• vom 21.08.2018, 17:52 Uhr

Europachronik

Update: 22.08.2018, 08:08 Uhr

Masern

Rückkehr einer Volkskrankheit




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  • Die Zahl der Masern-Erkrankungen stieg in Europa im ersten Halbjahr 2018 stark an.



Kopenhagen/Wien. (leg/apa) Es beginnt mit ein paar Tröpfchen. Tröpfchen, die sich beim Sprechen, Niesen oder Husten bilden und die leicht und schnell übertragen werden können. Dann dauert es in der Regel acht bis zehn Tage, bis es zu den typischen Erkältungssymptomen wie Husten oder Schnupfen kommt. Nach ein paar weiteren Tagen zeigt sich der für die Krankheit Masern typische Hautausschlag, bräunlich-rosafarbene Flecken, die später wieder abheilen - "unter Bildung kleieartiger Schuppen", wie das Gesundheitsministerium mitteilt.

Masern gilt bei vielen immer noch als harmlos. Doch die Krankheit, die so viele in der Kindheit selbst durchgestanden haben, hat ihre Tücken. Zunächst einmal ist sie die ansteckendste Krankheit, die bekannt ist. Kommt man mit einem Infizierten in Kontakt und ist man nicht geimpft oder dadurch geschützt, dass man die Krankheit schon hatte, so steckt man sich zu mehr als 99 Prozent an. Außerdem kann die Infektion böse enden: In einem von 1000 Fällen gar mit den Tod, etwa wenn es zu einer Gehirnentzündung kommt - die auch sonst bleibende Schäden hinterlässt. Außerdem erleiden sieben bis neun Prozent der Erkrankten eine Mittelohrentzündung mit drohenden Gehörschäden oder ein bis sechs Prozent eine schwere Lungenentzündung.


Viele Kranke in der Ukraine
Verschwunden aus Europa ist die Krankheit, gegen deren Ausbreitung die Weltgesundheitsorganisation WHO kämpft, jedenfalls nicht. Im Gegenteil, wie die Zahlen der vergangenen Jahre belegen. Masern ist auf dem Vormarsch. Die Zahl der Erkrankungen ist in Europa stark angestiegen. Mehr als 41.000 Kinder und Erwachsene haben sich in ersten Halbjahr 2018 in Europa mit dem Virus angesteckt, teilte die WHO in Kopenhagen mit. Mindestens 37 Menschen, hieß es, seien an der Krankheit gestorben.

Das sind deutlich mehr als im gesamten Jahr 2017. Da waren in der WHO-Region Europa nur 23.924 Menschen an dem Virus erkrankt. Und diese Zahl hatte im Vorjahr ohnedies Aufsehen erregt. Die WHO hatte damals von einer Tragödie gesprochen. Denn ein Jahr davor, im Jahr 2016, gab es nur 5273 Krankheitsfälle. Das war die niedrigste Zahl an Masern-Krankheitsfällen. Sie nährte in der WHO die Hoffnung, dass es gelingen könnte, den Virus zum Verschwinden zu bringen.

Dieser Optimismus ist nunmehr verflogen. Zsuzsanna Jakab, die WHO-Regionaldirektorin in Europa, spricht von einem "dramatischen Anstieg von Infektionen und ausgedehnten Ausbrüchen". Tatsächlich hatten sich allein in der Ukraine im ersten halben Jahr 23.000 Menschen mit dem Virus angesteckt. In sechs weiteren Ländern - Frankreich, Georgien, Griechenland, Italien, Russland und Serbien - gab es mehr als 1000 Krankheitsfälle. 37 Menschen sind gestorben, die meisten von ihnen in Serbien, wo die Ansteckungsrate am höchsten ist. Auch in Rumänien, Italien oder Frankreich gab es viele Erkrankte.

Jakab schlägt nun Alarm und fordert die 53 Mitgliedstaaten der WHO-Region Europa - die über Europa hinausgeht und selbst asiatische Staaten wie Kirgisistan umfasst - auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die weitere Ausbreitung der Krankheit zu stoppen. Das Universalrezept der Gesundheitsbürokratie lautet dabei: Impfen. "Gute Gesundheit für alle beginnt mit der Impfung", erklärte Jakab in Kopenhagen.

Denn der Grund, warum beispielsweise in der Ukraine derzeit besonders gehäuft Krankheitsfälle auftreten - mehr als die Hälfte der Masern-Fälle haben sich in dem Land ereignet -, liegt laut Jakab am mangelnden Impfen. Im Zuge des Ukraine-Konflikts seien Routinen für Impfung und Überwachung unterbrochen worden. In Italien wiederum hat die neue Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und Lega, einem Wahlversprechen folgend, die vor einem Jahr eingeführte Impfpflicht für zehn Immunisierungen, die vielversprechend begonnen hatte, wieder gekippt. Impfbefürworter führen an, dass eine flächendeckende Durchimpfung der Bevölkerung die Krankheit zum Verschwinden bringen kann - und dass dieses Ziel durch Impfgegner verhindert wird.

In Österreich wurden in ersten Halbjahr 2018 nach WHO-Angaben 62 Masern-Fälle gemeldet. Im gesamten Jahr 2017 waren 95 Fälle registriert worden.




Schlagwörter

Masern, WHO, Krankheit, Europa

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Dokument erstellt am 2018-08-21 18:02:44
Letzte Änderung am 2018-08-22 08:08:10


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