• vom 25.03.2016, 07:50 Uhr

Europachronik

Update: 25.03.2016, 14:25 Uhr

Brüssel-Terror

Terrorverdächtige in Belgien und Deutschland verhaftet




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Von WZ Online, APA, dpa, Reuters, AFP

  • In Brüssel wurden sieben Verdächtige festgenommen, in Deutschland laut "Spiegel" zwei.
  • Der belgischen Polizei wird vorgeworfen, wichtige Informationen zurückgehalten zu haben.

Berlin/Brüssel. Nach den Anschlägen in Brüssel sind in Deutschland einem unbestätigten Medienbericht zufolge zwei Männer festgenommen worden. Im Raum Düsseldorf habe ein Spezialeinsatzkommando der Polizei einen Salafisten festgenommen, berichtet das Magazin "Der Spiegel" ohne Angaben von Quellen vorab. Der Mann sei ebenso wie der mutmaßliche Brüsseler U-Bahn-Attentäter Khalid El Bakraoui im Sommer 2015 im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien aufgegriffen worden. Die türkischen Behörden hätten beide verdächtigt, sich auf der Seite der Islamisten am syrischen Bürgerkrieg beteiligt zu haben oder beteiligen zu wollen. Sie seien beide nach Amsterdam abgeschoben worden, wo ihre Reise begonnen habe. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf war am Freitag für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Dem "Spiegel"-Bericht zufolge wurde am Mittwochabend im Großraum Gießen ein Mann aufgegriffen, der auf seinem Telefon zwei verdächtige SMS-Kurznachrichten vom Tag der Anschläge in Brüssel auf dem Telefon gehabt habe. Die Ermittler gingen der Frage nach, ob der Mann zum Umfeld der Attentäter gehört haben könnte.

Sieben Verdächtige in Brüssel gefahndet

In Brüssel hat die Polizei bei mehreren Razzien sieben Verdächtige festgenommen. Im Laufe des Freitags solle entschieden werden, ob gegen die Verdächtigen Haftbefehl erlassen werde. Drei davon seien "direkt vor unserer Tür" festgenommen worden, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Brüssel mit. Ob unter ihnen noch flüchtige Komplizen der Attentäter waren, war zunächst unklar. Über die Identität der Festgenommenen wurde zunächst nichts bekannt. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, sich erst im Laufe des Tages zu Details zu äußern.

Die Staatsanwaltschaft teilte weiter mit, die Verdächtigen seien in den Vierteln Schaerbeek im Norden, Jette im Westen sowie im Stadtzentrum gestellt worden. Wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete, waren Spezialkräfte und ein Hubschrauber der Polizei im Einsatz. Die Fahnder nahmen drei Verdächtige fest, die in einem Auto in unmittelbarer Nähe des Gebäudes der Staatsanwaltschaft im Stadtzentrum unterwegs waren.

Bei einer früheren Durchsuchung im Bezirk Schaerbeek hatte die Polizei nach den Anschlägen vom Dienstag mit mindestens 31 Toten in einer Wohnung eine Bombenwerkstatt gefunden. Dort sollen Terrorverdächtige Sprengsätze gebaut haben.

Belgische Behörden unter Kritik

Bei den Anschlägen waren am Dienstag auch 300 weitere Menschen verletzt worden. Drei der Attentäter, die sich am Flughafen und in einer U-Bahnstation in die Luft gesprengt hatten, sind mittlerweile identifiziert. Nach mindestens zwei weiteren Tätern, die auf Überwachungskameras zu sehen waren, wurde noch gefahndet.

Die belgischen Sicherheitsbehörden stehen schon seit den Pariser Anschlägen vom November massiv in der Kritik, weil diese in Belgien vorbereitet wurden. Mehrere belgische Medien spekulierten, dass das Land einer noch größeren Katastrophe entgangen sein könnte. Möglicherweise seien Anschläge nach Pariser Vorbild geplant gewesen, wo im November 130 Menschen getötet wurden.

Polizei hatte Abdeslams Adresse seit Dezember

Die belgische Zeitung "La Derniere Heure" berichtet außerdem, dass der Unterschlupf des am 18. März im Brüsseler Stadtteil Molenbeek verhafteten Top-Terrorverdächtigen Salah Abdeslam der Polizei seit 7. Dezember bekannt war. Aus einem vertraulichen Bericht an die Antiterrorzelle der Kriminalpolizei von Brüssel geht nach Angaben der Zeitung hervor, dass ein Polizist aus Mechelen seit dem 7. Dezember im Besitz der Adresse Rue des Quatre Vents 79 in Molenbeek war, wo Abdeslam Freitag vergangene Woche verhaftet wurde. Der vertrauliche Bericht sei nicht übergeben worden, er sei drei Monate von der Polizei in Mechelen zurückgehalten worden.

Der Polizist in Mechelen wurde demnach von einem Kollegen über das Versteck Abdeslams informiert, der zu dem Zeitpunkt im Krankenstand war. Dieser habe aus der Gemeinde in Molenbeek erfahren, dass der Sohn eines gewissen D'Jamilla Mohamed, Abid, viele Kontakt mit Abdeslam habe. Der Bericht führe an, dass der junge Mann mit einem schwarzen Citroen fahre und in der Rue des Quatre Vents 79 wohne.

Nach den Terroranschlägen in Paris vom 13. November mit 130 Toten galt Abdeslam als einer der meist gesuchten Terrorverdächtigen weltweit. Zwischen den Attentätern von Paris und den Urhebern der Terroranschläge vom Dienstag in Brüssel mit mehr als 30 Toten gab es enge Verbindungen.





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Dokument erstellt am 2016-03-25 07:52:00
Letzte Änderung am 2016-03-25 14:25:50



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