• vom 09.06.2013, 17:02 Uhr

Europachronik

Update: 09.06.2013, 17:10 Uhr

Hochwasser

Flutwelle schockt Deutschland




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • 70.000 Feuerwehrleute und 11.000 Bundeswehrsoldaten im Einsatz
  • Rekordwasserstände in Norddeutschland erwartet.

Budapest/Magdeburg/Pragelato. Die Flutwelle der Elbe in Deutschland brach am Wochenende immer neue Rekorde und ließ die Deiche bersten. In Magdeburg mussten sich am Sonntag 23.000 Menschen vor den herannahenden Wassermassen in Sicherheit bringen. Auch die Stromversorgung in der Stadt war bedroht. Die gewaltige Flutwelle rollte nun auf Brandenburg und Norddeutschland zu. Und als wäre dies nicht schlimm genug: In Sachsen-Anhalt lösten Anschlagsdrohungen gegen Deiche zusätzlich Unruhe aus. Während in Tschechien die Aufräumungsarbeiten fortgesetzt wurden, kämpfte Ungarn mit dem Richtung Budapest schwappenden Rekord-Hochwasser der Donau.


Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck sprach den Hochwasser-Opfern sein Mitgefühl aus. Er besuchte am Sonntag Hochwassergebiete an der Saale und Elbe. In den betroffenen Gebieten Deutschlands stemmten sich weiterhin rund 70.000 Feuerwehrleute und 11.000 Bundeswehrsoldaten gegen die Flut. Der Deutsche Feuerwehrverbands-Präsident Hans-Peter Kröger drohte Katastrophentouristen damit, auch sie zur Mithilfe zu verpflichten. Mindestens sieben Menschen starben, mehrere werden vermisst.

Situation wird immer kritischer
In Sachen-Anhalt wurde vor allem in der Landeshauptstadt Magdeburg die Situation immer kritischer. Die Elbe erreichte dort Sonntagfrüh noch viel höhere Stände als erwartet, es wird Tage dauern, bis der Pegel deutlich sinkt. Rund 23.000 Bewohner in östlichen Stadtteilen sollten ihre Wohnungen verlassen. Einsatzkräfte kämpften um ein Umspannwerk, das für die Stromversorgung der Stadt wichtig ist. "Wir müssen auf alles gefasst sein", sagte Bürgermeister Lutz Trümper. Dramatisch zugespitzt hatte sich nach einem Dammbruch auch die Lage unweit von Barby, wo das Hochwasser der Saale auf das Hochwasser der Elbe prallte. Für Unruhe sorgte in Bitterfeld, wo 10.000 Menschen in ihre Wohnungen zurückkehren konnte, ein Drohscheiben, in dem Anschläge auf Deiche angedroht wurden.

In Nord-Brandenburg stand das Schlimmste noch bevor. In Wittenberge stand die Elbe am Sonntag mit 7,77 Metern schon knapp 35 Zentimeter höher als 2002. Am Dienstag werden 8,10 Meter erwartet. Riesige Polder wurden geöffnet, um den Wasserstand der Elbe zumindest etwas zu senken. Lautsprecherwagen der Polizei forderten die Einwohner auf, ihre Wohnungen zu verlassen. Den Einsatzkräften stehe ein tagelanger Kampf bevor, hieß es.

Rekordwasserstände in Norddeutschland erwartet

In Norddeutschland (Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern) hatte sich die Hoffnung zerschlagen, diesmal glimpflich davonzukommen. Am Mittwoch und Donnerstag sollen Rekord-Wasserstände erreicht werden. In Sachsen und in Bayern war das Schlimmste überstanden. Dort kämpfte man gegen die Schlammmassen. Um Deggendorf allein schätzte man die Schäden auf rund 500 Millionen Euro.

Ungarn kommt glimpflich davon

Das Rekord-Hochwasser der Donau hat am Wochenende Ungarn erreicht. Anders als zuletzt in Süddeutschland und in Österreich hielten sich aber die Schäden in Grenzen. In Ortschaften wie Veröce, Nagymaros und Szentendre, die unmittelbar an der Donau nördlich von Budapest liegen, standen einige Straßenzüge unter Wasser. Auch wurden dort Wochenendhäuser überschwemmt und etliche Keller geflutet. Personen kamen in Ungarn bisher nicht zu Schaden. 1.200 Menschen wurden in Sicherheit gebracht, teilte der Katastrophenschutz am Sonntag mit.

Die Scheitelwelle des Hochwassers erreichte am Sonntag das Donauknie, ein beliebtes Ausflugsgebiet nördlich von Budapest. In der ungarischen Hauptstadt wurde ein Pegelstand von 8,86 Metern gemessen. Damit stand das Wasser um 26 Zentimeter über dem bisherigen Höchststand im Jahr 2006. Der Spitzenwert wurde in Budapest für Sonntagabend erwartet: Dann soll das Wasser bei 8,95 Metern Tiefe erreichen. Bis zu einem Pegelstand von 9,30 Metern sollte in Budapest ein Schutz gegeben sein.

Aufräumarbeiten in Tschechien

Nach Überschwemmungen und Unwettern mit zehn Toten waren in Tschechien die Aufräumarbeiten angelaufen. In der Region um Prag und in Südböhmen an der Moldau schaufelten Betroffene und freiwillige Helfer am Wochenende Schlamm und entsorgten durchweichte Möbel, wie örtliche Medien berichteten. Im Elbtal bei Usti (Aussig) war es dafür bei einem Pegelstand von über sechs Metern noch zu früh. Die Behörden schickten angerückte Helfer wieder nach Hause. Tausende Menschen konnten nicht in ihre Wohnungen zurückkehren.




Schlagwörter

Hochwasser, Deutschland, Ungarn

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-06-09 17:02:30
Letzte Änderung am 2013-06-09 17:10:26


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Brexit-Rebellen meutern
  2. Im Alleingang kein Aufschwung möglich
  3. Estnische Regierung gegen UNO-Migrationspakt
  4. DUP fordert Ablösung Mays
  5. May: "Ich werde das durchziehen"
Meistkommentiert
  1. Merkel warnt vor Rückkehr des Nationalismus
  2. AfD gerät unter Druck
  3. Innenministerium bereitet Entlassung Maaßens vor
  4. Bundestagsverwaltung nimmt AfD-Parteispenden unter die Lupe
  5. Macrons europäische Friedensfeier

Werbung




Werbung