• vom 09.10.2018, 17:15 Uhr

Europachronik

Update: 09.10.2018, 17:35 Uhr

Schiffsunglück

Frachtverkehr gefährdet Wale




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Von WZ Online (ja)

  • Der Zusammenstoß fand in einem Schutzgebiet statt.

Die verkeilten Schiffe. - © Sanctuaire Pelagos / apaWeb / Reuters

Die verkeilten Schiffe. © Sanctuaire Pelagos / apaWeb / Reuters

Nach dem Zusammenstoß zweier Frachtschiffe vor Korsika und dem Austritt von Treibstoff weisen Umweltschützer auf die Bedrohung von Walen und Delfinen hin. Italienische und französische Kräfte sind vor Ort. Die Staatsanwaltschaft von Marseille ermittelt wegen Umweltverschmutzung durch einen Schiffsunfall.

Der genaue Hergang des Unfalls, der sich rund 28 Kilometer nordwestlich von Korsika bei guten Sicherverhältnissen ereignete, ist noch nicht bekannt. Feststeht, dass am Sonntagmorgen ein tunesischer Frachter bei gutem Wetter auf der Fahrt von Genua nach Tunis ein zypriotisches Containerschiff rammte. In der Folge liefen etwa 600 Tonnen Treibstoff aus, die nun einen ein 20 Kilometer langen Ölteppich von 300 bis 400 Metern Breite bilden. Französische und italienische Einsatzkräfte haben mit Säuberungsarbeiten begonnen. Laut dem französischen Umweltminister Francois de Rugy bewegt sich das Öl von der Insel fort. Die bekannten Mittelmeerstrände dürften somit nicht gefährdet sein.

Was für den Tourismus eine gute Nachricht ist, beruhigt Umweltschützer keineswegs. Der aktuelle Ölteppich kann die Haut der Wale schädigen und belastet das Plankton, das am Anfang der Nahrungskette steht, aber auch die Nahrung von Bartenwalen und Finnwalen darstellt.

Der WWF (World Wide Fund For Nature) weist darauf hin, dass sich das Unglück im Meeresschutzgebiet Pelagos (griechisch für das offene Meer) ereignete. Das 87.500 km2 Schutzgebiet ist nicht nur ausgesprochen artenreich, sondern auch einzige Walschutzgebiet des Mittelmeers. Der Schutz besteht jedoch nur auf dem Papier. Für den WWF-Meeresbiologen Axel Hein ist der Unfall eine logische Folge der kommerziellen Nutzung des Gebiets, das "einer Autobahn für Schiffe gleicht". Hein nennt den intensiven Schiffsverkehr durch Frachter und Fährlinien eine ständige Bedrohung für Meeressäuger. "Jedes Jahr sterben hier größere Wale nach Kollisionen mit Schiffen."

Dementsprechend fordert er dringend Schutzgebiete, die den Namen verdienen und Zufluchtsort für Nahrungsaufnahme, Rast und Fortpflanzung sind. "Wenn der menschliche Druck im Schutzgebiet genauso hoch ist wie außerhalb, können Wale nirgends ausweichen", so der Biologe.





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Dokument erstellt am 2018-10-09 17:29:19
Letzte Änderung am 2018-10-09 17:35:12


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