• vom 07.08.2018, 13:30 Uhr

Europachronik

Update: 07.08.2018, 13:48 Uhr

Ausbeutung

16 Saisonarbeiter in Italien gestorben




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Von WZ Online, APA

  • Die Unglückfälle stellen die Migrantenausbeutung in der Landwirtschaft erneut in den Mittelpunkt. Rom will die Kontrollen erhöhen.

Zwölf Migranten wurden in der Nähe von Foggia, im Süden Italiens, bei einem Verkehrsunfall getötet. Sie waren auf dem Weg zur Feldarbeit, als ihr Kleinbus mit einem Lkw kollidierte. - © APAweb / AFP, Controluce

Zwölf Migranten wurden in der Nähe von Foggia, im Süden Italiens, bei einem Verkehrsunfall getötet. Sie waren auf dem Weg zur Feldarbeit, als ihr Kleinbus mit einem Lkw kollidierte. © APAweb / AFP, Controluce

Rom. 16 Tote und sieben Verletzte, das ist die Bilanz zweier Verkehrsunfälle in der süditalienischen Provinz Foggia, bei denen innerhalb von drei Tagen afrikanische Saisonarbeiter verunglückt sind. Diese waren auf dem Rückweg von den Gemüsefeldern. Die Unglücksfälle stellen einmal mehr das Thema der Migrantenausbeutung in der Landwirtschaft in den Mittelpunkt.

Die Staatsanwaltschaft von Foggia leitete Ermittlungen ein, um festzustellen, ob die verunglückten Saisonarbeiter von der lokalen Mafia ausgebeutet wurden. Die Staatsanwälte wollen klären, welche Landwirtschaftsunternehmen die Saisonarbeiter eingesetzt hatten. Die Migranten fuhren in einem veralteten Kleinbus, der gegen einen Lkw prallte.

In Baracken untergebracht, der Mafia ausgesetzt

Unter sengender Sonne arbeiten in Süden jeden Sommer Tausende Arbeitskräfte aus verschiedenen afrikanischen Staaten sowie aus Polen, Bulgarien und Rumänien. Häufig sind sie in Baracken untergebracht und dem Einfluss der Mafia ausgesetzt. Gewerkschaften und Vereinigungen zur Unterstützung der Arbeiter verlangen seit Jahren ein System öffentlicher Verkehrsmittel in der Haupterntesaison. Auf einer Versammlung am Sonntag hatten Dutzende afrikanische Erntearbeiter beschlossen, am Mittwoch in den Streik zu treten.

Gewerkschaften schlagen wegen des "Caporalato" Alarm, wie die Ausbeutung von Schwarzarbeitern auf den Feldern in Italien genannt wird. Sie forderten ein Treffen mit Premier Giuseppe Conte. Innenminister Matteo Salvini veranstaltete am Dienstag ein Treffen des lokalen Komitees für die öffentliche Sicherheit mit den Polizeichefs der Provinz.

Höhere Haftstrafen für Ausbeutung, aber kaum Kontrollen

"Caporalato" ist vor allem in den süditalienischen Regionen verbreitet. Ausländische Arbeitskräfte werden wie Sklaven in der Landwirtschaft eingesetzt und auch so behandelt. Zuletzt sind zwar die Strafen für die Ausbeutung von Schwarzarbeitern auf den Feldern auf bis zu sechs Jahre Haft erhöht worden. Die Kontrollen seien sind aber unzulänglich, kritisieren die Gewerkschaften.

Arbeitsminister Luigi Di Maio kündigte mehr Überprüfungen der Landwirtschaft an. Die Zahl der Arbeitsinspektoren soll aufgestockt werden. "Tragödien dieser Art erinnern uns, dass die Lebensbedingungen der Arbeiter auf den Feldern unannehmbar sind. Diese Plage muss bekämpft werden", forderte der Präsident der Abgeordnetenkammer Roberto Fico.





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Dokument erstellt am 2018-08-07 13:39:39
Letzte Änderung am 2018-08-07 13:48:33


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