• vom 28.07.2018, 08:00 Uhr

Europachronik


Ökologie

Traumstrände in Gefahr




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Von Andreas Pigl

  • Den Stränden geht der Sand aus. Ohne menschliche Hilfe wären viele schon lange verschwunden.

Künstlich erzeugte Pracht durch Aufschüttungen: Der Strand von Miami Beach. - © Wasin Pummarin/f11photo/stock.adobe.com

Künstlich erzeugte Pracht durch Aufschüttungen: Der Strand von Miami Beach. © Wasin Pummarin/f11photo/stock.adobe.com



Wien. Was wäre Miami ohne Strand? Miami Beach ist einer der beliebtesten Urlaubsdestinationen in den USA. Filmstars und Touristen aus aller Welt kommen hierher, um ihre Auszeit zu genießen und sich auf dem traumhaften weißen Strand vor dem türkisblauen Meer zu entspannen. Doch was die wenigsten wissen: Der Sand, auf dem sie liegen, wurde nicht von der Natur, sondern von Menschenhand hergebracht. Der Strand wird schon seit den 80er Jahren regelmäßig mit Tonnen von neuem Sand beschüttet, ansonsten wäre er bereits gänzlich verschwunden. Und mit ihm vermutlich all die Touristen, Sommerpartys und der Lifestyle von Miami.

Damit ist Miami Beach jedoch nicht alleine. Ob in Copacabana in Rio de Janeiro, Waikiki in Hawaii, Mallorca oder Italien - der Großteil der weltweiten Traumstrände wird schon lange künstlich am Leben erhalten. Doch warum verschwindet der Sand von unseren Stränden?


Mensch kappt Sand-Nachschub
Experten schätzen, dass zwischen 75 und 90 Prozent der natürlichen Strände am Verschwinden sind. Die Gründe dafür sind vielseitig. Einerseits ist die Verschiebung von Stränden seit jeher Teil der natürlichen Entwicklung. Stürme, Erosionen und der steigende Meeresspiegel verlagerten schon seit Jahrhunderten die Lage der Strände. Doch durch den Einfluss des Menschen hat sich diese Verlagerung nochmals deutlich beschleunigt.

Vor allem ist der Mensch dafür verantwortlich, dass den Stränden der natürliche Nachschub an Sand abgeschnitten wurde. Bis ein Sandkorn an den Strand gelangt, hat es nämlich schon eine sehr lange Reise zurückgelegt. Sand entsteht großteils in den Bergen. Bäche reißen verwittertes Gestein mit, das Wasser mahlt es dann langsam zu feinen Körnern. Schätzungsweise eine Milliarde Sandkörner entstehen auf diese Art jede Sekunde. Der feinste Sand landet im Fluss-Delta und im Meer, wo es schließlich oft Jahrhunderte braucht, bis er an den Strand gespült wird. Doch heute transportieren viele Flüsse nur noch einen Bruchteil der Sedimente von früher.

Die Rhone in Frankreich und der Ebro in Spanien etwa tragen heute nicht einmal fünf Prozent der Sedimente wie noch 1950. Gründe dafür sind etwa Wehre und Staudämme, die den Sand aufhalten und verhindern, dass er sich absetzen kann. Auch Kanäle und von Beton eingefasste Flüsse sorgen für veränderte Meeresströmungen und somit dafür, dass der Sand nicht mehr am selben Ort landet wie früher.

Der Nachschub wird aber auch auf vielfältige andere Art unterbrochen. Im Badeort Venice in Florida, eine dreistündige Autofahrt von Miami entfernt, wurde in das Meer eine hundert Meter lange Betonmauer gesetzt, die verhindern sollte, dass der Sand die Kanäle der Stadt verstopft. Nun kommt zwar kein Sand mehr in die Kanäle. Es kommt aber auch kaum noch Sand an den für den Tourismus so wichtigen Strand.

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Dokument erstellt am 2018-07-27 16:41:21


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