Straßburg/Kiew. Der ukrainische Filmregisseur Oleh Senzow ist am Mittwoch vom Europaparlament mit dem diesjährigen Sacharow-Preis für Menschenrechte ausgezeichnet worden. Der 42-Jährige ist seit Mai 2014 in Haft in Russland, nachdem er öffentlich gegen die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland protestiert hatte.

Den Preis nahmen stellvertretend seine Cousine Natalja Kaplan und sein Anwalt Dmitrij Dinze entgegen. Senzow wurde er in einem international kritisierten Prozess wegen Zugehörigkeit zu einer terroristischen Organisation zu 20 Jahren Haft verurteilt. Nach einem langen Hungerstreik ist er außerdem schwer krank.

Preis für geistige Freiheit

Der Sacharow-Preis für geistige Freiheit wird jedes Jahr vom EU-Parlament verliehen. Die Auszeichnung ist nach dem verstorbenen russischen Dissidenten und Physiker Andrej Sacharow benannt und mit 50.000 Euro dotiert.

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani forderte Russland auf, Senzow unverzüglich freizulassen. Der Preis werde ihm für seine Bemühungen zur Verteidigung der Menschenwürde, der Demokratie und der Menschenrechte verliehen. Dies gelte mehr denn je nach dem gestrigen Anschlag in Straßburg, sagte Tajani. Senzow sei "ein Symbol für den Kampf der politischen Gefangenen in Russland und im Rest der Welt".

Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) betonte am Dienstagabend in Brüssel, dass sich Österreich "im Einklang mit den europäischen Partnern" für bessere medizinische Versorgung und die Freilassung von Oleh Senzow einsetze. "Es ist sehr bedauerlich, dass er sich den Preis nicht selbst abholen kann. Die Freiheit der Kunst ist unabdingbar in funktionierenden Demokratien und genau deswegen unterstützen wir das auch."

"Die Verleihung des Sacharow-Preises erinnert uns daran, dass in Europa noch heute ein Krieg herrscht, der viele Opfer fordert", sagte ÖVP-Delegationsleiter Othmar Karas.