Brüssel/Paris. (afp) Die französischen "Gelbwesten" wollen bei den EU-Wahlen Ende Mai mit einer eigenen Liste antreten. Die Protestbewegung veröffentlichte nun die Namen von zehn Kandidaten. An der Spitze steht die bekannte "Gelbwesten"-Aktivistin Ingrid Levavasseur, eine 31-jährige Krankenpflegerin aus der Normandie. Die neue Liste dürfte laut Umfragen vor allem die Rechtspopulisten Stimmen kosten.

Die "Gelbwesten"-Gruppierung "Ralliement d’Initiative citoyenne" (RIC, etwa: "Sammlung Bürgerinitiative") erklärte, sie wolle "die Wut in ein menschliches politisches Projekt umwandeln". Bis Mitte Februar solle die Liste auf 79 Kandidaten anwachsen. Auch Bürger außerhalb der Gruppe könnten dafür kandidieren. "Wir französische Bürger wollen nicht mehr die Entscheidungen europäischer Instanzen erdulden und die Diktate der Bankiers- und Technokratenkaste", hieß es weiter. An ihre Stelle sollten Menschlichkeit, Solidarität und die Sorge um den Planeten treten.

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Elabe zufolge könnte eine "Gelbwesten"-Liste bei der Europawahl am 26. Mai in Frankreich mit rund 13 Prozent auf den dritten Platz kommen - hinter der Partei "Die Republik in Bewegung" (La Republique en Marche) von Staatschef Emmanuel Macron und der rechtspopulistischen Nationalen Sammlungsbewegung (Rassemblement National, früher Front National) von Marine Le Pen. Die Rechtspopulistin sagte dem Sender CNews, sie habe "kein Problem mit einer ‚Gelbwesten‘-Liste". Auch Regierungssprecher Benjamin Griveaux begrüßte die Liste. Es sei "gesünder", wenn die Debatte "an den Urnen mit unverhülltem Gesicht" ausgetragen werde, sagte er dem Sender Radio Classique. Er warf anderen Aktivisten vor, "sich hinter Pseudonymen in sozialen Netzwerken zu verschanzen oder vermummt an Demonstrationen mit Gewalt" teilzunehmen.