London. Der Austritt Großbritanniens aus der EU wird sich Verkehrsminister Chris Grayling nicht verzögern. "Ich habe an jeder Kabinettssitzung teilgenommen und es hat keine Gespräche über eine Verzögerung über den 29. März hinaus gegeben", sagte Grayling im Interview mit dem "Telegraph". "Wir werden Artikel 50 nicht verlängern."

Sollte Großbritannien ohne Vertrag die Europäische Union verlassen, müsse die EU dafür die Verantwortung übernehmen. "Wenn sie nicht zu Kompromissen bereit sind, wenn sie nicht bereit sind, mit uns zusammenarbeiten, um eine gemeinsame Grundlage zu finden, dann fällt es auf sie zurück." Die EU lehnt Neuverhandlungen ab.

Irland offen für Alternativen zum "Backstop"

Irland zeigt sich indes im Brexit-Streit offen für Alternativen zu der umstrittenen "Backstop"-Garantie zur Vermeidung einer festen Grenze zu Nordirland. Bisher gebe es jedoch keine praktikablen Vorschläge, sagte Außenminister Simon Coveney am Montag in Brüssel.

Der sogenannte Backstop gilt in Großbritannien als größte Hürde für die Ratifizierung des Austrittsvertrags. Da die Zeit vor dem Brexit-Datum 29. März drängt, lässt die britische Regierung seit Montag eine Arbeitsgruppe alternative Regelungen prüfen.

May reist am Dienstag nach Nordirland

Premierministerin Theresa May will dann in Brüssel eine Änderung des Brexit-Abkommens erwirken. Wann May kommt, ist nach Angaben der EU-Kommission aber noch nicht bekannt. Zunächst will May am Dienstag für eine Brexit-Rede nach Nordirland reisen.

Coveney betonte, der Austrittsvertrag sehe bereits ausdrücklich vor, dass alternative Regelungen den Backstop ersetzen könnten - wenn es denn welche gäbe. Viele Optionen seien in den Verhandlungen geprüft und dann doch verworfen worden.

"Wunschdenken statt Lösung"

"Viele, viele, viele Stunden, das kann ich Ihnen sagen, waren nötig, um eine juristisch glaubwürdige und pragmatische Lösung für dieses Problem zu finden", sagte Coveney. "Irland wird nun von einigen in Westminister gebeten, eine zwischen Großbritannien und den EU-Unterhändlern vereinbarte Lösung zu verwerfen und sie durch Wunschdenken zu ersetzen."

Die mit konservativen Abgeordneten besetzte britische Arbeitsgruppe prüft unter anderem Vorschläge, die irische Grenze mit technologischen Mitteln zu überwachen. Es gehe auch um Methoden, die noch nicht bei den Brexit-Verhandlungen erwogen worden seien, sagte Brexit-Befürworter Marcus Fysh der BBC. Thema soll auch der sogenannte Malthouse-Kompromiss sein, der statt des Backstops eine längere Übergangsphase nach dem Brexit vorsieht.