• vom 10.07.2018, 21:29 Uhr

Europachronik


China

China ließ kranke Witwe von Nobelpreisträger Liu Xiaobo ausreisen




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Deutschland als Reiseziel der Dichterin Liu Xia.

Peking. Die Dichterin Liu Xia, Witwe des chinesischen Friedensnobelpreis-Trägers Liu Xiaobo, hat China verlassen. Sie sei "aus freien Stücken zur medizinischen Behandlung nach Deutschland gegangen", sagte eine chinesische Außenamtssprecherin am Dienstag. Die Freilassung der Künstlerin wurde als "lange überfällige humanitäre Geste" international begrüßt.

Ihr Bruder Liu Hui gab die Nachricht, dass seine Schwester "ein neues Leben beginnt", über das soziale Netzwerk WeChat bekannt. "Dank an alle, die sich über all die Jahre gekümmert und ihr geholfen haben", schrieb er. "Wir wünschen ihr Frieden und ein glückliches Leben in der Zukunft." Die Ausreise erfolgte nur drei Tage vor dem ersten Jahrestag des Todes von Liu Xiaobo, der am 13. Juli 2017 in Haft an Leberkrebs gestorben war. Als erstem Chinesen war dem Bürgerrechtler 2010 der Friedensnobelpreis für "seinen langen und gewaltlosen Kampf für fundamentale Menschenrechte" verliehen worden.


Liebeserklärung vor Gericht
Die Liebe der beiden war intensiv. Als Liu Xiaobo 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" für elf Jahre ins Gefängnis gesteckt wurde, machte er seiner Frau vor den Richtern eine Liebeserklärung: "Deine Liebe ist das Sonnenlicht, das über hohe Mauern springt und die Gitterstäbe meines Gefängnisfensters durchdringt, jeden Zentimeter meiner Haut streichelt, jede Zelle meines Körpers wärmt und mir erlaubt, immer Frieden, Offenheit und Helligkeit in meinem Herzen zu bewahren, und jede Minute meiner Zeit in Haft mit Bedeutung erfüllt."

Liu Xia stand seit der Verleihung des Preises an ihren Mann unter Hausarrest. Die Fotografin und Dichterin leidet unter schweren Depressionen, wie ihre Freunde berichten. Sie nehme starke Medikamente dagegen, die aber Halluzinationen auslösten.

Am Montag hatte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Ministerpräsident Li Keqiang im Rahmen der Deutsch-Chinesischen Regierungskonsultationen in Berlin empfangen. Die chinesische Außenamtssprecherin Hua Chunying stellte in Abrede, dass die Freilassung im Zusammenhang damit stehe. Doch hatte sich Merkel wiederholt für die Ausreise von Liu Xia eingesetzt.

Diese wurde ihrem Bruder verwehrt. Nach Angaben ihrer Freunde wird Liu Hui als "Geisel" zurückgehalten. Die Staatssicherheit wolle Liu Xia damit auch im Ausland zum Schweigen bringen, sagte der Bürgerrechtler Hu Jia.




Schlagwörter

China, Liu Xia, Literatur

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-10 17:31:50


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. EuGH kippt Mindestsicherung in Oberösterreich
  2. "Der Maidan ist für mich magisch, schrecklich und schön zugleich"
  3. Spanien droht wegen Gibraltar mit einem "Nein"
  4. EU-Kommission empfiehlt Defizitverfahren
  5. Ungarn gewährt Mazedoniens Ex-Premier Asyl
Meistkommentiert
  1. AfD gerät unter Druck
  2. Bundestagsverwaltung nimmt AfD-Parteispenden unter die Lupe
  3. "Der Maidan ist für mich magisch, schrecklich und schön zugleich"
  4. Macrons europäische Friedensfeier
  5. Estnische Regierung gegen UNO-Migrationspakt

Werbung




Werbung