Frankfurt. Die Mitglieder des EZB-Rats sind am Donnerstag in der Früh in Frankfurt zu ihrer entscheidenden Zinssitzung zusammengekommen. Auf dem ersten geldpolitischen Treffen der Europäischen Zentralbank (EZB) in diesem Jahr wird eine Entscheidung über ein milliardenschweres Anleihekaufprogramm erwartet.

Mit dem weiteren Öffnen der Geldschleusen nach dem Vorbild der USA soll ein Abrutschen der Konjunktur im Euroraum in eine Deflation, also eine langanhaltende Schwächephase aus fallenden Preisen auf breiter Front und schrumpfenden Investitionen, abgewendet werden. Einem Insider zufolge steht ein Vorschlag im Raum, der ab März Bondkäufe von rund 50 Mrd. Euro pro Monat vorsieht.

Neuerliche Geldspritze
An der Börse gilt die neuerliche Geldspritze der EZB mittlerweile schon als ausgemachte Sache. Der Handlungsdruck für EZB-Präsident Mario Draghi ist hoch: Im Euro-Währungsgebiet waren die Lebenshaltungskosten zuletzt um 0,2 Prozent gefallen. Die EZB strebt aber mittelfristig eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. Das schärfste Schwert der EZB ist in normalen Zeiten der Leitzins. Dieser liegt aber seit längerem bereits bei 0,05 Prozent - damit ist die Waffe praktisch stumpf geworden.

Europäische Börsen warten voller Spannung auf die EZB
Wenige Stunden vor der erwarteten Bekanntgabe eines umfangreichen Kaufprogramms für Staatsanleihen durch die EZB haben sich die europäischen Anleger bedeckt gehalten. Dax und EuroStoxx50 kamen kaum vom Fleck, obwohl der deutsche Leitindex mit 10.313,23 Zählern seine erst am Vortag aufgestellte Bestmarkte um etwas mehr als einen Punkt übersprang. "Das wird die Stunde der Wahrheit", sagen Händler seit Tagen. "Da sind starke Nerven gefragt." EZB-Präsident Mario Draghi wird die Entscheidungen der Geldpolitiker ab 14.30 Uhr (MEZ) erläutern. Am Vortag hatten heftige Kursschwankungen angesichts diverser Spekulationen über Umfang und Zeitrahmen des Kaufprogramms einen Vorgeschmack gegeben.

Für viele Anleger ist es eine ausgemachte Sache, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Ankauf von Staatsanleihen (QE) ankündigen wird. Einem Insider zufolge wird das Volumen 50 Milliarden Euro monatlich betragen. "Die Latte, was den Umfang des Programms anbelangt, hängt inzwischen sehr hoch. So dürfte es Mario Draghi schwer fallen, die Börsianer positiv zu überraschen", warnte LBBW-Analyst Werner Bader. Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt bezweifeln, dass sich die EZB überhaupt auf eine konkrete Summe für das gesamte Ankaufprogramm festlegen wird. Auch die Commerzbank-Analysten vermuten, dass die Notenbank eher vage bleiben wird. "Bei der Pressekonferenz muss EZB-Präsident Draghi das Kunststück vollbringen, den Beschluss so zu verkaufen, dass er nicht als das politisch gerade noch Machbare erscheint, sondern als schlagkräftige Maßnahme."