• vom 31.05.2013, 18:43 Uhr

Europäische Union

Update: 31.05.2013, 20:02 Uhr

Blockupy

"Blockupy" macht EZB dicht




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Von Thomas Seifert

  • Proteste von Kapitalismuskritikern legen Bankenviertel und die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt lahm
  • Banker gehen inkognito ohne Krawatte, um nicht aufzufallen.

Demonstrieren im Regen. Ein Aktivist wird in Frankfurt von der Polizei festgenommen. - © reuters

Demonstrieren im Regen. Ein Aktivist wird in Frankfurt von der Polizei festgenommen. © reuters

Frankfurt/Wien. "EZB - echt ätzend" oder - etwas drastischer: "Fuck EZB" steht auf den Schildern der linken Demonstranten. Die Protestbewegung "Blockupy" hatte zum "Widerstand im Herzen des europäischen Krisenregimes" aufgerufen und tausende Demonstranten haben am Freitag in der Früh das Frankfurter Bankenviertel lahmgelegt. Die Veranstalter sprachen von mehr als 3000 Protestierenden, ein Polizeisprecher von 2500. "Die Blockade steht. Der Geschäftsbetrieb der EZB ist erfolgreich gestört", sagte "Blockupy"-Sprecherin Ani Dießelmann.


Die Proteste richteten sich unter anderem gegen die Sparpolitik der europäischen Regierungen, gegen Lebensmittelspekulationen der Banken, gegen Mietpreiserhöhungen und die Abschiebung von Flüchtlingen. Am Samstag werden mehr als 15.000 Teilnehmer bei einer Demonstration durch die Innenstadt erwartet.

Auch die Einkaufsmeile Zeil wurde zu einem Pilgerort der Protestler, dort warfen einige Demonstranten mit Farbbeuteln auf Schaufenster. Die Demonstranten wollten damit auf die Katastrophalen Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit mehr als 1000 toten Textilarbeitern aufmerksam machen.

"Der Schritt vom öffentlichen Protest zum zivilen Ungehorsam ist nötig", sagte ein "Blockupy"-Sprecher. "Mit der Blockade machen wir den europaweiten Widerstand gegen die verheerende Verarmungspolitik sichtbar."

Im vergangenen Jahr waren bei deutlich besserer Wetterlage rund 5000 "Blockupy"-Aktivisten nach Frankfurt gekommen, damals hatte die Polizei die Innenstadt komplett abgeriegelt. Diesmal war das Wetter schlecht, die Zahl der Demonstranten dadurch niedriger und daher begnügte sich die Polizei damit, nur einzelne Gebäude abzusperren.

Das Bankengeschäft in Frankfurt war dennoch beeinträchtigt: Die Mehrzahl der Banker arbeitete von zu Hause oder wich in Ausweichquartiere aus, viele nahmen den Fenstertag frei - Donnerstag war ja, genauso wie in Österreich, auch in Hessen ein Feiertag. Eine Reihe von Bankern ging ohne den klassischen Anzug und ohne Krawatte zur Arbeit: "Wir sind heute hier wieder in Notbesetzung, mit Jeans und T-Shirt, damit uns nur ja keiner erkennt", wurde ein Händler an der Börse in den Nachrichtenagenturen zitiert.

Blockupy und die 99 Prozent
Die Proteste sind von der "Occupy Wall Street"-Bewegung inspiriert, die ab Oktober 2011 mit der Besetzung des in der Nähe der Wall Street in Manhattan gelegenen Zuccotti Park auf die sich stetig öffnende soziale Kluft in den USA aufmerksam machen wollte. Die Ökonomen Joseph Stiglitz und Emmanuel Saez lieferten den US-Demonstranten damals die Grundlage für die Slogans, die Protestler dann auf ihre Transparente malten: "Wir sind die 99 Prozent!" stand dort zu lesen. Während nämlich 99 Prozent der Erwerbstätigen hilflos Stagnation oder gar ein Sinken ihrer Einkommen hinnehmen mussten, zogen die Einkommen des obersten Prozents davon.

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Dokument erstellt am 2013-05-31 18:47:03
Letzte Änderung am 2013-05-31 20:02:03


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