• vom 31.10.2018, 16:18 Uhr

Europachronik

Update: 01.11.2018, 10:56 Uhr

Frankreich

Kinder ohne Hände




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Von WZ Online / ja

  • In Frankreich wird die Häufung von Missbildungen bei Neugeborenen untersucht.

Ain

Ain© Tschubby - CC Ain© Tschubby - CC

Eine auffällige Häufung von Kindern, die ohne ohne Hände oder Arme geboren werden (Dysmelie), hat in Frankreich zur Beauftragung einer staatlichen Untersuchung geführt. Das auf einige Gebiete beschränkte Phänomen soll umfassend erhoben werden. Die Ergebnisse würden in rund drei Monaten veröffentlicht, sagte der Chef des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, François Bourdillon.

Die Zahl der bisher bekannt gewordenen Fälle von Babys mit derartigen Geburtsdefekten ist ziemlich niedrig. In den vergangenen 15 Jahren wurden 25 Fälle in der Bretagne sowie in den Départements Loire-Atlantique und Ain bekannt, wie aus einem Anfang Oktober von der Gesundheitsbehörde veröffentlichten Bericht hervorging. Dennoch lösten sie eine öffentliche Diskussion aus, da sie stets in begrenzten Gebieten vorkamen.

Als Bourdillons Behörde am Dienstag von elf weiteren Fällen im  Département Ain berichtete, wuchs die Kritik an den Gesundheitseinrichtungen, die keine Erklärungen anbieten können.

Alle Tests verliefen bisher ergebnislos. Einige Umweltschützer vermuten Pestizide als mögliche Ursache, da die Fälle stets in ländlichen Gebieten auftauchen. Andere sprechen von möglichen Gendefekten. Bisher gibt es für keine Hypothese Belege.

Statistische Relevanz ist gegeben

Die nun bekannt gewordenen Fälle aus Ain zeigen freilich eine deutliche statistische Relevanz, wie  das Registre des Malformations en Rhône-Alpes (Remera) festgestellt hat. Die Dokumentationsstelle für angeborene Missbildungen widersprach damit den Gesundheitsbehörden. Unterstützt wird ihre Argumentation von Remera laut der Tageszeitung Le Monde von mehreren Biostatistikern, die auf die Konzentration innerhalb eines kleinen Gebiets verwiesen.

Gesundheitsministerin Agnes Buzyn hat aufgrund des Drucks nun eine umfassende Untersuchung in Auftrag gegeben. "Wir können es nicht einfach damit belassen zu sagen, dass wir keine Ursachen gefunden haben", sagte die Politikerin.

Der Name der Befürchtungen: Contergan

In den 50er- und 60er-Jahren waren bis zu 12.000 Babys weltweit mit schweren Fehlbildungen zur Welt gekommen, deren Mütter während der Schwangerschaft ein Schlafmittel mit dem Wirkstoff Thalidomid - bekannt unter den Markennamen Contergan und Softenon - eingenommen hatten. Als Konsequenz aus dem Skandal wurde in Frankreich ein Register für die Erfassung von Geburtsdefekten (Remera) gegründet. Es war eine der Mitarbeiterinnen des Registers, Emmanuelle Amar, die nun auf die auffällige Häufung der Fehlbildungen in bestimmten Regionen aufmerksam gemacht hatte.





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Dokument erstellt am 2018-10-31 16:22:50
Letzte Änderung am 2018-11-01 10:56:09


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