• vom 12.05.2018, 09:08 Uhr

Europachronik

Update: 17.05.2018, 16:57 Uhr

Schlaglöcher

Römische Mondlandschaften




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Von WZ-Korrespondent Julius Müller-Meiningen

  • Zehntausende Schlaglöcher prägen das Stadtbild in der italienischen Hauptstadt und sind Gesprächsthema Nummer eins der Bürger.


© Max Intrisano © Max Intrisano

Rom. Man sollte meinen, Rom sei eine Stadt, die am besten mit erhobenem Blick zu erleben sei. Die Grandezza des Kolosseums! Der Petersdom! Das Kapitol! Doch in der Praxis schmerzt dann der Rücken, der Knöchel ist blau und geschwollen. In der italienischen Hauptstadt sollte man den Blick vor allem auf den Boden lenken, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Denn Roms Straßen gleichen seit geraumer Zeit einer Mondlandschaft. Schuld daran sind die "buche", pizzagroße Schlaglöcher. Sie gehören inzwischen ebenso zum Stadtbild wie Touristen, Priester, Motorroller, Müll und Möwen.

Die Schlaglöcher sind in der Stadt seit Wochen Gesprächsthema Nummer eins und haben es jüngst sogar zu internationaler Berühmtheit gebracht. "Alle Straßen führen nach Rom", schrieb die "New York Times". "Aber wenn Sie ankommen, werden die bösen Straßen und die kaputten Gehsteige Ihre Reifen durchbohren, Ihre Achsen brechen, Ihre Bandscheiben malträtieren und, wie zuletzt, sogar Ihren SUV verschlucken." Was wie ein mittelalterlicher Folter-Katalog klingt, ist römische Realität.


250 städtische Busse gaben
seit Jahresbeginn den Geist auf

Die Schlaglöcher der Ewigen Stadt gibt es in Miniatur - sowie im Maximal-Format, im Zentrum ebenso wie in der Peripherie, und vor allem en masse. Von 50.000 Löchern im Straßenasphalt ist
die Rede. Wer sich morgens zur Arbeit aufmacht, bekommt dutzende der kleinen oder großen Löcher zu spüren. Sei es auf dem Moped, im Auto, im Bus oder einfach nur unter dem eigenen Schuhabsatz. Von "Emmentaler-Straßen" ist im Volksmund die Rede.

"Manche Straßen erinnern an die Rallye Dakar", schrieb neulich die Lokalzeitung "Il Messaggero". Wer nicht selbst in ein Schlagloch tritt oder von ihm bei der Durchfahrt durchgeschüttelt wird, der kann ihre verheerende Wirkung in den Lokalnachrichten nachverfolgen. 250 städtische Busse gaben seit Jahresbeginn bereits den Geist auf, wegen Reifenschäden oder Abnutzung der Radaufhängungen. Vor kurzem stauten sich an die 50 Pkws an einer Ausfallstraße im Norden der Stadt, alle mit Reifenpanne. Sie waren bei Platzregen hintereinander durch dasselbe, 40 Zentimeter tiefe Schlagloch gefahren.

Vor wenigen Wochen wurde im Süden der italienischen Kapitale eine Geländelimousine teilweise von einem überdimensionalen Erdloch verschluckt, auch das kommt vor. Dieser Vorfall unterscheidet sich von den tausenden kleinen Schlaglöchern im Asphalt, macht die Lage aber nicht besser. Dem römischen Institut für Umweltschutz und -forschung zufolge taten sich im heurigen Jahr bereits 43 derartige Erdlöcher auf. Dieses Phänomen sei dem löchrigen römischen Untergrund und insbesondere dem Abbau von Baumaterialien in früheren Zeiten geschuldet.

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Schlagwörter

Schlaglöcher, Rom, Buche, Korruption

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-11 18:03:44
Letzte Änderung am 2018-05-17 16:57:54


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