea-Watch" der Stadt Marburg "zuweisen zu lassen". Spies verwies auf das "geltende Recht", wonach Menschen, die in Seenot geraten seien, gerettet werden müssten, "egal aus welchen Gründen sie auf dem Meer sind".

Es ist nicht das erste Mal, dass Rettungsschiffe auf dem Meer blockiert sind, während die EU-Mitgliedstaaten um eine Lösung für die Menschen ringen. Seit Antritt der populistischen Regierung in Italien im Sommer sind die dortigen Häfen de facto dicht für die Schiffe der Hilfsorganisationen. Der rechte Innenminister Matteo Salvini verteidigte seinen Kurs: "Italien ist viel zu lange ein offener Hafen gewesen, während Europa auf die Migranten gepfiffen hat und uns ausgelacht hat. Jetzt reicht es", sagte der Vize-Premier der Tageszeitung "Il Messaggero" (Sonntag).

Zuvor hatte der andere stellvertretende Regierungschef, Luigi Di Maio, eine etwas andere Botschaft gesandt. Italien werde Kinder und deren Mütter von den Schiffen aufnehmen, wenn Malta die Schiffe anlanden lasse. Er wies allerdings zurück, Salvini damit übergangen zu haben. "Ich bin einverstanden mit der harten Linie: Wir können uns nicht alleine der Probleme der Europäischen Union in Hinblick auf die Migranten annehmen", sagte er dem "Corriere della Sera".

An Bord ist die Lage nach Angaben von Sea-Watch mittlerweile sehr angespannt. Am Freitag kam es zu einem kritischen Zwischenfall: Ein Migrant sprang aus Verzweiflung ins Wasser, um nach Malta zu schwimmen. Er wurde gerettet und wieder an Bord genommen. Auf der "Professor Albrecht Penck" der Regensburger Organisation Sea-Eye warten weitere 17 Migranten auf die Erlaubnis zum Anlaufen eines Hafens.





Schlagwörter

Flüchtlinge, Papst, EU

9 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-06 14:39:41
Letzte Änderung am 2019-01-06 14:41:34



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Rache der alten Eliten
  2. "Offene Kriegserklärung" an die EU
  3. Auch Griechenland wechselt nun Verkehrstafeln aus
  4. Finanzminister empfehlen Philip Lane
  5. "Es war ein Freudenfest"
Meistkommentiert
  1. EU-Mitgliedschaft bedeutet Österreichern immer mehr
  2. Spanien vor der Machtprobe
  3. EuGH-Anwalt lehnt Österreich-Klage ab
  4. "Offene Kriegserklärung" an die EU
  5. "SPD will aus großer Koalition aussteigen"

Werbung




Werbung